(Ros) Bundesweit gerade mal 13 Reiter schafften es 2007, ihre Meisterprüfung mit dem Ergebnis 2,49 und besser abzulegen. Und gleich zwei der besten Absolventen kommen aus dem Kreis-Pferdesportverband Neuss: Frederic Tillmann und Martin Sander wurden in Warendorf für ihre Leistungen in der Pferdewirtschaftsmeisterprüfung mit der Stensbeck-Plakette in Silber ausgezeichnet.
„Das war schon etwas Besonderes“, freut sich Martin Sander, der auf dem Grevenbroicher Gut Heiderhof Pferde und Reiter selbstständig ausbildet. Und auch Frederic Tillmann vom Grevenbroicher Gestüt Gut Neuhaus weiß die Auszeichnung zu schätzen: „Die Stensbeck-Plakette ist für jeden Pferdewirtschaftsmeister ein Qualitätssiegel.“
Benannt nach Oskar Maria Stensbeck, einem der bedeutendsten Ausbilder von Berufsreitern zu Beginn des 20. Jahrhundert, ist die Plakette ein Synonym für überdurchschnittlich gute Leistungen. Angehende Pferdewirtschaftsmeister müssen Spring- und Dressurprüfungen der Klasse M, ihre pädagogischen Fähigkeiten bei der Unterrichtserteilung beweisen sowie große theoretische Kenntnisse aus allen Bereichen des Pferdesports.
Die jahrgangsbesten Absolventen der Pferdewirt- und Pferdewirtschaftsmeisterprüfungen werden dann mit der Stensbeck-Plakette ausgezeichnet. „Auf den Lorbeeren ausruhen können wir uns aber nicht“, wissen Martin Sander und Frederic Tillmann. Beide saßen einen Tag nach der Verleihung wieder im Sattel.
Und auch wenn beide identische Ziele haben, ihr Werdegang kann gegensätzlicher kaum sein. Während sich Frederic Tillmann von Beginn seiner Ausbildung, die er bei Meistermacher Paul Schockemöhle absolvierte, an auf den schweren Springsport konzentriert (Vierter beim Deutschen Berufsreiter-Championat 2007), setzt Sander auf das Ausbildungssegment. Er lernte bei Jan Nivelle, damals noch auf Wegberger Gestüt Sankt Ludwig beheimatet, ritt vor allem junge Hengste.
Schnell galt er als Spezialist: Auf seinem Erfolgskonto stehen über 130 Platzierungen in Reitpferdeprüfungen. Was viele nicht wissen: Sander hat sowohl im Springen als auch in der Dressur Siege bis einschließlich Klasse M vorzuweisen. „So interessant die Ausbildung junger Pferde ist, sie hat aus sportlicher Sicht Schattenseiten“, erzählt der 33-Jährige. Denn in den meisten Fällen werden die jungen Pferde, sobald sie erste Siege auf dem Konto haben, verkauft. „Dann hat man viel Arbeit und Geduld in diese Pferde gesteckt und im Endeffekt außer Erfahrungen nichts gewonnen.“
Die Lorbeeren ernten auf Turnieren später andere, wenn die Sprünge hoch und die Lektionen schwer sind. Das soll sich bei Martin Sander ändern. Derzeit ruht seine Hoffnung auf Equistro. Der gekörte Rapphengst aus dem Besitz des Barrensteiners Thomas Hintzen gewann unter Sander dreijährig bereits Reitpferdeprüfungen mit Noten bis zu 9,0. Unlängst bekam er beim 30-Tage-Test für sein Sprungvermögen eine 9,0.
„Er hat Potenzial für schwere Prüfungen in beiden Disziplinen“, meint Sander. Doch bis der spektakuläre, stets leistungsbereite Equistro soweit ist, werden einige Jahre vergehen. Positiv: Equistro steht nicht zum Verkauf, mit ihm könnte Sander sich in der schweren Klasse etablieren.
Frederic Tillmann macht es umgekehrt: Sein Augenmerk lag stets auf dem schweren Sport. Erst mit der Meisterprüfung setzt er vermehrt auf die Ausbildung. Inzwischen steht er auch als Trainer täglich in der Reitbahn und übernimmt als Reiter die Ausbildung der jungen Gestütshengste. „Nur Reiten mit dem Ziel, einmal ganz oben zu sein, das ist auf die Dauer zu unsicher“, findet er.
Die Ausbildung sei als zweites Standbein unbedingt notwendig. Schließlich kann es mit dem Sport schnell vorbei sein - ein Sturz kann das Ende der Karriere im Sattel bedeuten. Umso besser finden es beide Reiter, dass sie jetzt das „Qualitätssiegel“ Stensbeck-Plakette tragen: Auch im Reitsport führen verschiedene Wege zur „Hall of Fame“ - als Reiter oder Trainer. „Es kann ja keiner wissen, ob und wann man den nächsten Deister im Stall oder den nächsten Schockemöhle als Schüler hat …“
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