Kai Wandschneider wirkte sichtlich gelöst: „Ich bin ja sonst eher ein kritischer Mensch“, ließ der Handball-Lehrer am Sonntagabend am Telefon vernehmen, „aber diesmal kann ich nur sagen: Ich habe nichts auszusetzen.“ Kein Wunder, nahm doch der von ihm trainierte TSV Bayer Dormagen die Hürde beim heimstarken EHV Aue souverän mit einem 33:23-Sieg. „Das war eines Spitzenreiters würdig“, meinte auch Pressesprecher Knut Kleinsorge angesichts einer „bärenstarken“ Vorstellung des Zweitliga-Tabellenführers, der bereits zur Pause mit 18:11 in Front gelegen hatte. „Ein souveräner Start-Ziel-Sieg eben“, freute sich Wandschneider.
Seine gelöste Stimmung war verständlich. Schließlich waren vor dem Anpfiff in der trotz des Wintereinbruchs mit 1 100 Besuchern gut gefüllten Lößnitzer Erzgebirgshalle alle Zutaten für eine Blamage gegeben: „So etwas treibt einen immer um“, bekannte Wandschneider: „Stell’ dir vor, die anderen liefern dir die Vorlage und du selbst ziehst nicht nach.“ Die Vorlagen hatten in diesem Fall der TV Hüttenberg und die SG Bietigheim-Metterzimmern geliefert, die Dormagens Hauptkonkurrenten TV Willstätt (33:34) und HSC Coburg (24:27) überraschende Heimniederlage beibrachten.
Oft genug in den vergangenen Jahren hatten die Dormagener ähnliche Situationen nicht nutzen können. Jetzt taten sie es und dürfen sich angesichts eines auf drei beziehungsweise vier Punkte angewachsenen Vorsprungs als der Gewinner der Woche fühlen. „Jetzt können wir auch mit breiter Brust nach Friesenheim fahren“, denkt Wandschneider bereits an die nächste Aufgabe am Sonntag (18 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen) bei einem „dann aber sicherlich wesentlich stärkeren Gegner.“
Der EHV Aue, der bisher zu Hause erst ein Spiel verloren hatte (34:35 gegen Willstätt), war am Sonntagabend hingegen chancenlos. „Am Ende haben die dann auch resigniert“, meinte Wandschneider, der aus einer „absolut geschlossenen Mannschaftsleistung“ drei Spieler heraushob: Torhüter Joachim Kurth, der mit einem Dutzend Paraden die Weichen schon früh (10:5, 16.) auf Sieg stellte und dabei gut mit der 5+1-Deckung harmonierte; da hatte EHV-Trainer Maik Nowak seinen Kollegen Mareks Skabeikis schon durch Rostislav Badura ersetzt, der aber vor allem gegen Adrian Pfahl ebenfalls kein Mittel fand.
Den zehn Mal erfolgreichen Linkshänder, der nur einen Fehlversuch hatte, nannte Wandschneider als zweiten überragenden Akteur. Dritter im Bunde war Abwehrrecke Maciej Dmytruszynski, der im Innenblock der Deckung zusammen mit Christoph Schindler für Ordnung sorgte. „Er ist eine echte Verstärkung“, lobt Wandschneider den polnischen Zugang vom SC Magdeburg.
Dormagen steckte auch die Disqualifikationen für Maté Joszá, der für eine Angriffsaktion (!) die Rote Karte sah (46.), die allerdings keine Sperre nach sich zieht, und Christoph Schindler (3. Zeitstrafe, 52.) ebenso wie das Ungleichgewicht der Strafzeiten (16:8 Minuten) weg. Nicht nur das, „in Unterzahl waren wir fast besser als bei Gleichstand“, meinte Wandschneider. Der sich schließlich auch noch darüber freuen durfte, dass die „Reservisten“ Joey Duin, Ingo Meckes und Szabolcs Laurencz jeweils kurz nach ihrer Einwechslung ein Tor erzielten. Wenn’s läuft, dann läuft’s eben.
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