Den ersten und den letzten Kampf gewonnen, dazwischen eine bittere Lektion kassiert. Auf diese Kurzformel lässt sich der erste Heimauftritt des KSK Konkordia Neuss in der Play-off-Runde der Ringer-Bundesliga bringen.
Der auch zugleich der letzte sein wird, denn die mehr als deutliche 8:26-Schlappe gegen den SV Wacker Burghausen lässt sich im Rückkampf am kommenden Samstag nicht mehr drehen, mögen die Neusser auf ihrem Weg in die Burghausener Sportparkhalle auch noch so viele Kerzen im nahegelegenen Altötting anzünden.
In St. Quirin hätten sie dies schon vor Wochen tun müssen. Denn die Ursache für die vernichtende Schlappe, die so eindeutig ausfiel, dass bei den bayerischen Gästen nicht einmal rechte Freude über den Sieg aufkommen wollte, liegt in der Vergangenheit: In den vielen verletzungsbedingten Ausfällen, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Rückrunde zogen.
„Wenn ich sehe, wer alles neben der Matte sitzt, ist es erstaunlich, dass die Neusser überhaupt eine Mannschaft zusammen bekommen haben“, meinte Horst Faller, international erfahrener Kampfrichter im Ruhestand, schon vor dem Anpfiff durch seinen nicht immer souveränen Kollegen Ralf Schneider aus dem badischen Lauffen.
Zehn Kämpfer hatten die Neusser in der Tat aufgeboten, doch mindestens drei erwiesen sich als nicht-bundesliga-tauglich. „Keinen Vorwurf an die Jungs“ schickte Hermann J. Kahlenberg in Richtung Sergej Lupin, Anatolij und Michael Efremov, die allesamt die „Höchststrafe“ kassierten, Lupin gegen den Deutschen Vizemeister Eugen Ponomartschuk sogar in Form einer Schulterniederlage: „Sie sind noch jung und kämpfen sonst in der Oberliga“, zeigte der KSK-Präsident Verständnis für die Lehr- und Flugstunden, denen sich das Trio ausgesetzt sah.
„So ist das, wenn man jede Gewichtsklasse nur einmal besetzt hat“, meinte Max Schwindt. Der frühere Junioren-Weltmeister wollte angesichts der Personalmisere sogar einen Einsatz wagen, wurde aber wegen seiner Ellbogenverletzung vom Mannschaftsarzt zurückgepfiffen - das Risiko, sich noch schwerwiegender zu verletzen, erschien mit Blick auf die anstehenden Einzelmeisterschaften und die, wenn auch geringe, Olympiachance zu groß.
Ähnlich erging es Björn Holk und Mahmut Cavusoglu. Sergyi Skrypka, nach seiner Kreuzbandoperation immerhin schon ohne Krücken unterwegs, hat 2008 schon komplett abgehakt: „Dann greifen wir eben nächstes Jahr wieder an.“
Dem KSK wird auch nichts anderes übrigbleiben. „Schade, dass die Saison, die so toll begonnen hatte, so enden muss“, bedauerte Kahlenberg und blieb auch nach dem Mattendebakel bei seiner Ansicht: „In Bestbesetzung wären wir weitergekommen.“
Bernhard Eich, Werksleiter beim Hauptsponsor Hydro, sah das ein wenig anders: „Burghausen hatte überhaupt keinen Schwachpunkt. Gegen die hätten wir auf jeden Fall verloren.“
Da war was ’dran. Denn neben den erwarteten Niederlagen der Ersatzleute stachen auch vermeintliche Trümpfe nicht: Lukasz Banak (120 kg) gab in seinem ersten Kampf für den KSK eine 2:0-Führung gegen den 22 Kilo leichteren Theodorous Tounousidis noch aus der Hand, weil er offensichtlich taktisch nicht auf einen Bundesligakampf (geht über fünf Runden, international nur über drei) vorbereitet war.
Sein Landsmann Lucjan Gralak enttäuschte gegen Ivan Deliverski einmal mehr. Jackson Vaillant fand gegen Gergely Kiss nicht die richtige Einstellung. Am härtesten traf die Neusser aber das 0:4 von Samet Dülger gegen den Bulgaren Nikolay Kurtev - dem „Überflieger“ wurden deutlich Grenzen aufgezeigt. So blieben nur Siege von Mimoun Touba und Israfil Duman - zu wenig für einen halbwegs gelungenen Abend.
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