Glück hatten sie, die U 23-Kanuten, die bis Ende vergangener Woche ihre Europameister in Moskau suchten. "Es war etwas diesig und die Lungen haben gebrannt, aber sonst haben wir nichts von den Waldbränden gemerkt", blickt der Holzheimer Robert Gleinert auf die Woche in der russischen Hauptstadt zurück.
Wäre die EM nur eine Woche später terminiert gewesen, die Titelkämpfe hätten wohl ausfallen müssen. Doch so konnte sich der HSG-Kanute nicht nur zwei Medaillen sichern, sondern wurde dadurch von den NGZ-Lesern zum Sportler des Monats Juli gewählt.
Zum zweiten Mal wird dem 21 Jahre alten Neusser diese Ehre nun zuteil. Schon vor drei Jahren, nach seinem Vize-Titel bei der Junioren-WM im Vierer, war Gleinert der Favorit der NGZ-Leser. Nun, nach Silber über 500 und Bronze über 1000 Meter im Zweier, ist das wieder so. "Dabei waren wir nur die Notlösung und sind als absolute No-Names nach Moskau gefahren", sagt Gleinert über sich und seinen Partner Florian Förster aus Neubrandenburg.
Dass die beiden überhaupt zueinander fanden, lag lediglich an der Erkältung seines eigentlichen Partners zum Trainingsauftakt. Förster sprang ein und gleich stimmte die Chemie, was die beiden beim Weltcup in Ungarn (Sieg im B-Finale) und der Qualifikation in Bochum (drei Siege) bewiesen.
Trotzdem hatte niemand das Duo Gleinert/Förster für Moskau auf der Rechnung. Nicht mal sie selber: "Unser Ziel war das A-Finale", sagt der Holzheimer. Doch schon in den Vorläufen dominierten sie das Feld und standen auf einmal im Mittelpunkt des Interesses. "Vor dem Finale über 500 Meter war ich so aufgeregt wie noch nie zuvor", erinnert sich Gleinert, dessen Boot zur Hälfte des Rennens auf Goldkurs lag, dann aber noch von den Portugiesen abgefangen wurde.
Doch mit Silber im Gepäck lief auch das Halbfinale über 1000 Meter wie von selbst. Die olympische Distanz war ohnehin Gleinerts liebste. Auch im Finale führten die Deutschen bei 250 Metern. Bis sich eine Wasserpflanze am Boot verfing und selbst bremste. Bis auf Rang sieben fielen sie bei der 750er-Marke zurück. "Dann haben wir uns gesagt: alles oder nichts", erinnert sich der 21-Jährige. Am Ende wurden sie noch sensationell Dritte und gewannen ihre zweite Medaille.
So bleibt das große Ziel, Olympia 2012, realistisch. Um in die großen Fußstapfen seiner Vereinskameradinnen Annemarie Zimmermann und Roswitha Esser zu treten, die 1964 in Tokio Gold holten, wird aber wohl ein neuer Trainingsplan notwendig.
Am vergangenen Dienstag begann Gleinert eine Ausbildung zum Industriekaufmann. "Ich werde nicht mehr drei Mal täglich trainieren können", ist er sich sicher, weiß aber auch, "dass meine berufliche Zukunft wichtiger ist. Mit Kanu kann man nämlich leider kein Geld verdienen."
Eva Hayner aus Rommerskirchen gewinnt den Trainingsgutschein im Wert von 50 Euro der medicoreha Neuss,
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.