Julian Reister und Tobias Kamke sind die neuen Deutschen beim Tennis-Bundesligisten TC BW Neuss. Rechtzeitig zum Saisonstart haben sich die beiden Hoffnungsträger durch starke Leistungen in den Vordergrund gespielt.
Es ist noch nicht lange her, da geriet Marc Raffel in Erklärungsnot, wenn er von den beiden deutschen Spielern erzählte, die er für die heute beginnende Saison in der Tennis-Bundesliga verpflichtet hatte. Inzwischen muss der Teammanager des TC BW Neuss zu Tobias Kamke und Julian Reister gar nicht mehr viel sagen. Die beiden 24 Jahre alten Profis aus Norddeutschland haben sich insbesondere durch ihre starken Leistungen bei den French Open und in Wimbledon in den Vordergrund gespielt.
Nach der schlechten Saison 2009 waren sich die Verantwortlichen des TC BW Neuss schnell einig, dass sie sich wieder verstärkt um deutsche Spieler bemühen mussten, um es den Fans einfacher zu machen, sich stärker mit dem Bundesligateam zu identifizieren. Da den Blau-Weissen aber das nötige Kleingeld fehlte, um die ganz Großen der Zunft von den Topclubs der Liga wegzulocken, mussten sie sich auf die Suche nach Akteuren mit Entwicklungspotenzial machen. So nutzte BW-Vorsitzender Jochen Hierl seine Lust, sich in Turnierergebnissen zu vergraben, und förderte alsbald die Namen Kamke und Reister zutage. "Wir waren von Anfang an von den Qualitäten der beiden überzeugt. Offenbar haben wir mal wieder das richtige Näschen gehabt", meint Raffel ohne falsche Bescheidenheit.
Die ersten Auftritte
Bereits gestern machten sich Julian Reister und Tobias Kamke mit ihren Mannschaftskameraden und der Teamleistung des TC BW Neuss auf den Weg nach Halle in Westfalen, wo heute im Gerry-Weber-Stadion der Bundesliga-Start auf dem Programm steht. Das erste Mal heimischem Publikum können sich die beiden BW-Neuzugänge am Sonntag ab 11 Uhr gegen den 1. FC Nürnberg vorstellen.
Für Julian Reister war es ein unglaubliches Erlebnis, als er über die Qualifikation bis in die dritte Runde der French Open vorstieß, wo er dann gegen Superstar Roger Federer unterlag. In Wimbledon war es Tobias Kamke, der unter die letzten 32 kam und erst im Franzosen Jo-Wilfried Tsonga (ATP 10) seinen Meister fand. Durch die jüngsten Erfolge machten die beiden BW-Neuzugänge in der Weltrangliste mächtig Boden gut: Kamke ist aktuell die Nummer 126, Reister die Nummer 129. Dass die beiden Freunde parallel zum Höhenflug angesetzt haben, ist kein Zufall. Wenn irgend möglich, reisen sie gemeinsam zu Turnieren und lassen sich vor Ort von ihrem Trainer Ralph Grambow betreuen. "Seit wir mit ihm zusammenarbeiten, haben wir uns stark weiterentwickelt", erklärt Kamke, "so können wir Turnierpausen nutzen und direkt an möglichen Schwächen arbeiten." Auch von den Spielsystemen her ergänzt sich das Duo sehr gut: Während Kamke als sogenannter Hardhitter den schnellen Punkt sucht, ist Reister eher der Allrounder mit variablem Spiel. Dass die beiden auch im Doppel gut harmonieren, hat sie für BW zusätzlich attraktiv gemacht.
Über das Angebot aus Neuss mussten Kamke und Reister, die zuvor in der 2. Bundesliga bei Hartenholm spielten, nicht allzu lange nachdenken. Denn vom Rekordmeister hatten sie in der Szene bislang nur Gutes gehört. Julian Reister schwärmt. "In der 1. Liga zu spielen, ist ein Traum. Ich bin gespannt, wie wir uns schlagen." Die Verantwortlichen und die Fans von BW Neuss ganz bestimmt auch.
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