Eigentlich hat Tuspo Obernburg das Zeug zum Lieblingsgegner. Schließlich führte den TSV Bayer Dormagen seine erste Reise nach Wiederaufstieg in die Zweite Liga ins idyllische Maintal. Und seit dem 33:24-Sieg an jenem 8. September 2002 haben die Dormagener kein Spiel gegen die Tuspo verloren, nur im Februar 2004 gab es ein 30:30-Unentschieden in der Sparkassen-Arena in Elsenfeld.
Trotzdem fährt Kai Wandschneider am Sonntag mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend dorthin. Schuld, wie könnte es beim TSV-Trainer anders sein, ist die Statistik. Denn erstens hat er herausgefunden, „dass Obernburg noch nie zu diesem Saisonzeitpunkt so viele Punkte hatte“ - 14:14 sind es, die Tuspo nach 14 Meisterschaftsspielen auf Platz neun der Ligatabelle bringen.
Und zweitens erinnert er sich, „war es dort zumeist höllisch knapp“. Die Statistik gibt ihm Recht: In der Saison 2005/06 gab es nach 14:11-Pausenführung einen 25:24-Sieg. Und am Karnevalsonntag dieses Jahres hieß es 24:23 nach 12:11-Halbzeitstand. „Die haben uns immer alles abverlangt“, sagt Wandschneider. Und geht davon aus, dass das am Sonntag - Anwurf um 17.30 Uhr durch das Schiedsrichtergespann Frank Kaiser/Marc Schmitz (Linkenheim/Eggenstein) - nicht anders sein wird. Im Gegenteil: „Der gute Tabellenstand gibt denen Selbstvertrauen. Und die sind heiß, weil die uns endlich mal packen wollen“, mutmaßt der Dormagener Trainer.
Seine Schützlinge können am Sonntag freilich nicht nur ausnahmsweise mit dem komfortablen (Bayer-) Bus, sondern auch mit breiter Brust in den Spessart reisen. „Wer in Aue und Friesenheim gewinnt, braucht sich auch in Obernburg nicht zu verstecken“, sagt Wandschneider mit Blick auf die jüngsten Auswärtsspiele. Seit der bisher einzigen Saisonniederlage am 19. Oktober in Willstätt haben die Dormagener 12:0 Zähler geholt, und Wandschneider will, dass das so weitergeht: „Mein Ziel sind 10:0 Punkte bis Jahresende.“ Dafür muss der TSV nicht nur am Sonntag in Obernburg, sondern auch gegen Eisenach (14. Dezember), in Bietigheim (21. Dezember), in Hüttenberg (26. Dezember) und gegen Wallau-Massenheim (30. Dezember) gewinnen.
Erschwert wird dieses Unterfangen mal wieder durch die personelle Situation. Diesmal ist es Michiel Lochtenbergh. der wegen einer Kapselverletzung am Daumen seiner Wurfhand nicht dabei sein konnte, als die Mannschaft in dieser Woche „super und voll konzentriert“ (Wandschneider) trainiert hat. Das Dumme: Nach dem Wechsel von Adrian Wagner nach Gummersbach - er hat dort inzwischen seinen Vertrag bis 2009 verlängert - und der schweren Verletzung von Max Holst im Junioren-Länderspiel ist der Niederländer der einzige „gelernte“ LInksaußen im Kader. „Er wird die Zähne zusammenbeißen“, ist Wandschneider in seinem Falle ebenso überzeugt wie bei dem wegen Kniebeschwerden pausierenden Torhüter Joachim Kurth.
Als psychologischen Kniff hat Wandschneider seinen Schützlingen noch mal Szenen vom Februar-Spiel gezeigt, „damit sie wissen, was sie erwartet.“ Dass die Obernburger keine Kinder von Traurigkeit sind, zeigt die Statistik: 130 Strafminuten (TSV 118) stehen da zu Buche, mit Juraj Niznan (40) und Philipp Müller (34) als Spitzenreitern. Zum Vergleich: Dormagens „bad guys“ heißen Christoph Schindler und Maciej Dmytruszynski (je 26 Minuten).
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