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Lokalsport: Am Ende kackt die Ente

VON VOLKER KOCH - zuletzt aktualisiert: 21.08.2006 - 07:55

Joachim Kurth nahm das Ganze mit Humor: „Wer solche Spiele nach hinten ’raus gewinnt, der muss doch ein Klasseteam sein. Schließlich heißt es ja: Am Ende kackt die Ente.“ Es war schon eine gehörige Portion Sarkasmus, mit der der Torhüter- Routinier des TSV Bayer Dormagen den 27:26-Sieg (Halbzeit 11:14) des Handball-Zweitligisten über den französischen Erstliga-Aufsteiger SM Vernon zum Abschluss des NGZ-Sport-Samstags bewertete.

Denn wirklich zufrieden war Kurth, der selbst mit einigen Glanzparaden gegen freistehend vor ihm auftauchende Franzosen in der Schlussphase den Grundstein für die erfolgreiche Aufholjagd gelegt hatte, nicht mit seinen Vorderleuten.

Konnte er auch nicht sein, denn am Nachmittag in der Mannschaftspräsentation auf der Bühne zeigte sich der letztjährige Vizemeister der Zweiten Liga Süd wesentlich spritziger und niveauvoller als auf dem Parkett des mit knapp tausend Zuschauern dann doch noch gut gefüllten TSV-Bayer-Sportcenters.

Nur zwei Mal während der sechzig Minuten, die vom Unterhaltungswert nicht so recht an die TSV-Auftritte bei den vorangegangenen NGZ-Sport-Sonntagen (gegen US Dunkerque und SG Wallau-Massenheim) herankamen, lagen die Hausherren in Führung: beim 4:3 durch Florian Wisotzki (10.) und eben beim 27:26, das Kjell Landsberg, mit vier Treffern bester Feldtorschütze, in der Schlussminute erzielte.

Zur Ehrenrettung der Dormagener sei Dreierlei gesagt. Erstens, der Zeitpunkt der Partie: „In der vierten Trainingswoche bist du einfach kaputt“, entschuldigte Kurth die mitunter fehlende Aggressivität und Spritzigkeit seiner Mitspieler. Immerhin hatten die Bayer-Handballer vor dem Anpfiff bereits 16 Vorbereitungsspiele (inklusive des inoffiziellen Vergleichs mit den Franzosen vom Vorabend, den sie mit 29:27 gewannen) in den Knochen.

Am Sonntag kam dann noch ein 31:30-Sieg beim Liga-Rivalen Bergischer HC (Fusion aus SG Solingen und LTV Wuppertal) in dessen Heimspielstätte, der Wuppertaler Bayer-Halle, hinzu. „In der nächsten Woche müssen wir das Training genau dosieren“, hatte Trainer Kai Wandschneider schon vor dem Anpfiff des Vernon-Spiels erkannt. Schließlich wartet am Wochenende mit dem Isenbeck-Handball-Event in Hamm schon wieder ein Turnier mit Partien gegen die Nord-Zweitligisten TuS Spenge und ASV Hamm auf die Dormagener.

Zweitens: Die hochmotivierten Franzosen, die in Weltmeister Patrik Cavar (7/1) und dem Ex-Dormagener Johan Boisedu (6/1) ihre besten Werfer hatten - bei Dormagen waren es Alexander Koke (5/2), Kjell Landsberg (4), Ingo Meckes (3) und Marcel Wernicke (3/1) - ließen durch beherztes Zupacken nur wenig Raum für spektakuläre Spielzüge. So verwandelte Adrian Wagner, der am Sonntag in Wuppertal wegen Erkrankung fehlte, beim 7:10 (21.) der einzige Kempa-Trick der Partie - da hat der TSV in manchem Meisterschaftsspiel mehr zu bieten gehabt,

Drittens: Mario Kelentric zeigte zwischen den Torpfosten der Gäste, was einen Weltmeister und Europapokalsieger (vor Jahresfrist mit TuSEM Essen) von einem durchschnittlichen Zweitliga-Torhüter unterscheidet: die Schnelligkeit. Erfahrungen, die die Dormagener auch schon in ihren Pflichtspielen gegen Erstligisten (im Pokal gegen Kiel, in der Relegation gegen Wilhelmshaven) machen mussten.

Fazit: Zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel (2. September DHB-Pokal beim HSC Bad Neustadt) ist noch viel Sand im Bayer-Getriebe. Aber wie lautet die Handball-Weisheit: Am Ende kackt die Ente.

Quelle: NGZ


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