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Lokalsport: Der Pferdesport ist weiblich

VON VOLKER KOCH - zuletzt aktualisiert: 01.03.2010 - 22:05

Männer haben es schwer im Pferdesport hierzulande. Nach dem Dressurreiten haben sich die Frauen nun auch in den Springprüfungen eine führende Stellung im Kreispferdesportverband Neuss erkämpft. Der ist einer der erfolgreichsten in Nordrhein-Westfalen.

Die Aushängeschilder des Kreispferdesportverbandes Neuss: Pia Münker gehört dem Bundesperspektivkader der Vielseitigkeitsreiter an, Gilbert Tillmann belegte mit Hello Max beim Deutschen Springderby in Hamburg-Horn Platz fünf, Rebecca Golasch (v.l.) wurde Deutsche Meisterin.  Fot os: U. Dackweiler/M. Wallrafen/K.H. Frieler/Pemag Foto: NGZ
Die Aushängeschilder des Kreispferdesportverbandes Neuss: Pia Münker gehört dem Bundesperspektivkader der Vielseitigkeitsreiter an, Gilbert Tillmann belegte mit Hello Max beim Deutschen Springderby in Hamburg-Horn Platz fünf, Rebecca Golasch (v.l.) wurde Deutsche Meisterin. Fot os: U. Dackweiler/M. Wallrafen/K.H. Frieler/Pemag Foto: NGZ

Rhein-Kreis Läge Neuss nicht im Rheinland, sondern in Dänemark oder Belgien, Vorsitzender Lutz Bartsch hätte beim alljährlichen Winterfest des Kreispferdesportverbandes sicher den ein oder anderen WM- oder Olympiateilnehmer zu ehren. Zu solchen Würden haben es Dressur- und Springreiter aus dem Rhein-Kreis bislang noch nicht gebracht. Das aber keineswegs, weil es ihnen an Talent oder Potenzial fehlen würde.

Sondern weil die Konkurrenz in deutschen Landen einfach übermächtig ist. Kein Wunder, denn Deutschland ist Pferdeland. Allen Skandalen und Skandälchen zum Trotz betreiben 1,24 Millionen Menschen hierzulande regelmäßig Pferdesport. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung ist mit 748 839 Mitgliedern, die in 7676 Reit- und Fahrvereinen organisiert sind, der größte Pferdesport-Fachverband der Welt. Innerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes sind die Reiter der achtgrößte Mitgliederverband. Der Kreispferdesportverband Neuss ist einer von 403 Kreisverbänden – mit über 5000 Mitgliedern der größte im Rheinland und die Nummer zwei in Nordrhein-Westfalen. Nur das Pferdesportmekka Warendorf hat in dieser Hinsicht mehr zu bieten.

Wobei der Rhein-Kreis in einer Hinsicht voll im Trend liegt: Der Pferdesport ist weiblich. Das zeigte ein Blick auf Bühne und Saal des ser Zeughauses, wo der Kreisverband anlässlich des Winterfestes seine Besten ehrte. Das belegt aber auch die Statistik: 556 485 Mitglieder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sind Frauen und Mädchen – das sind über 70 Prozent. Im Rhein-Kreis, schätzt Verbands-Pressewartin Mareike Roszinsky, liegt der Anteil noch höher: "Im Nachwuchsbereich sind es 90 Prozent ."

Wobei die Frauen inzwischen auch die einstige Männerdomäne des Springreitens für sich reklamieren: Erfolgreichster "Springreiter" war nämlich die Deutsche Meisterin Rebecca Golasch, mit 45 597 Punkten auf Platz 41 der von Marcus Ehning (dem Ehemann von Nadia Zülow) mit 226 953 Punkten angeführten deutschen Rangliste. Rechtzeitig zum Winterfest ist die 31-Jährige aus ihrer "Lehrzeit" im Münsterland ins heimische Kaarst zurückgekehrt, wo ihr Schimmel Lassen Peak nun im Reitstall von Peter Schmidt steht. Ihr Ziel für dieses Jahr ist klar gesteckt: Die Teilnahme am CHIO in Aachen, die sie 2009 nur ganz knapp verpasste.

Im Liedberger Tim Hoster (56. mit 39 261 Punkten), Marc Bettinger (63. mit 37 122) vom RV Wevelinghoven und Marc Boes (71. mit 35 628) vom RV Joistenhof Barrenstein platzierten sich drei weitere "Kreisreiter" unter den besten 100 in Deutschland. Und das will in einem Land, das bei Olympischen Spielen 81, darunter 37 goldene, bei Weltmeisterschaften 180, davon 73 goldene, Medaillen gewann, schon etwas heißen.

Dabei stahl dem punktbesten Quartett im vergangenen Jahr erneut Gilbert Tillmann die Schau: Der Grevenbroicher toppte seinen schon damals sensationellen elften Platz beim Deutschen Derby in Hamburg-Horn, dem schwersten Springturnier der Welt, noch einmal mit Rang fünf. "Und das mit Hello Max, einem Pferd, an dem mancher Weltklassereiter verzweifelt wäre", meint Lutz Bartsch. Denn zum Können gehört im Pferdesport auch stets das richtige "Material" dazu. Über das scheint Pia Münker zu verfügen, schließlich züchtet Vater Franz-Josef "Kucki" auf den Koppeln in Langst-Kierst selber Pferde.Nach Mannschaftsgold und Einzelbronze bei den Pony-Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter gehört sie nun dem Bundesperspektivkader an.

Den hat Agnes Werhahn längst hinter sich gelassen. Dennoch schaffte auch die "Erfinderin des Voltigierens" (ihre Nachfolgerin als vereinstrainerin beim RSV Grimlinghausen, Jessica Schmitz), im vergangenen Jahr Ungewöhnliches: Sie darf sich jetzt Pferdemeister nennen, als erste Frau überhaupt. Insgesamt gibt es nur 27 davon - und das im Pferdeland Deutschland.

Quelle: NGZ


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