Es gibt ganz sicher Schöneres als sich fünf Tage nach Silvester am Morgen in den Bus zu setzen, nur um sich nach gut zehnstündiger Fahrt im rund 700 Kilometer entfernten Burghausen einem aussichtslosen Duell zu stellen. Denn dass die Ringer des Bundesligisten KSK Konkordia am Freitagabend (19.20 Uhr) im Achtelfinal-Rückkampf um die Deutsche Meisterschaft beim gastgebenden SV Wacker in die Runde der letzten Acht einziehen, ist so gut wie ausgeschlossen. Leisten sich die Bayern an der Waage nicht noch einen furchtbaren Aussetzer, bräuchten die Konkorden nach der schmerzlich deutlichen 8:26-Niederlage im Hinkampf schon ein Wunder, um das Viertelfinale zu erreichen.
Daran aber glaubt selbst Frohnatur Hermann J. Kahlenberg, Präsident des KSK, nicht. Und trotzdem verspricht er, „dass wir dort mit der bestmöglichen Mannschaft antreten werden - aus Respekt vor dem Gegner und dem Sport“. Da Sergiy Skrypka, Max Schwindt, Mahmut Cavusoglu und Björn Holk weiter ausfallen (Kahlenberg: „Jetzt sollen sie ihre Verletzungen auch voll auskurieren.“), tritt Neuss fast mit der gleichen Mannschaft an wie im ersten Vergleich. Einen Wechsel gibt es lediglich im Schwergewicht.
Im freien Stil nimmt Dirk Winterfeldt den Platz des Griechisch-römisch-Spezialisten Lukasz Banak ein. Er trifft auf David Otiasvili, nicht nur für Kahlenberg „einer der besten Ringer in der Bundesliga“. Gespannt ist er außerdem auf das Duell in der Klasse bis 66 Kilogramm (Freistil) zwischen dem Neusser Samet Dülger und Nicolay Kurtev. „Interessant wird sein, ob er mit dem Samet wieder so Schlitten fährt wie beim 4:0 im Hinkampf. Das sah schon ein bisschen aus wie Break-Dance. Schon alleine dieser Kampf war das Eintrittsgeld wert.“
Weil aber die Aussage des Burghausener Chef-Trainers Michael Pronold, „mit diesem Polster müssen wir den Einzug ins Viertelfinale vor heimischem Publikum ganz klar perfekt machen“, nicht von Arroganz, sondern von Realitätssinn zeugt, beschäftigt sich Kahlenberg schon jetzt mit der näheren Zukunft. Mit guten Ergebnissen bei den Einzelmeisterschaften will er den Neussern wieder Lust aufs Ringen machen.
„Am meisten ärgert es mich nämlich, dass mit den Verletzungen die ganze Stimmung im Land kaputt gegangen ist“, sagt er. Schon ab der kommenden Woche wird im Rheinland um Titel gerungen. Am 9./10. Februar ist der KSK in Allerheiligen Ausrichter der Landesmeisterschaften, am 13./14. Juni finden in der Neusser Hammfeldhalle die German Masters, die DM für Ringer ab 35 Jahren, statt.
Darüber hinaus ist Kahlenberg guter Dinge, dass er auch in der kommenden Saison eine sehr starke Mannschaft auf die Beine stellen kann: „Wir sind an fünf sehr guten Leuten dran.“ Gehen soll lediglich der Pole Radoslaw Jankowski, der die Erwartungen nie erfüllen konnte. Kahlenberg: „Ansonsten wollen wir versuchen, alle zu halten.“ Auch Lukasz Banak, trotz seines unglücklichen Auftritts beim Debüt gegen Burghausen, als er dem 22 Kilogramm leichteren Theodoros Tounousidis nach einer 2:0-Führung noch unterlag. Für Kahlenberg indes kein Beinbruch: „Mit dem machen wir weiter, wenn er will. Der Junge hat Perspektive, ist er doch gerade mal 22 Jahre.“
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