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Lokalsport: Ein Besitzer mit bewegter Geschichte

VON KLAUS GÖNTZSCHE - zuletzt aktualisiert: 16.11.2007 - 21:30

Manchmal geschehen schon merkwürdige Dinge. Ganz besonders im Galopprennsport. Der Hengst Eiswind war am 1. Juli 2007 Wettfavorit im 138. Deutschen Galopp-Derby in Hamburg-Horn.

Im Vorfeld schwärmte sein Trainer Peter Schiergen in höchsten Tönen von diesem Vierbeiner, und als sich Stalljockey Andrasch Starke für den Ritt auf Eiswind entschied, entwickelte sich der zum 49:10 Totofavoriten.

Der Starke-Ritt war höher gewettet als der Derbysieger Adlerflug mit 65:10. Im Rennen selbst blieb Eiswind blass, endete auf Rang acht. Trainer und Reiter waren sich einig: Eiswind mochte das weiche Geläuf an diesem Tag nicht.

Man hätte es damals wohl für kaum möglich gehalten, doch morgen tritt der gescheiterte Derbyfavorit Eiswind bei der Premiere der Wintersaison (ab 13.30 Uhr) im Preis der Neusser Industrie- und Wirtschaft (7. Rennen um 16.30 Uhr)an.

Das Rennen ist ein Gemeinschaftswerk der Sparkasse Neuss, den RheinLand-Versicherungen und den Stadtwerken Neuss Engerie und Wasser GmbH. Nun hat Eiswind nach dem Derby wahrlich nicht nur den Turbo gezogen.

Beim dritten Versuch gab es einen Sieg in Düsseldorf - und der Neusser Sand ist schon etwas Spezielles. Deshalb ist ein Sandbahnkönner wie Personal Power sicher ein Gegner, das gilt auch für den alten Grantley. Interessant die Form der aus Iffezheim anreisenden Stute Polyanta zuletzt in einem besseren Rennen in Hannover.

Züchter und Besitzer von Eiswind ist das Gestüt Ammerland. Es liegt in Münsing am Starnberger See und gehört dem Münchner Juristen Dietrich von Boetticher. Die Vita dieses Mannes ist längst Roman füllend.

An der Hand seiner Mutter flüchtete er aus dem Baltikum nach Deutschland, besuchte früh die Rennbahn in Hannover. Mit seiner Anwaltskanzlei in bester Lage Münchens pflegt er erstklassige USA-Kontakte auf dem Sektor Patentrecht.

 Er war Präsident des Münchner Rennvereins, erwarb Anteile an der längst nicht mehr existierenden Zeitung „Die Woche“, kaufte den Luchterhand-Verlag, übernahm die frei gewordenen Namensrechte eines alten Wuppertaler Privatbankhauses, stellte gemeinsam mit dem Frauenarzt Dr.Christoph Burmester aus Celle schon 1988 seinen ersten Derbysieger Luigi, ihm folgten auf eigene Rechnung Borgia im Jahre 1997, vier Jahre später deren Bruder Boreal. Im Jahre 2002 züchtete er mit dem für Millionen verkauften 2005-er-Arc-Sieger Hurricane Run das beste Rennpferd dieser Zeit.

Persönliche Rennbahnbesuche sind selten, für seine letzte Derbyrede in Hamburg gab es kein Manuskript, die Gedanken waren ihm beim Anflug auf Hamburg gekommen. Beim letzten Derbysieg trug er sein Kleinkind auf dem Arm und immer wieder brachte er seinenschon betagten Vater rührend umsorgt mit auf die Rennbahnen.

Eiswind als Pferdename existierte schon vor vielen Jahren, 1982 belegte der Eiswind dieser Zeit im Deutschen Derby den zweiten Platz als Riesenaußenseiter mit Peter Alafi im Sattel - geschlagen vom unverändert längsten Derbyaußenseiter Ako, den damals Erwin Schindler ritt.

Im Kampf um das Jockey-Championat 2007 hat Andrasch Starke morgen die besseren Karten gegenüber Eddy Pedroza, der sich eigentlich nach München begeben wollte - dort aber fällt der Renntag witterungsbedingt aus. Starke hat sieben Ritte, sein Rivale nur vier und oft auch wenig chancenreiche.

Bemerkenswert: aus Neusser Ställen tritt mit Irish Love von Marion Weber ein einziges Pferd in den elf Rennen an. Reiner Ording vom Rennverein: „Es ist schon schwer verständlich, dass der Heimvorteil nicht genutzt wird.“

Trainer Steinmetz schaffte mit Amadeus kürzlich einen zweiten Platz in Angers (Frankreich) und sein Derbysieger Nicaron hat jetzt im kleinen Gestüt Pfauenhof in der Südeifel einen Platz als Vererber gefunden.

Als die Familie Kessler dort vor fast 30 Jahren mit der Zucht begann, raffte eine seltsame Serie die ersten Deckhengste nach kurzer Zeit dahin. Aber diese Phase ist längst vorbei und man ist froh, für Nicaron einen Platz für die Freuden des Lebens gefunden zu haben.

In Neuss lockt nach dem letzten Rennen die bewährte Wettnietenverlosung um 250 Euro Bargeld. Ein Hürdenrennen steht ebenfalls im Angebot, und im Rennen mit der Viererwette lockt eine Garantieauszahlung von 10 000 Euro.

Quelle: NGZ


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