So ändern sich die Zeiten: Einst war das Aufeinandertreffen zwischen TC BW Neuss und dem TC Amberg am Schanzl das Duell um den Meistertitel in der Tennis-Bundesliga. Damals am Schläger: Jochen Hierl und Lutz Steinhöfel, heute Vorsitzende der Blau-Weissen.
Die Ausgangslage ist klar: Wollen beide Klubs ihre selbst gesteckten Ziele nicht vorzeitig aus den Augen verlieren, müssen sie am Sonntag punkten. Für Gastgeber Blau-Weiss Neuss (3:3 Punkte) geht es darum, nicht schon am vierten Spieltag der Tennis-Bundesliga den Anschluss ans Spitzenquartett aus Halle (6:0), Düsseldorf, Aachen (je 4:0) und Mannheim (4:2) zu verpassen. Und der TC Amberg am Schanzl (0:6), der sich ab 11 Uhr an der Jahnstraße vorstellt, braucht dringend den ersten Sieg, um wie im Vorjahr bereits frühzeitig den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen.
Das verspricht ein heißes Duell. Doch das waren die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Klubs schon immer. Kein anderer hat so viele Titel in der Bundesliga gewonnen wie Neuss (10) und Amberg (6) – GW Mannheim (5) und das aufgrund seines finanziell bedingten Rückzuges als erster Absteiger feststehende Etuf Essen (4) folgen mit respektvollem Abstand.
Freilich: Die "goldenen Zeiten" der ewigen Rivalen liegen schon ein paar Jährchen zurück. Amberg holte fünf seiner sechs Titel zwischen 1978 und 1982 in ununterbrochener Reihenfolge, drei davon – 1979, '81 und '82 – im Endspiel gegen Neuss. 7:2, 7:2 und 5:4 lauteten damals die Resultate aus Sicht der Oberfranken, die sich anderthalb Jahrzehnte später noch einmal die Tenniskrone aufsetzen durften: Ihr Titelgewinn 1998 (5:4 und 6:3 gegen den TC Bad Homburg) kam völlig überraschend. Danach verschwanden die "Schanzler" in der Versenkung, mussten sogar in die Regionalliga – und kehrten vor zwei Jahren ins Oberhaus zurück, dem sie insgesamt 22 Jahre angehören. Neuss, in seiner dreißigsten Spielzeit seit 1979 dabei (Unterbrechungen gab es nur 1995 und '98), löste die Oberfranken als Serienmeister ab: 1983 gewann Blau-Weiss seinen ersten Titel durch ein 6:3 über RW Berlin (das mit insgesamt zwölf Meisterschaften, davon sieben vor Einführung der Bundesliga im Jahre 1973 immer noch Rekordmeister ist), verteidigte ihn ein Jahr später durch ein 5:1 über Amberg und gab den "Pott" erst 1990 (5:4 und 0:6 gegen Iphitos München) wieder her. 1991, '92 und '94 ging der Titel noch drei Mal an die Jahnstraße, 2000 und 2006 wurden die Blau-Weissen dann noch einmal Vizemeister.
Seither kämpfen die Neusser um den Klassenerhalt – den sie mit einem Sieg am Sonntag schon so gut wie gesichert hätten. Nicht nur deshalb dürften Jochen "Lupo" Hierl und Lutz Steinhöfel dem Aufeinandertreffen mit Amberg besonders gespannt entgegen blicken, schließlich gehörten sie zu jenen legendären Truppen, die Anfang der achtziger Jahre Blau-Weiss an die Spitze brachten: Steinhöfel (1979 bis '85) wurde drei, Hierl (1983 bis '86) sogar vier Mal Meister, heute lenken sie die Geschicke des Klubs. Vor allem Lutz Steinhöfel weiß, wie bitter Niederlagen gegen Amberg schmecken, scheiterte er doch drei Mal im Endspiel an den Oberfranken. Eine Wiederholung möchte sich der Zweite Vorsitzende übermorgen sicher gerne ersparen.
Info Ausführliche Vorschau auf das Spiel in der Samstagausgabe
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.