Dem ehemals „weißen Sport“ ging es schon mal besser. Während seine Spitzenspieler überlegen, wie sie ihre Millionen am besten anlegen, droht der Tennisbasis die Luft auszugehen: „Die Verteuerungen durch drastisch steigende Energiekosten, die Erhöhung der Mehrwertsteuer und anderes belasten die Tennisvereine, die alle vereinseigene Anlagen unterhalten, besonders stark“, weiß Dr. Helmut Keck.
Der Vorsitzende des Tenniskreises Neuss befürchtet eine Sogwirkung: Tennis wird teuer, deshalb bleiben die Mitglieder weg, weshalb es für die verbliebenen Tennisspieler wiederum teurer wird - ein Teufelskreis. Zumal er findet, dass „die Aussage, dass Tennissportler aufgrund der Einkommensverhältnisse finanziell belastbarer sind, nicht mehr richtig und zeitgemäß“ sei. Der Tenniskreis hatte deshalb auf seiner letztjährigen Mitgliederversammlung eine Kommission zur „Zukunft des Tennissports im Rhein-Kreis Neuss“ ins Leben gerufen.
Ihr Bericht liegt jetzt vor. Ein Bericht, der neben akribisch zusammengetragenem, interessanten Zahlenmaterial (siehe nebenstehenden Artikel) auch Handlungsempfehlungen enthält. Die können nicht wirklich überraschen, denn dass sich ein Sportverband nicht für die Schließung von Sportstätten ausspricht, scheint logisch. Die Kommission sieht in der aktuellen Entwicklung eher eine „Normalisierung der Platznutzung“, durch die die einstmals „überlangen Wartezeiten auf einen freien Tennisplatz“ abgebaut werden konnten.
Damit stellt sich der Tenniskreis vehement gegen Bestrebungen einzelner Kommunen, vor allem in Neuss aufgrund der dort vor einem Jahr erstellten Sportstudie, Tennisanlagen zu schließen und in Bauland umzuwidmen. Dies sei allein schon deshalb problematisch, weil „viele Vereine in unmittelbarer Nachbarschaft von anderen Sportanlagen wie zum Beispiel Fußballplätzen angesiedelt sind und sich somit die Grundstücke nicht als Bauland verkaufen lassen.“
Das gleiche Argument spricht laut Tenniskreis-Studie auch gegen die Fusion von Tennisklubs, da diese „allesamt über eigene Klubhäuser verfügen, die nicht beliebig veräußerbar sind.“ Stattdessen empfiehlt die Zukunfts-Kommission neben einer Kooperation von Tennisvereinen „mit dem Ziel, ihre Kostenstruktur“ zum Beispiel durch den „gemeinsamen Einsatz von Personal und Geräten“ oder den „gemeinsamen Einsatz von Personal in den Bereichen Training, Platzpflege, Sekretariat, Gartenarbeit oder Klubhaus zu optimieren“, die Möglichkeit, „sich mit anderen, nicht tennisspielenden Sportvereinen am Ort zusammenzuschließen. Dies würde die Mitgliederzahl des neuen Spartenvereins deutlich erhöhen und das Sportangebot für die Mitglieder beider Vereine attraktiv erweitern.“
Das Klubhaus könnte sich dabei als Pfund erweisen, mit dem die Tennisvereine wuchern könnten: „Viele der Sportvereine am Ort besitzen nämlich oftmals im Gegensatz zu den Tennisvereinen kein eigenes Klubhaus und müssen sich zu Zusammenkünften andere Tagungsstätten suchen. Eine solche Fusion könnte das Vereinsleben und damit die Attraktivität beider Vereine deutlich erhöhen.“
Zumal die aus einer solchen Zusammenarbeit oder gar Zusammenlegung entstehenden Vereine sich von ihrer Größe her eine hauptamtliche Geschäftsführung leisten könnten. Von den insgesamt 48 Tennisvereinen im Rhein-Kreis Neuss (davon gehören 36 zum Tenniskreis Neuss) sind zur Zeit 19 als Abteilung einem Hauptverein angeschlossen. Nur sieben der 48 Vereine haben mehr als 400 Mitglieder (wovon drei auch noch Abteilungen eines Mehrspartenvereins sind). „Zur Stärkung der Sportart Tennis und ihrer Vereine im Kreisgebiet ist eine enge Zusammenarbeit aller Vereine notwendig“, ist Dr. Helmut Keck überzeugt. Fragt sich nur, ob die Botschaft auch bei denen ankommt, für die sie bestimmt ist.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.