Auch wenn die Saison in der Fußball-Landesliga noch lange dauert, nach dem bisherigen Verlauf sind die Parallelen zur vorigen Spielzeit nicht zu übersehen. Damals waren es Topfavorit 1. FC Kleve und der SC Kapellen, die sich ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufstieg lieferten, momentan sieht es so aus, als sollten TuRu Düsseldorf und Bayer Dormagen in diese Rollen schlüpfen. Schon im Hinspiel hielten die Dormagener gegen die haushoch favorisierten Kicker von TuRu Düsseldorf prächtig mit. 0:0 hieß es am Ende. Ein Resultat, mit dem Bayer sicher wieder leben könnte.
Die Düsseldorfer übernehmen den Part des Ligakrösus, der mit allen (finanziellen) Mitteln den Sprung in die höhere Klasse schaffen will, die Chemiestädter den des unbekümmerten Außenseiters, der gerne aufsteigen will, aber nicht muss. Am Sonntag geht es im Stadion an der Feuerbachstraße beim direkten Aufeinandertreffen der beiden gegensätzlichen Kontrahenten um die Tabellenführung und es fällt zumindest eine Vorentscheidung darüber, wer das Rennen um die Meisterschaft macht.
Denn eins ist wohl klar, sollte die Truppe von Ex-Profi Demir Hotic vor eigenem Publikum die Feuerprobe bestehen, hätte sie fünf Punkte Vorsprung auf den TSV und es wäre nur schwer vorstellbar, dass sich die von erstklassigen und routinierten Spielern gespickte Mannschaft in den restlichen zwölf Spielen dann noch aus dem Konzept bringen lassen würde. Zumal sich TuRu nach anfänglichen Problemen mittlerweile gefunden zu haben scheint.
Seit der überraschenden Niederlage im Stadtderby gegen den DSC hat man fünf Spiele in Folge gewonnen, keines mit weniger als drei geschossenen Toren. In den Spielen nach der Winterpause, in der man sich noch mit Derek Phillips vom Regionalligisten SV Wehen und Gino Marotta aus Worringen verstärkt hat, setzte sich die TuRu gar mit 5:0 gegen Viersen und 6:0 gegen den Linner SV durch. "Kein Grund abzuheben, momentan haben wir noch nichts erreicht", versucht Demir Hotic alle diejenigen zu beruhigen, die einen Durchmarsch seiner Truppe befürchten.
Dennoch macht er kein Geheimnis daraus, dass er noch viel erreichen will mit seiner Mannschaft. "Wir wollen hier in den nächsten Jahren etwas bewegen und die Nummer eins in Düsseldorf werden." Wahrscheinlich, dass es da überhaupt nicht in die Pläne von Hotic und Mäzen Heinz Schneider passen würde, wenn Dormagen ihnen einen Strich durch die Aufstiegspläne machen würde. Also schon ein gewisser Erwartungsdruck, mit dem die TuRu-Kicker am Sonntag aufs Feld müssen.
Das sieht auf Seiten der Dormagener anders aus: "Wieso sollten wir nervös sein?", fragt TSV-Spielertrainer Jörg Ferber, "wir haben schließlich überhaupt nichts zu verlieren. Im Gegenteil, meine Spieler sind richtig heiß darauf, vor so großer Kulisse aufzulaufen." Um kein Risiko einzugehen, ließ Ferber Anfang der Woche im Kreispokalspiel gegen den VfR Büttgen gleich acht Stammspieler draußen. Erst als es nach 90 Minuten durch Tore von Volkan Öktem (Bayer) und Dirk Schneider (VfR) 1:1 stand, kamen in der Verlängerung Oliver Müller und Jörg Ferber selbst und erzielten die Tore zum 3:1-Endstand.
In Bestbesetzung kann Bayer aber trotzdem nicht nach Düsseldorf reisen. Christian Bergmayer wird wegen seiner Sprunggelenksverletzung weiterhin auf der linken Seite fehlen und Sinisa Vascovic laboriert noch an einer Oberschenkelzerrung. Zudem hat Andreas Wincierz Probleme mit der Schulter, sein Einsatz ist zumindest fraglich. Ferber: "Trotzdem hoffe ich, dass sich unsere jugendliche Grelligkeit gegen die Routine durchsetzt." David Beineke
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