Tennis-Bundesligist Blau-Weiss Neuss hat nach dem zweiten Saisonsieg den Klassenerhalt so gut wie in der Tasche – und darf sich angesichts von nunmehr 5:3 Punkten weiter als "hartnäckigster Verfolger" des Spitzenquartetts fühlen, von dem nach dem gestrigen 4:2-Erfolg des Düsseldorfer Rochusclubs über BW Halle nur noch ein Duo verlustpunktfrei ist.
Doch vor offiziell 1200 Zuschauern – tatsächlich waren nur 600 auf der Anlage an der Jahnstraße – mussten die Neusser bei ihrem 5:1-Erfolg über den mit einer "Reisemannschaft" angetretenen Altmeister TC Amberg am Schanzl mehr zittern, als es das Endergebnis vermuten lässt.
Denn trotz der überaus glatten Siege von Robin Haase (6:2, 6:3 über Albert Wagner) und Flavio Cipolla (6:1, 6:3 über Jan Masik) gegen ansonsten vornehmlich im Amberger Regionalligateam eingesetzte und deshalb überforderte Kontrahenten hätte es nach den vier Einzeln gut und gerne 2:2 heißen können.
Um 14.45 Uhr atmete Ernst-Ludwig "Elu" Hansmann denn auch hörbar tief durch: "Da haben wir wirklich Glück gehabt, sonst hätten wir uns kräftig blamiert", meinte die graue Eminenz des TC Blau-Weiss, nachdem Maximo Gonzalez mit einem Kraftakt die 3:1-Führung für die Gastgeber sichergestellt hatte. Der Argentinier, vor einem Jahr auf der Weltrangliste noch an Position 58, nach Verletzungsproblemen momentan auf Platz 196 geführt, brachte gegen Armin Sandbichler nicht nur das Kunststück fertig, den ersten Satz mit 2:6 zu verlieren. Nach einem 6:3 im zweiten Satz und einer 8:2-Führung im Champions-Tiebreak gelang es dem Argentinier, die Sache gegen die Nummer 951 (!) der Tennis-Welt noch einmal spannend zu machen. Denn aus dem 8:2 wurde nicht nur ein 8:8, sondern sogar ein 9:10-Rückstand für die Neusser Nummer eins.
Zum Glück für Blau-Weiss gewann Gonzalez schließlich noch mit 12:10, sonst hätte es wohl einigen Gesprächsbedarf mit der Teamleitung gegeben. Denn die wagte das Experiment, Eigengewächs Max Hertl erstmals Bundesliga-Luft schnuppern zu lassen. Das ging einen Satz lang gut, denn da führte der 17-Jährige mit 6:3 gegen den noch zwei Jahre jüngeren Michael Bogner. Doch dann drehte das bayerische Talent, das im Leistungszentrum des bayerischen Tennisverbandes in Oberhaching lebt und im Winter Deutscher Hallenmeister der U 16 war, auf und den Spieß zum 6:2, 10:6 um.
Da stand es 1:1, und hätte Gonzalez verloren, hätte es 2:2 geheißen – und Blau-Weiss wäre Gefahr gelaufen, eine Woche nach dem 3:3 in Krefeld erneut einen Punkt gegen einen Abstiegskandidaten einzubüßen. So aber schraubten zwei Doppelsiege das Endergebnis dann in standesgemäße Höhe.
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