Von 1991 bis 1995 bestritt Christian Fitzek 130 Bundesligaspiele für den TSV Bayer Dormagen. Heute kommt er als Sportlicher Leiter des Bundesliga-Tabellenführers HSV Hamburg an den Höhenberg zurück.
Dormagen fühlt er sich "noch immer besonders verbunden", sagt Christian Fitzek, "schließlich habe ich da einen großen Teil meiner Karriere verbracht." Von 1991 bis '95 bestritt er 130 Bundesligaspiele für den damaligen TSV Bayer, stand mit ihm im Europapokalfinale. Dann wurde er unter Kristjan Arason Co-Trainer und an Mai 1996 bis Januar 1997 dessen Nachfolger. Heute kehrt er als Sportlicher Leiter des Bundesliga-Tabellenführers HSV Hamburg an den Höhenberg zurück. Vorher sprach die NGZ mit dem 49-Jährigen.
Herr Fitzek, der HSV reist als Tabellenführer an. Sehen Sie sich auch als Titelfavorit?
Christian Fitzek Nicht automatisch, denn die Luft da oben ist dünn. Wenn du ein Mal nicht aufpasst, bist du weg vom Fenster. Aber wir sind momentan gut drauf, auch wenn uns die Ausfälle von Bertrand Gille und Torsten Jansen natürlich weh tun. Aber die mannschaft steckt das weg, weil sie sehr stabil ist. Da können wir uns auch mal erlauben, etwas schwächer anzufangen und gewinnen trotzdem. Eins möchte ich aber auf jeden Fall klarstellen: Wir stapeln jetzt nicht tief, wir nehmen die Rolle als Titelanwärter gerne an.
Christian Fitzek
Geboren 8. Februar 1961
Beruf Sportlicher Leiter des HSV Hamburg seit 2004
Länderspiele 112
Erfolge als Spieler 3x Deutscher meister, 2x Pokalsieger
Stationen als Spieler SV Wipperfürth, Bayer Leverkusen, VfL Gummersbach, SG Wallau/Massenheim, TSV Bayer Dormagen (130 Spiele von 1991 bis 1995)
Stationen als Trainer TSV Bayer Dormagen (Co-Trainer 95/95, Cheftrainer Mai96 bis 29. J januar 97), TG Melsungen, FA Göppingen
Kommt die gewachsene Stärke allein durch Ihre Neuzugänge?
Fitzek Vori und Duvnjak machen schon viel aus. Beides sind Supertypen, nicht nur spielerisch. Die haben eine ungeheure Menge Selbsttrauen mit gebracht, das hat sich auf die ganze Mannschaft übertragen. Wenn wir in der vergangenen Saison in Rückstand lagen, haben die Spieler nach oben auf die Anzeigetafel geguckt und angefangen, an sich zu zweifeln, sind dann in Panik geraten. Das ist jetzt vorbei.
Einen solchen Ausrutscher wie das 27:28 in Dormagen wird es demnach nicht noch mal geben?
Fitzek Wir werden sicher auch noch mal ein Spiel verlieren, aber ein solches nicht – toi, toi, toi. Wir gehen da jetzt mit anderen Gedanken in solche Spiele 'rein.
Wie beurteilen Sie die Liga insgesamt? Hinter Ihnen und Kiel ist eine Menge Luft.
Fitzek Kiel und wir haben sich sicher etwas vom rest abgesetzt. das liegt aber nicht nur an unserer Stärke oder der des THW, sondern weil die Mannschaften, die ich mit ganz oben erwartet habe, bisher enttäuscht haben. Bei Lemgo verstehe ich das absolut nicht, das muss interne Gründe haben. Die Rhein-Neckar Löwen machen die Erfahrung, die wir vor zwei, drei Jahren auch gemacht haben: Viel Geld und viele gute Spieler machen noch keine Mannschaft, bedeuten nicht automatisch Erfolg. Das ist ein langfristiger Prozess.
Und dahinter?
Fitzek Dahinter gibt es ein ganz dichtes und auch starkes Mittelfeld. Und selbst die Mannschaften aus dem unteren Drittel haben mich positiv überrascht, wenn man sieht, gegen wen die ihre Punkte geholt haben. Balingen schlägt Kiel, Dormagen schlägt Berlin, das hatte doch keiner erwartet.
Die Liga ist enger geworden?
Fitzek Ja, wir haben nicht mehr die klassische Dreiklassengesellschaft. Deshalb halte ich auch gar nichts von einer Reduzierung der Liga. Mannschaften wie Balingen oder Dormagen bringen die Würze 'rein, deshalb drücke ich auch Dormagen die Daumen, dass sie drin bleiben , dass es weitergeht und sie noch Punkte holen. Nur nicht heute.
Volker Koch führte das Gespräch
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