Jetzt haben es die Handballer des TSV Bayer Dormagen selbst in der Hand, wann und wie sie die Saison 2006/07 beenden: Acht Siege und sie können am 20. Mai als Erstliga-Spieler den Urlaub antreten - egal, wie die Konkurrenten abschneiden. Bei jedem Punktverlust hingegen sind sie auf Schützenhilfe angewiesen, müssen erneut in die Relegation oder schauen am Ende als Dritt- oder Viertplatzierter ganz in die Röhre.
Damit wird aus jedem der letzten acht Meisterschaftsspiele, davon fünf gegen die ersten Sechs der Tabelle, ein „Endspiel“. Beginnend am Samstag um 18.30 Uhr, wenn sich der Tabellensechste TV Willstätt-Ortenau im sicherlich gut gefüllten TSV-Bayer-Sportcenter vorstellt - bis Donnerstagmittag waren jedenfalls schon 1 500 Eintrittskarten für die Partie verkauft.
Eine Partie unter besonderen Vorzeichen. Denn für die Gäste aus der Ortenau „ist es die allerletzte Chance, doch noch Zweiter zu werden“, sagt Kai Wandschneider. Das, weiß der Dormagener Trainer, „geht aber nur, wenn sie bei uns gewinnen.“ Im Hinspiel gelang das den Schützlingen von TVW-Trainer Goran Suton recht eindrucksvoll, führten sie beim 31:27-Sieg zur Pause doch bereits mit 17:10. „Da haben wir jede Menge Gegenstöße kassiert“, erinnert sich Wandschneider, „gegen die müssen wir auch am Samstag Abend auf der Hut sein.“
Denn die Willstätter verfügen in seinen Augen über eine „sehr gut besetzte und sehr routinierte Truppe“. Wobei er darauf verweist, dass „in der ersten Sieben fünf Ausländer sind, das merkt man auch an der Art, wie der TVW Handball spielt.“ Angefangen bei den Torhütern Daniel Sdunek und Mladen Jovicic über die Rückraumspieler Grzegorz Garbacz und Martin Valo bis zu den Außen Vladimir Temelkov und Rafal Glinski. Nur die Mittelposition und die am Kreis sind in Person von Björn Gerber und Till Bitterlich mit Deutschen besetzt, der zweite Kreisläufer Markus Schmelzle übernimmt mittlerweile auch Regiefunktionen.
Den routinierten Legionären stellt Wandschneider eine „sehr selbstbewusste“ Truppe entgegen: „Es ist gut, dass wir nach der ungewöhnlich langen Pause zu Hause anfangen können.“ Das Rezept, mit dem er am Samstag Abend zum Erfolg kommen will, soll auch für die weiteren sieben „Endspiele“ gelten: „Wir müssen uns an einer starken Abwehr und ebenso starken Torhütern orientieren.“ Sorgen bereitet da allerdings der körperliche Zustand von Peter Sieberger: Nach seiner Glanzleistung gegen den Bergischen HC klagte der Abwehrchef über Wasser im Knie, hat deshalb zehn Tage lang nicht trainiert und auch das Training am Mittwochabend vorzeitig beendet.
„Er nimmt Medikamente und beißt auf die Zähne, doch hinter seinem Einsatz wird vor jedem Spiel ein Fragezeichen stehen“, fürchtet Wandschneider. Definitiv ausfallen werden nach ihren Operationen Michiel Lochtenbergh und Szabolcs Laurencz (die NGZ berichtete), höchst fraglich ist weiterhin der Einsatz von David Breuer, so dass den Dormagenern in Person von Adrian Pfahl und Tobias Plaz nur zwei Linkshänder zur Verfügung stehen.
Und Ingo Meckes klagt über eine Wirbelstauchung, hofft aber, am Samstag Abend auflaufen zu können. Entspannt hat sich die Situation auf Linksaußen, denn sowohl Adrian Wagner als auch Marcel Wernicke stehen wieder voll im Training. „Und den Rest erledigen unsere Fans“, hofft Wandschneider. 1500 Karten für das erste „Endspiel“ versprechen erneut eine stimmungsvolle Kulisse.
Interview: Kai Wandschneider
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