Zum letzten Spiel des Jahres erwartet Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen am Sonntag um 18 Uhr die SG Wallau-Massenheim im TSV-Sportcenter. Trotz der ungewöhnlichen Anwurfzeit sind schon 1 760 Eintrittskarten verkauft.
Als Psychologiestudent hat Kai Wandschneider natürlich seinen Siegmund Freud gelesen. Daher weiß der Handball-Lehrer genau, welche Rolle das Unterbewusstsein spielt. Auch und vor allem bei Sportlern.
Aus diesem Grund hat der Trainer des TSV Bayer Dormagen vor dem letzten Meisterschaftsspiel des Jahres, zu dem der Zweitliga-Tabellenführer am Sonntag um 18 Uhr die SG Wallau-Massenheim im TSV-Bayer-Sportcenter erwartet, auch ein mulmiges Gefühl in der Magengegend: „Ich muss das Hinspiel aus den Köpfen kriegen“, sieht der 48-jährige als seine vorrangige Aufgabe in den abschließenden Trainingseinheiten am Freitag Abend und Samstag Vormittag an.
In diesem Hinspiel, dem ersten Heimspiel der Wallauer nach dem Wiederaufstieg in die Zweite Liga Süd, erteilten seine Schützlinge nämlich dem - zumindest an diesem Tage - bedauernswerten Neuling eine wahre Lehrstunde: Das 36:21 vom 9. September ist immer noch der höchste Saisonsieg der Dormagener - und bedeutet gleichzeitig immer noch die höchste Saisonniederlage des früheren Europapokalsiegers aus dem „Ländchen“ zwischen Wiesbaden und Frankfurt.
„Bloß dass keiner deshalb glaubt, das Spiel wird ein Selbstläufer“, sagt Wandschneider auch eingedenk der eher müden Vorstellung seiner Handballer in den jüngsten Partien: „Wir müssen noch mal alles geben, was in den Akkus drin ist.“
Das um so mehr, als die SG gerade die Top-Klubs der Zweiten Liga Süd bisher mächtig ärgerte: HSG Düsseldorf (21:21), TV Hüttenberg (28:28), HSC Coburg (28:33), Bergischer HC (22:22), SG Bietigheim-Metterzimmern (26:27) und TSG Friesenheim (28:37) blieben allesamt sieglos gegen den Aufsteiger.
Der sich trotzdem nach drei Niederlage in Folge (27:30 in Korschenbroich, 24:26 gegen Bittenfeld und 23:27 in Oftersheim) von Trainer CarstenBengs trennte und den früheren Wallauer Bundesligaspieler durch seinen ehemaligen Teamkollegen, den 156-fachen Nationalspieler Mike Fuhrig, ersetzte. Unter seiner Regie kassierte die SG bislang erst eine Niederlage (27:31 in Willstätt).
Wandschneider weiß, warum: „Die hatten schon vorher keine schlechte Truppe. Durch die Umstellung auf eine Positionsverteidigung sind sie noch stärker geworden.“ Der TSV-Trainer weiß aber auch, wie dem zu begegnen ist: „Wir nüssen in unsere Positionsangriffe mehr Grundtempo und ein besseres Zusammenspiel kriegen.“
Dass es daran zuletzt haperte, führt er auf den Kräfteverschleiß zurück: „Einige Spieler sind total platt.“ Dabei denkt er an seine Außen Tobias Plaz und Michiel Lochtenbergh, die mangels Alternative in fast allen Partien sechzig Minuten in Angriff wie Abwehr durchspielen müssen. Und vor allem an Regisseur Nils Meyer, der „einen stark körperbetonten Handball“ spielt.“
Trotzdem ist das Ziel klar definiert: „Wir wollen uns mit einem möglichst überzeugenden Sieg in die EM-Pause verabschieden“, sagt der Trainer.
Mit dann 32:6 Punkten läge der TSV voll im Soll, „der Sieg in Hüttenberg war einfach Gold wert“ meint Wandschneider und kann inzwischen auch belegen, wem der voraufgegangene Punktverlust in Bietigheim zu „verdanken“ war: Sein Videostudium hat „25 Fehlentscheidungen der Schiedsrichter“ ergeben: „Aber damit müssen wir leben, und das nicht erst seit dieser Saison“.
Zu Hause können sich die Dormagener da schon eher auf die Unterstützung von den Rängen verlassen: Für die sonntägige Partie sind trotz der ungewöhnlichen Anwurfzeit bereits 1 760 Karten verkauft, den Rest gibt es an der Tageskasse, die schon um 16.30 Uhr ihre Pforten öffnet.
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