Helmut de Raaf war ein Weltklassetorhüter und ist der einzige Neusser, der je aktiv an Olympischen Winterspielen teilgenommen hat. Sein Name ist untrennbar mit dem Puck-Drama von Albertville 1992 verbunden. Seit 1999 steht er als Eishockey-Trainer bei den Adlern Mannheim unter Vertrag.
Neuss/Mannheim Helmut de Raaf lebt Eishockey. "Das ist das, was ich machen will", sagt er. Und der schnellste Mannschaftssport der Welt war gut zu dem mittlerweile 49-Jährigen: Zwischen 1980 und 2001 holte der Torhüter mit der Düsseldorfer EG, dem Kölner EC und den Adlern Mannheim neun Deutsche Meistertitel. Mit der Nationalmannschaft nahm er an fünf Weltmeisterschaften und an den Olympischen Winterspielen von Calgary (1988), Albertville (1992) und Lillehammer (1994) teil. Ein Weltklassemann zu seiner aktiven Zeit und Mitglied der "Hall of Fame", der deutschen Eishockey-Ruhmeshalle.
Doch Vancouver, wo Olympia gerade zu Gast ist, spielt für de Raaf im Moment bestenfalls die zweite Geige. Mit den Jungadlern Mannheim, die er bereits seit 1999 trainiert und die er in dieser Zeit sechs Mal zum Titel führte (2004 übernahm er dort für kurze Zeit auch mal das Profiteam in der DEL), steht er in der höchsten Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) mitten in den Play-offs um die Deutsche Meisterschaft. Das erste Spiel gegen die Kölner Junghaie gewannen seine Schützlinge auf heimischem Eis locker mit 8:1. Die Arbeit mit den Talenten füllt ihn aus. "Das macht Spaß, die Jungs liefern ganz ehrliche Arbeit ab. Die DEL, das hat doch mehr mit Politik und Verwaltung zu tun als mit allem anderen."
Aber natürlich bewegt ihn auch Olympia noch immer. Begegnungen wie die 1988 mit dem Bob-Team Jamaikas – später in dem Kinofilm Cool Runnings verewigt – begleiten ihn ein Leben lang. Das olympische Dorf, der Kontakt mit Sportlern aus der ganzen Welt, "das sind Dinge, die du nie mehr vergisst". Dazu gehört sicher auch das Puck-Drama von Albertville, als die deutsche Mannschaft im Viertelfinale gegen Kanada die Sensation nur deshalb verpasste, weil im Penaltyschießen der Schuss von Peter Draisaitl auf der Torlinie liegen blieb. De Raaf hatte die deutsche Mannschaft mit großartigen Reflexen erst bis dahin gebracht und parierte im Penaltyschießen auch gegen Superstar Eric Lindros. "Gerade während der Olympischen Spiele ist diese Partie in aller Munde", weiß der Goalie.
Vielleicht besuchen sein Eishockey-Camp, das er schon seit elf Jahren in Bad Tölz veranstaltet (www.de-raaf.de), ja gerade deshalb besonders viele Talente aus Neuss. "Bei den Anmeldungen kenne ich fast jede Straße", sagt er lächelnd. Der Kontakt in seine Heimatstadt ist nie abgerissen. Hier leben seine Mutter, "die schneidet mir aus der NGZ immer die Spielberichte über den Neusser EV aus", und seine Schwiegermutter. Seine Frau Marion (geborene Stipp) lernte er am Schwann-Gymnasium kennen, die ersten sechs Jahre in Mannheim pendelte er zwischen Rhein und Neckar. "Jetzt bin ich übers Jahr so zehn bis zwölf Mal in Neuss." Zwei Jahre ist er noch an die Rhein-Neckar-Region gebunden, dann macht Tochter Fee (16) Abitur. Sie zieht es womöglich ebenso wie ihren Bruder Moritz (21), der mit den Rhein-Neckar Stars in der Aufstiegsrunde zur Oberliga zwei Mal auch auf den NEV traf (beim 1:14 in Südpark fehlte er allerdings), hinaus zum Studium. Danach könnte sich de Raaf "gut vorstellen, zurück nach Neuss oder Düsseldorf zu kommen. Vielleicht bleiben wir aber auch hier in Mannheim."
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