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Unges Pengste: Zu Pfingsten wird in Korschenbroich gebeiert

zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 - 16:40

„Vom hohen Turm es beiert, Unges Pengste wird gefeiert.“ So heißt es im Korschenbroicher Pfingstlied. Im 500 Jahre alten Kirchturm der Pfarre St. Andreas Korschenbroich schlagen zu Pfingsten nach jahrhundertealtem Brauch Beiermänner die Glocken.

Im 500 Jahre alten Kirchturm von St. Andreas Korschenbroich beiern Heinz-Theo Kempermann (l.) und Rainer Iven die Glocken zu "Unges Pengst".  Foto: Reuter
Im 500 Jahre alten Kirchturm von St. Andreas Korschenbroich beiern Heinz-Theo Kempermann (l.) und Rainer Iven die Glocken zu "Unges Pengst". Foto: Reuter

Sie verkünden der Stadt und dem Umland, dass in Korschenbroich „Unges Pengste“ (Unser Pfingsten) gefeiert wird: Das Volks- und Heimatfest der Gemeinde, aus der Pfingstprozession entstanden, ist Höhepunkt des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Es lockt alljährlich 50 000 Gäste nach Korschenbroich, die sich die Paraden und Umzüge der 1000 Schützenbrüder ansehen, im Festzelt auf dem Matthias-Hoeren-Platz feiern oder das Konzert der Beiermänner hören wollen.

Die überlieferte Glockenmelodie mit dem Vers „Anton, Anton, Töllesch, Töllesch, Anton“ erinnert an den Glockenspieler Anton Schmitten, der im 18. Jahrhundert zuerst Zöllner (Töllesch) an der alten Heerstraße am Schloss Myllendonk und später Wirt im „Lindenhof“ am Korschenbroicher Marktplatz war. Schmitten, dessen Nachfahren noch heute in Korschenbroich im „Lindenhof“ hinter der Theke stehen, war und ist Vorbild für etliche Generationen von Beiermännern, die nach ihm in den Glockenstuhl stiegen, um von „Unges Pengste“ zu verkünden.

Info
Unges Pengste in Korschenbroich: Königsparade mit Blumenkorso (1000 Schützen, 350 Musikanten, 30 Blumenhornträger) Pfingstsonntag, 16.45 Uhr, und Pfingstmontag, 12.30 Uhr; Kirmesmarkt und Festzelt (Samstag und Sonntag Oldie-Night, Montag Königsball).

Brauchtumspfleger Rainer Iven, von Beruf Bankkaufmann, hat vor etlichen Jahren schon die ehrenamtliche Aufgabe des Beiermanns von seinem Onkel Hubert übernommen. Gemeinsam mit seinem Freund Heinz Theo Kempermann sorgt er für das pfingstliche Konzert. Mit Hilfe von Seilen schlagen die beiden Beiermänner die zentnerschweren Klöppel gegen die ruhig hängenden Glocken. Das ist Kraftarbeit, muss aber mit viel Gefühl gemacht werden, damit die drei großen Bronzeglocken keinen Schaden nehmen.

„Ohne das Beiern würde uns Pfingsten etwas fehlen“, sagen die Korschenbroicher Bruderschaftspräsidenten Peter Schlösser (St.-Sebastianus-Bruderschaft) und Andreas van de Kraan (St.-Katharina-Junggesellen-Bruderschaft). Schließlich sei das Pfingstlied auch (Fest-)Programm. Altpräses Pfarrer Alois Müller sieht das ähnlich, wird doch durch das Glockenschlagen auf den kirchlichen Ursprung des Volks- und Heimatfestes hingewiesen.

Aus der Sicht des Brauchtumspflegers sieht Bezirksbundesmeister Horst Thoren das Beiern in Korschenbroich: „Der Charakter unserer Feste wird bestimmt von den überlieferten Sitten und Gebräuchen. Das macht ihren besonderen Reiz aus. Würden auch unsere Feste das Fernseh-Einerlei bieten, hätten sie bald keine Gäste mehr, würden unsere Mitglieder von der Fahne gehen.“

Übrigens: Wer das Pfingstkonzert vom hohen Turm hören will, muss am Pfingstsamstag – gegen 16 Uhr – in Korschenbroich sein.


 
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