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Lokalsport: Der Riese ist angekommen

VON PETER BÖTTNER - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009 - 21:30

Sebastian Vollmer aus Kaarst hat es geschafft: Am Montagabend bestritt der 2,03 Meter-Hüne sein erstes Spiel als Profi in der amerikanischen Football-Liga NFL. Vollmer lebt seinen Traum – wenn es sein muss, rund um die Uhr.

Sebastian Vollmer.  Foto: New England Patriots
Sebastian Vollmer. Foto: New England Patriots

Als Star-Quarterback Tom Brady am späten Montagabend das Football-Ei zwei Mal hintereinander präzise in die Arme von Running Back Benjamin Watson warf und so das bereits verloren geglaubte Heimspiel der New England Patriots gegen die Buffalo Bills entschied, hatte Sebastian Vollmer sein Tagwerk bereits verrichtet. Und dennoch wird der 25-Jährige aus Kaarst, der auszog, um in Amerika sein Glück als Football-Profi zu suchen, diesen Montagabend vor 69 000 Zuschauern im Gillette-Stadium nie vergessen: "Ich habe meinen ersten Einsatz gehabt – nur das zählt."

Sebastian Vollmer hält via Telefon den Kontakt in die alte Heimat, das Interesse der deutschen Medien am 2,03-Koloss ist erwacht. Doch vom Adrenalin, welches nur wenige Stunden zuvor durch die mächtigen Arme und Beine geflossen sein muss, ist in der Telefonkonferenz am Tag danach nichts mehr zu spüren. Ruhig, beherrscht und geduldig beantwortet Sebastian die Fragen der Journalisten. Er lässt sich nicht aus der Reserve locken, ganz anders als auf dem Platz, wo Vollmer mit seinen Krakenarmen die heranstürmenden Gegner auffängt und mit Urgewalt beiseite schiebt.

Info

Sebastian Vollmer

Geboren 7. Juli 1984 in Düsseldorf

Wohnort Kaarst

Abitur 2003 auf dem Quirinus-Gymnasium Neuss

Größe 2,03 Meter

Gewicht 143 Kilogramm

Sportliche Karriere Zunächst Schwimmer beim Neusser SV, mit 14 Jahren Wechsel zum Football, 1998 bis 2003 Düsseldorf Panther, 2004 bis 2008 Houston Cougars, ab 2009 New England Patriots

Sebastians Blick richtet sich bereits wieder nach vorne, zum nächsten Spiel, nie weiter. "Ich kann nicht sagen, was in vier Jahren ist. Das wird sich alles fügen. Und die Tatsache, dass wir im Oktober nach London kommen, interessiert mich momentan auch noch nicht sonderlich", erstickt Sebastian alle Fragen zu seiner privaten und sportlichen Zukunft in Amerika und zu seinem Gastspiel in Europa im Keim. Der Kaarster hat gelernt, von Tag zu Tag zu denken. Spätestens im Trainingslager der Patriots, wo den Rookie, den Neuling, praktisch jeden Tag das vorzeitige Aus ereilen konnte. Wer rausfliegt, bekommt einen Anruf. Bleibt das Handy stumm, ist man noch im Rennen. "Jeden Tag auf das Handy zu starren bringt nichts. Ich wusste, dass ich immer alles geben muss", blickt Sebastian nüchtern zurück.

Sein Privatleben beschränkt sich momentan auf die Fahrt von der heimischen Wohnung in das Gillette-Stadium, Heim- und Trainingsstätte des dreimaligen Superbowl-Gewinners. Die Idee des Acht-Stunden-Tages für Fußballprofis, wie sie Jürgen Klinsmann unter großem Echo in München umsetzen wollte – in der NFL und für Sebastian Vollmer ist er Realität. "Ich verlasse um 5.30 Uhr meine Wohnung und komme um 18 Uhr wieder. Dann steht für mich noch das Auswendiglernen der aktuellen Spielzüge auf dem Programm", erzählt der 25-Jährige, der auf dem Quirinus-Gymnasium sein Abitur machte und in den Staaten Wirtschaftswissenschaften studierte. Treffen mit Freunden, ein Kinobesuch, mal ein Besuch in Boston? "In der Saison zählt nur Football", weiß Sebastian, der zwischen 500 und 600 Spielzüge verinnerlichen muss, um seinen Quarterback vor den heranstürmenden Gegnern zu verteidigen.

Einen "good job" habe er am Montag gemacht, viel mehr Feedback hat Sebastian für seinen ersten Auftritt in der NFL noch nicht bekommen. Er ist vorerst der zweite "left tackle" der Patriots, einer von fünf Bodyguards für Tom Brady. Mit dem versteht sich Rookie Sebastian übrigens dem Vernehmen nach "richtig gut, ein toller Typ". Und überhaupt würde der große Deutsche mit der ungewöhnlichen Football-Vorgeschichte, in der die ausgezeichnete High School ebenso wenig fehlt wie der frühe Beginn mit dem Sport, "nicht als Exot behandelt". Die Tatsache, dass er beim Neusser Schwimmverein gemeinsam mit Thomas Rupprath trainierte, spielt da keine Rolle. Sebastian Vollmer ist jetzt Football-Profi – der Riese ist angekommen.

Quelle: RP

 
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