Korschenbroich (NGZO). Das Klima ist angespannt: Buchhändlerin Renate Lewejohann fühlt sich von der Stadt bei der Schulbuchbestellung erneut ausgebootet. Amtsleiterin Michaele Messmann beteuert: „Wir haben als Stadt alles korrekt gemacht.“
Das Geschäft mit den Schulbüchern ist lukrativ und begehrt. Um so mehr ärgern sich Karin Lange (56) und Regina Lewejohann (51) von der Gutenberg-Buchhandlung, dass ihnen jetzt im dritten Jahr in Folge das Geschäft vor der Nase weggeschnappt wurde. Immerhin geht es bei der Schulbuch-Sammelbestellung um einen stattlichen Auftrag von 100 000 Euro. Michaele Messmann (53) kann weder die Verstimmung noch den indirekten Vorwurf, eine örtliche Buchhandlung bewusst zu übergehen, verstehen: „Wir haben als Stadt alles korrekt gemacht. Dafür lege ich sogar meine Hand ins Feuer.“
Das möchte Regina Lewejohann lieber nicht sehen. Sie ist Geschäftsführerin von „book & more“ und hat mit der Filiale in Korschenbroich noch drei weitere Standorte zu verantworten. Und auch ihr Mann ist mit drei weiteren Buchhandlungen am Start. Für die Geschäftsfrau ist das Vorgehen des städtischen Schulamtes mehr als fragwürdig. „Ich kann das mit Ausschreibungen in anderen Kommunen vergleichen. So etwas gibt es nirgendwo.“ Was die Geschäftsführerin und ihre Filialleiterin Karin Lange so aufbringt, „ist das für sie undurchsichtige und auch nicht nachvollziehbare Verhalten des Fachamtes“. 2009 – im Jahr der Geschäftseröffnung – war die Gutenberg-Buchhandlung – auf Nachfrage noch mit in das Bieterverfahren gerutscht. „Als wir uns 2010 erneut um den Schulbuchauftrag bewerben wollten, wurde uns im Fachamt eine Bewerberpause auferlegt“, erinnert sich Lewejohann kopfschüttelnd.
Erst eine persönliche Beschwerde beim Bürgermeister machte die zweite Teilnahme möglich. „Im Vorjahr ging dann der Auftrag nach Gladbach. Damit war für die Stadt auch die Gewerbesteuer futsch“, so Regina Lewejohann. „Und in diesem Jahr liefert ein Schreibwarenladen die Schulbücher aus.“ Für Michaele Messmann hat die Auftragsvergabe nichts mit Willkür oder der Mitgliedschaft im Börsenverein zu tun. „Für uns ist die Vergabe- und Vertragsordnung (VOL) entscheidend.“ Die vom Land empfohlene Vorgehensweise wurde vor mehr als fünf Jahren vom Stadtrat beschlossen.
Es gibt eine zentrale Bieterkartei mit 22 Kandidaten. „Sie stammen aus Korschenbroich und anderen Städten. Aufgenommen wird, wer die fachliche Qualifikation nachweist“, so Messmann. Warum letztlich das Los über die Auftragsvergabe entscheidet, begründet Messmann mit der Buchpreisbindung. „Der Auftrag lautet für alle Bieter 100 000 Euro für Schulbücher von neun Einrichtungen.“ Wer den Zuschlag bekommt, ist für zwei Jahre als Bieter gesperrt. Warum die Gutenberg-Buchhandlung 2010 dann erst auf Nachfrage wieder mitmachen durfte, ließ sich gestern nicht klären.
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