Es gibt Tage, da bleibt man besser im Bett. Für Joachim Kurth war der Sonntag ein solcher, denn den Torhüter des TSV Bayer Dormagen hinderte eine Margen-Darm-Infektion an der Reise zum Tuspo Obernburg. Seine Teamkollegen wären auch besser zu Hause geblieben, denn vor 1 600 Zuschauern in der Sparkassen Arena in Elsenfeld boten sie am Sonntagabend eine desolate Vorstellung und kassierte folgerichtig mit dem 24:27 (Halbzeit 11:13) ihre zweite Saisonniederlage, die den Vorsprung des Spitzenreiters auf den neuen Tabellenzweiten HSG Düsseldorf auf drei Punkt schrumpfen lässt.
Und wenn die Dormagener nicht ganz schnell die Kurve kriegen, dann dürfte dieser Vorsprung noch in diesem Jahr weiter abbröckeln - in Bietigheim und Hüttenberg, den nächsten beiden Auswärtsspielen vor der EM-Pause, dürfte in einer solchen Verfassung, in der sich der TSV am Sonntag präsentierte, ebenfalls nichts zu holen sein.
Gleich die erste Szene sollte sich als symptomatisch für die gesamte Partie erweisen, denn Nils Meyer leitete den ersten Angriff der Gäste gleich mit einem Fehlpass ein. Kein Einzelfall, Fehlpässe und vor allem Fehlwürfe prägten das Dormagener Spiel von der ersten bis zur 60 Minute. Alleine 22 Mal scheiterten die TSV- Angreifer an Milos Hacko zwischen den Obernburger-Torpfosten - dabei war der Einsatz des ehemaligen tschechischen Nationaltorhüters, der zwei Partien wegen einer Hüftprellung pausiert hatte, bis wenige Minuten vor dem Anpfiff fraglich gewesen.
Hacko war auch deutlich die fehlende Beweglichkeit anzumerken, doch die brauchte er am Sonntagabend gegen die miserable Wurfquote der Dormagener auch gar nicht. Erschreckend schwach die linke Angriffsseite, auf der Michiel Lochtenbergh jegliche Zweitligatauglichkeit vermissen ließ und Trainer Kai Wandschneider auf der Halbposition alle sechs dafür in Frage kommenden Spieler verschliss - ohne durchschlagenden Erfolg. In der Schlussphase fiel dem Handballlehrer dann rein gar nichts mehr ein, obwohl seine Mannschaft ständig einem Drei- oder Vier-Tore-Rückstand hinterherlief, nahm er im zweiten Durchgang nicht einmal eine Auszeit. Genutzt hätte sie angesichts der pomadigen und lethargischen Vorstellung seiner Schützlinge wahrscheinlich ohnehin nichts...
Es wird höchste Zeit, dass die Dormagener aufwachen, denen offensichtlich der Auswärtssieg in Friesenheim zu Kopf gestiegen ist. Schon im Heimspiel gegen Delitzsch war wenig von Souveränität zu sehen - am Sonntagabend rein gar nichts. So droht die günstige Ausgangsposition für den Bundesliga-Aufstieg verloren zu gehen, nicht zuletzt auch wegen der schleppenden Personalplanungen. Bayer fehlt ein zweiter Linksaußen im Kader, der Michiel Lochtenbergh entlasten, aber auch unter Druck setzen könnte - der Niederländer läuft seit Wochen seiner anfänglich guten Form meilenweit hinterher.
Das Gleiche gilt für die Position zwischen den Torpfosten: Zwar machte Matthias Reckzeh seine Sache am Sonntag nicht schlecht, doch elf gehaltene Bälle sind nun einmal keine überragende Leistung - so wie sie sein Gegenüber Milos Hacko am Sonntagabend zeigte. Und mit überragenden Torhüterleistungen lassen sich mit unter schwache spielerische Vorstellungen wieder wett machen. So lagen die Dormagener am Sonntagabend nur einmal in Führung , beim 9:8 in der 21. Minute - zu wenig, um bei einem zwar leidenschaftlich kämpfenden, letztlich aber nur Mittelmaß bietenden Team zu punkten.
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