Ginge es allein ums Psychologische, wäre die Ausgangsposition bereits interessant genug: Am Samstag war der TSV Dormagen zum ersten Mal in dieser der Favorit - und versagte gegen den Stralsunder HV kläglich. Am Mittwoch fällt die Favoritenrolle an die HSG Wetzlar, gleichfalls erstmals in dieser Spielzeit zumindest, was ihre Auftritte in der heimischen Rittal-Arena anbetrifft.
Weil es am Mittwochabend - der Anpfiff durch die Schiedsrichter Matthias Brauer/Kay Holm (Hamburg/Hagen) ertönt um 20.15 Uhr - aber in erster Linie um Punkte gegen den Abstieg geht, erhält die Partie eine besondere Brisanz.
Vor allem aus Sicht der Gastgeber: „Für uns zählt nur ein Sieg“, sagt HSG-Trainer Volker Mudrow angesichts der Chance, den Relegationsplatz 16, auf dem die Dormagener zur Zeit stehen, um fünf Punkte hinter sich zu lassen. „Wir haben die Möglichkeit, uns mit einem weiteren Sieg deutlich vom Tabellenende abzusetzen. Diese Chance müssen wir nutzen“, fordert HSG-Manager Rainer Dotzauer.
Bei den Gästen schaut man derzeit weniger auf die Tabelle als auf die eigene (mentale) Verfassung. Trainer Kai Wandschneider setzt auf eine „Trotzreaktion“ seiner Schützlinge (siehe nebenstehendes Interview), will nicht nur die indiskutable Heimvorstellung gegen Stralsund vergessen machen, sondern vor allem die letzten drei desolaten Auftritte in der Fremde (Göppingen, Minden, Melsungen), aus denen der Aufsteiger 0:6 Punkte und die deprimierende Torbilanz von 75:103 mitbrachte.
„Ich will, dass wir in Wetzlar anders auftreten“, sagt Wandschneider, „wir müssen kämpfen, aber dabei kühlen Kopf bewahren.“ Welche Formation er für dieses Unterfangen aufs Feld schicken wird, darüber war er sich am Dienstag noch nicht ganz im Klaren.
Sicher ist, dass Szabolcs Laurencz weiterhin ausfällt, der Trainer rechnet frühestens in Essen (20. Dezember), möglicherweise aber auch erst im letzten Spiel des Jahres gegen den THW Kiel (27. Dezember) mit dem ungarischen Linkshänder. Für ihn wird erstmals Neuzugang Konstantinos Chantziaras im rechten Rückraum in der Startsieben stehen.
Fehlen wird auch Michiel Lochtenbergh, der sich gegen Stralsund das Knie verdrehte. Der niederländische Nationalspieler dürfte aber am Samstag (15 Uhr) im Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen wieder zur Verfügung stehen.
Am Mittwochabend soll Youngster Max Holst erneut die Kohlen aus dem Feuer holen. „Er hat seine Sache bisher gut gemacht“, lobt Wandschneider den 19-Jährigen, auf den allerdings die unangenehme Defensivaufgabe gegen den israelischen Klasse-Rechtsaußen Avishay Smoler wartet.
Nicht so ganz klar ist sich Wandschneider auch über die Besetzung der Torhüterposition: „Vielleicht fülle ich den Spielbericht so aus, dass ich die Möglichkeit habe, drei Torhüter einzusetzen“, sagt er mit Blick auf die bisher wenig überzeugenden Auftritte seiner Schlussleute.
Nicht nur das sieht auf Seiten der Wetzlarer anders aus, die im früheren Gelnhausener Nikolai Weber den besten Siebenmeterkiller der Liga (23 in 14 Spielen, zum Vergleich: Vitali Feshchanka 6/13) zwischen den Pfosten und mit dem kurzfristig von Amicitia Zürich als Ersatz für den verletzten Zoran Djordjic verpflichteten Vladan Krasavac noch einen starken zweiten mann in der Hinterhand haben.
Während neben Djordjic auch der Langzeitverletzte Chen Pomeranz (Kreuzbandriss) ausfällt, kann Mudrow heute Abend wieder auf die verletzten Sebastian Weber (Bänderriss im Knie), und Michael Allendorf (Bänderriss im Fuß) zurückgreifen. Als Prunkstück der Hessen sieht Wandschneider allerdings deren Deckung an: „An der haben wir uns in der Vorbereitung die Zähne ausgebissen.“ Das Testspiel endete 25:19 für die HSG, womit die Frage nach dem Favoriten endgültig geklärt sein dürfte.
Interview Kai Wandschneider
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