Neuss (NGZ). Acht Fahrer, die direkt aus der Tour de France kommen, mit Etappensieger André Greipel an der Spitze, vier deutsche Nachwuchshoffnungen und drei "heiße" Lokalmatadoren bilden das Feld im Eliterennen heute Abend.
Wenn heute um 19.15 Uhr Schützenkönig Werner Kuhnert den Startschuss zum Eliterennen um den "Großen Preis der SKg Getränke" abgibt, wird vieles anders sein als bei den neun vorherigen Auflagen der "Tour de Neuss". Und das nicht nur, weil ein Teil der Fahrer dann bereits ein Derny-Rennen hinter sich hat, das sie angesichts der Streckenlänge von nur 22 Kilometern (Start ist um 18.15 Uhr) und des Windschattens, den ihnen die erfahrenen Schrittmacher auf ihren Zweitakter-Mopeds verschaffen, jedoch nicht allzu viel fordern wird.
Die wichtigste Neuerung bei der zehnten Auflage haben freilich nicht die Veranstalter des Neusser Radfahrervereins um Vorsitzenden Stephan Hilgers oder die Sportliche Leitung mit Nadja Rath und Andreas Kappes zu verantworten: Im Feld der 59 gemeldeten Fahrer gibt es kein dominierendes Team mehr. Gerolsteiner und Milram, deren Rennfarben in den vergangenen Jahren das Geschehen auf dem Rundkurs mit Start und Ziel auf der Kaiser-Friedrich-Straße dominierten, haben ihren Betrieb inzwischen ebenso eingestellt wie das T-Mobile-Team, dessen Magenta in den Anfangsjahren den Ton angab.
Bei der zehnten Auflage gehen die meisten Spitzenfahrer als "Einzelkämpfer" an den Start. Mit zwei Ausnahmen. Das belgische Team Omega Pharma - Lotto schickt in Gestalt von André Greipel, Marcel Sieberg und Sebastian Lang drei Fahrer nach Neuss, die am Sonntag das Ziel der Tour de France auf den Champs Elyséés erreichten – André Greipel, der bereits die zehnte Etappe in Carmaux gewonnen hatte, beendete den Massenspurt als Dritter. Nicht zuletzt, weil er auf die Unterstützung eines Teams bauen kann, fällt dem 29 Jahre alten Rostocker heute Abend die Favoritenrolle zu.
Einen Strich durch die Rechnung könnte ihm ein Quartett machen, das einst bei Gerolsteiner und Milram für Furore sorgte: Fabian Wegmann, Robert Förster, Markus und Thomas Fothen fahren unter dem Patronat des Kaarster Caterers Georg Broich, dessen Chef de Cuisine Christian Willrich einst fünf Jahre lang das Team Gerolsteiner bei der Tour de France bekochte. Wegmann (2007), Förster (2005) und Markus Fothen (2006) haben die Tour de Neuss bereits gewonnen.
In Person von Gerald Ciolek (Team Quick Step) kommt ein weiterer ehemaliger Neuss-Sieger (2008). Doch er muss heute Abend auf eigene Rechnung fahren – es sei denn, der Sprinter aus Pulheim bildet mit den anderen Tour de France-Fahrern Christian Knees, Danilo Hondo, Grischa Niermann und dem Litauer Tomas Vaitkus eine Zweckgemeinschaft. Zu der könnten sich auch die deutschen Nachwuchshoffnungen Dominik Klemme (Leopard Trek), Dominik Nerz (Liquigas) und Patrick Gretsch (HTC Highroad) zusammenschließen - schließlich möchten sie ihren Teamchefs beweisen, dass es ein Fehler war, sie nicht mit zur Tour de France zu nehmen. Vielleicht schlägt aber auch Joachim Tolles allen Favoriten ein Schnippchen – keiner sehnt den Sieg auf seiner Hausstrecke so herbei wie der 25 Jahre alte Uedesheimer.
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