Weiches Ruhekissen für Annette Engel (NGZ). Zur Verabschiedung gab es für Annette Engel ein weiches Ruhekissen - aber es war nur ein Abschied von der Leitungsfunktion, nicht von der Person: „Ich bleibe ja im Bücherei-Team“, sagt Annette Engel, die Sonntag bei einem kleinen Empfang im Mittelpunkt stand. Aus persönlichen Gründen gibt sie die Leitung der Katholischen öffentliche Bücherei St. Georg an der Hildegundisstraße an ein Quartett von Ehrenamtlerinnen weiter.
Fünf Jahre lang leitete die 62-Jährige die Bücherei, bereits seit 26 Jahren ist sie dort aktiv. „Meine ältere Tochter lieh sich damals hier Bücher aus. Dabeierfuhr ich, dass neue Mitarbeiterinnen gebraucht wurden“, erzählt Annette Engel, die aus Havixbeck im Münsterland stammt und über den „Umweg“ über München ins Rheinland zog. „Als ich anfing, hatten wir vielleicht 3 000 Bücher, heute sind rund 6 000 Bücher, Musikkassetten, Videos und andere Medien im Bestand.“
Etliche Stunden Freizeit hat sie geopfert, Arbeit mit nach Hause genommen Auch die Familie - Annette Engel ist verheiratet, hat drei Kinder - half mit. „Dieses Ehrenamt erfordert viel Zeit, Engagement und Verantwortung, da braucht man Kraft“, sagte Veronika Dackweiler, Leiterin der Bücherei St. Dionysius in Kleinenbroich. Die fünf Katholischen öffentlichen Büchereien in der Stadt arbeiten in einem Büchereisystem zusammen. Mitglieder in der einen können auch in den anderen Einrichtungen ausleihen.
Die Bücherei St. Georg betreut besonders die Sachgebiete Geschichte und Sozialwissenschaften. Das Wort „öffentlich“ im Namen der Büchereien wird heute betont. Ein Vierteljahrhundert Bücherei-Geschichte hat Annette Engel miterlebt und mitgeprägt, beispielsweise den Umzug in den neuen, wesentlichen größeren Raum. Dabei kann die Bücherei auf eine noch viel längere, bewegte Geschichte zurück blicken. „Schon 1846 gab es in Liedberg eine Pfarrbücherei. Die Bücher wurden in der Sakristei ausgeliehen, und die Leser bekamen nur Bücher, die ,für sie geeignet’ waren“, erzählt Käthe Bongartz über ehemaliges pädagogisches Verständnis.
Die 76-jährige Vorgängerin von Annette Engel - von Beruf Diplombibliothekarin - hat die Bücherei ab 1974 wieder aufgebaut und viele Jahre geleitet. „1943 waren die katholischen Büchereien unter den Nationalsozialisten verboten worden, die Bücher wurden an Privatleute verteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen Neuanfang, aber auch diese Bücherei musste wieder schließen. 1974 begannen wir neu in der ehemaligen Küche hier im Jugendheim.“
Heute betreuen 13 Mitarbeiter, zwölf Frauen und ein junger Mann, die rund 260 Leser. „Kinder lesen gern Harry Potter und Pferdebücher, auch die ,Drei Fragezeichen’ sind beliebt“erzählt Annette Engel, die Erwachsenen fragten oft neue Romane nach. Aus dem Mitarbeiter-Team stammt auch das neue Leitungsquartett: Irmgard Schönknecht, Brigitte Schoss, Eveline Drevers und Heide Lumovici. Die Arbeit soll auf mehrere Schulterpaare verteilt werden.Und auch organisatorisch soll sich etwas ändern. Bislang werden die rund 5 500 Ausleihen jährlich „von Hand“ verwaltet. „Wir suchen einen gebrauchten, nicht zu alten PC, um die Arbeit auf Computer umzustellen“, sagte Brigitte Schoss. cs
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