Vor über 200 Wirtschaftsvertretern und Politikern aus dem Rhein-Kreis Neuss diskutierten am Mittwoch unter anderem Bundestrainer Heiner Brand sowie die Ex-Nationalspieler Christian Fitzek und Andreas Thiel über den deutschen und den Dormagener Handball.
Mit einer so überwältigenden Resonanz hatten die Organisatoren des Podiumsgesprächs rund um den den deutschen Handball im Allgemeinen und die Situation des Dormagener Bundesliga-Handballs im Besonderen nicht gerechnet. Eigentlich war der Pavillon der Römertherme vorgesehen gewesen, um die Gäste aus Wirtschaft und Politik des Rhein-Kreises Neuss willkommen zu heißen, doch als dann nach und nach über 200 Zusagen eintrudelten, musste kurzfristig umdisponiert werden.
So diskutierten am Mittwoch im Vorfeld des Bundesligaspiels TSV Dormagen gegen den HSV Hamburg ausgewiesene Fachleute wie Bundestrainer Heiner Brand, Ex-Nationalpspieler Christian Fitzek, aktuell sportlicher Leiter der Hamburger, und der frühere Nationaltorhüter Andreas Thiel in der prallgefüllten Gymnastikhalle neben dem Sportlertreff am Höhenberg. Doch sie blieben nicht alleine auf der Bühne. Als es um den heimischen Bundesliga-Handball ging und dabei das sogenannte "Dormagener Modell" vorgestellt wurde, band Moderator Volker Koch, Sportchef der NGZ, die Menschen ins Gespräch ein, die hinter dem Konzept stehen und auch die, davon künftig davon profitieren könnten.
Das sind zum Beispiel junge Handballer wie Max Holst, dessen Vater Armin 1987 mit Dormagen in die Bundesliga aufstieg, und Kentin Mahé, dessen Vater Pascal mit Frankreich Weltmeister wurde und der heute die Jugendarbeit des TSV koordiniert. Beide stehen noch am Anfang ihrer Laufbahn und hätten viel davon, wenn ihnen eine duale Karriere wie sie das "Dormagener Modell" vorsieht, ermöglicht würde.
Mahé, der nächstes Jahr sein Abitur baut, weiß zwar noch nicht, was er nach der Schule macht, aber hat sich schon mit Heinz Lieven, Geschäftsführer des neu gegründeten Dormagener Handball-Clubs Rheinland (DHC) zusammengesetzt. "Die Möglichkeiten, die sich durch eine Ausbildung neben dem Profihandball ergeben, sind schon interessant." Max Holst, der seit kurzem International Business in Köln studiert, hätte freilich auch nichts einzuwenden, wenn ihm die Verbindung von Leistungssport und Studium erleichtert würde.
Fakt ist jedenfalls, dass beide trotz ihres geringen Alters im Dormagener Team schon tragende Rollen spielen, das heißt Verantwortung übernehmen müssen. Dass das in der Bundesliga eine seltene Ausnahmen ist, hat Heiner Brand als eine Ursache dafür ausgemacht, dass Deutschland derzeit international hinterher hinkt.
"Es gibt viele Spieler, die im Verein nicht die Verantwortung haben, die sie für ihr Alter haben müssten", betont Brand. Christian Fitzek ist überzeugt, dass der deutsche Handball, der bei der Jugend stetig überragende Erfolg feiert, von der Fehlern der Vergangenheit eingeholt wird: "Der Sprung von der Jugend zu den Erwachsenen klappt nicht." Er sieht zwar die Zwänge der Topklubs, die Erfolg haben müssen, doch er will beim HSV immer mehr auf die "deutsche Philosophie" setzen.
Deswegen hätte er auch nichts gegen eine Quote einzuwenden, wie sie Heiner Brand favorisiert. "Mir wäre ein freiwillige Regelung zwar lieber, aber wenn sich in absehbarer Zeit nichts tut, brauchen wir eine Quote für deutsche Spieler. Das funktioniert auch in anderen Ländern und Sportarten", sagt der Bundestrainer.
"Hexer" Andreas Thiel glaubt, dass sich das Problem mittelfristig von selbst erledigen wird. Für ihn ist nämlich klar, dass das Geld auch bei den Topteams künftig immer knapper wird: "Und das führt dazu, dass sich die Vereine wieder mehr auf die Ausbildung der jungen Spieler besinnen."
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