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Korschenbroich: Renaissance fürs alte Schloss

VON CARSTEN SOMMERFELD - zuletzt aktualisiert: 12.11.2007 - 21:30

Korschenbroich (NGZ). Liedberg Beschaulich liegt Schloss Liedberg am Rande des Ortes - fast wie im Dornröschenschlaf wartet es auf den Prinz, der am Ende der hundertjährigen Ruhe kommt und den Bann bricht.

Peter Overlack an einem alten Modell von Schloss Liedberg, das zeigt, wie es früher einmal ausgesehen hat. Das Schloss soll künftig als Wohnraum dienen und wieder ein Aussehen ähnlich wie vor rund 100 Jahren erhalten.  Foto: NGZ
Peter Overlack an einem alten Modell von Schloss Liedberg, das zeigt, wie es früher einmal ausgesehen hat. Das Schloss soll künftig als Wohnraum dienen und wieder ein Aussehen ähnlich wie vor rund 100 Jahren erhalten. Foto: NGZ

Der Prinz hat einen Namen: Peter Overlack. Der neue Eigentümer hat mit dem Schloss viel vor, hat im Gestaltungsbeirat seine Pläne vorgestellt. Schloss Liedberg soll ein ähnliches Erscheinungsbild wie etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts - vor 100 Jahren - erhalten. „Damit wird die Symmetrie aus der Barockzeit wiederhergestellt, nach den Teileinstürzen vergangener Jahrzehnte wieder eine architektonische Balance geschaffen“, erzählt der Unternehmer aus Mönchengladbach, der betont: „Im Schloss soll Leben sein. Doch die heutige Beschaulichkeit der Anlage soll dennoch erhalten bleiben.“

Peter Overlack möchte das Schloss als Wohnraum für zwei, drei Parteien herrichten, denkt auch an „unauffälliges Gewerbe wie etwa ein Architekturbüro“. Ein Hotel oder Gaststättenbetrieb komme nicht in Frage. Der 50-Jährige, für den das Schloss „meine stille Leidenschaft ist“, möchte eines Tages selbst einer der Schlossbewohner werden.

Info

Erlaubnis

Der Gestaltungsbeirat mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und des Heimatvereins Liedberg hat nach Informationen der NGZ die Pläne grundsätzlich positiv zur Kenntnis genommen. Inzwischen hat der Eigentümer bei der Stadt als Unterer Denkmalschutzbehörde einen Antrag auf denkmalschutzrechtliche Erlaubnis gestellt. Wird diese erteilt, kann er entsprechend umbauen.

Bislang steht einer Wohnnutzung nach seinen Vorstellungen vor allem eines entgegen: „die vielen repräsentativen großen Räume. Ein 80 Quadratmeter großes Kinderzimmer mit fünf Meter hohen Wänden ist nicht wirklich gemütlich.“ Um geeigneten Raum zu schaffen, sollen die nur noch zum Teil bestehenenden Bauten Rittersaal und der Vogelsang wieder aufgebaut, ergänzt werden. „Rund ein Drittel der alten Steine liegen im Gelände, die sollen wiederverwendet werden“, so Overlack.Nach dem Umbau sind rund 800 Quadratmeter Wohnfläche vorhanden. Im Exposé des Architekten Martin Breidenbach aus Viersen für die Restaurierung wird betont, dass die dauerhafte Nutzung „in die historische Bausubstanz nicht oder kaum“ eingreifen soll. Der bisherige Mieter zieht laut Overlack aus.

Foto: NGZ

Der Eigentümer weiß, dass er vor einem Mammutprojekt steht, einen langen Atem braucht. „Eine Bekannte sagte nach einem Rundgang: ,Da hast Du Dir ja viel vorgenommen’.“ Doch die Untersuchung der Bausubstanz habe ergeben, dass keine unmittelbare Einsturzgefahr bestehe. Auf knapp 20 Jahre schätzt er die Dauer des gesamten Projekts, auf etwa vier bis sieben Millionen Euro die Kosten. Overlack beantragt dafür Fördermittel aus mehreren Töpfen.

In mehreren Schritten will er die Anlage sanieren und restaurieren. „Wir fangen bei den Kellern an“, die es zum Teil noch zu erforschen gilt; So wird ein Durchgang zwischen den Gebäudeteilen Gülich und Vogelsang vermutet. Überhaupt wird der Landeskonservator die Anlage im Zuge der Arbeiten dokumentieren. „Der Forschungsstand ist dünn.“ Auch Mauerwerk, Fassaden und Dächer werden saniert.

„Im Zuge dieser Arbeiten möchten wir den aus Holz bestehenden Renaissance-Stufengiebel zwischen Gülich und Vogelsang wieder aus Stein errichten.“ Für die Zeit der Restaurierung soll auf den Grundmauern eines früheren Gebäudes eine „Bauhütte“ errichtet werden, um Material und Werkzeuge zu lagern. Einige heutige Bewohner sollen bleiben: Schon jetzt leben auf Schloss Liedberg Schleiereulen und Turmfalken, ihr Lebensraum wird laut den Plänen gezielt gefördert. Wiesen, Hecken und Buschzonen sollen gepflegt werden und ein „lebendiges ökologisches Gefüge“ bilden.

Quelle: NGZ


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