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Lokalsport: Eine illustre Schar an Besitzern

VON KLAUS GÖNTZSCHE - zuletzt aktualisiert: 30.11.2007 - 21:30

Für den Sieg gibt es keinen Ersatz. Diese fürs Phrasenschwein reife Floskel gilt auch am Samstag ab 14 Uhr bei den insgesamt zehn Rennen mit freiem Eintritt auf der Galopprennbahn in Neuss. Ganz besonders im Hauptereignis des Tages, dem BBAG-Auktionsrennen (16.50 Uhr), wenn es um insgesamt 26 000 Euro geht. Es ist schon von seiner Konstruktion ein besonderes Rennen. Startberechtigt sind nur Pferde, die in einem deutschen Auktionsring zumindest angeboten worden sind. Das bedeutet: Die Pferde müssen nur durch den Auktionsring geführt, angeboten, aber nicht verkauft worden sein.

Weil die Mehrzahl der Auktionsrennen hoch dotiert sind (oft sogar sechsstellig) neigen die Züchter der Pferde dazu, möglichst hohe und unrealistische Mindestpreise für den Auktionator festzulegen, damit das Pferd nicht den Besitzer wechselt und sie mit ihrem Pferd die Startberechtigung in den hochpreisigen Auktionsrennen behalten. Das Neusser Rennen bildet dabei eine absolute Ausnahme, denn keines der elf Pferde gehört noch dem Züchter des Pferdes, sondern ist wirklich verkauft worden. Es ist das letzte fünfstellig dotierte Galopprennen der Saison 2007.

Und so wird der Führring von Neuss am Samstag ein ganz besonderes Spiegelbild des Galopprennsports sein. Der gern zitierte Begriff des Sportes der Kumpel und der Könige trifft diesmal besonders zu. Albrecht Woeste ist der Urenkel des Unternehmensgründers Fritz Henkel und seit Jahren Aufsichtsratsvorsitzender des Düsseldorfer Henkel-Konzerns und aus Leidenschaft der die Geschicke entscheidend prägende Vizepräsident des Düsseldorfer Rennvereins. Der kürzlich 72 Jahre alt gewordene Grand Seigneur unterhält bei Trainer Ertürk Kurdu den Rennstall Grafenberg, die Rennfarbe wurde vom ehemaligen Vereinspräsidenten Herbert Liesenfeld übernommen.

Für Woeste tritt in Neuss die Stute Bordeaux mit Jockey Pascal van de Keere an. Das Gestüt Zoppenbroich der Familie Bresges in Rheydt ist der Züchter und Bordeaux hat zumindest eine kleine Siegchance. Aber wirklich nur eine kleine. Vom Erfolg seiner Rennpferde verwöhnt wurde Woeste in dieser Saison kaum. Bei 30 Starts haben sie nur einmal gewonnen.

Wesentlich bessere Siegchancen als Bordeaux hat der Hengst Aturo, der bei der Auktion in Iffezheim für 18 000 Euro verkauft wurde. Züchterin war die Tochter des einstigen Fußball-Schiedsrichters Rudolf Eisemann aus Heidelberg und Besitzer des Favoriten sind Ute Bestmann und Seppel Hellmich. Mit ihrem Rennstall „Route 66“ haben sie im Gegensatz zum Waschmittel-Konzernlenker Woeste große Erfolge, vor allem mit dem Grand-Prix-Pferd König Turf. Ihr Rennstall hat in dieser Saison schon 161 900 Euro verdient, die Pferde von Woeste dagegen bescheidene 13 900 Euro.

Christian Sprengel trainiert Aturo (den der Russe Wladimir Panov reitet) in Langenhagen und er kommentiert den Start am Samstag sehr optimistisch: „Im Training kam Aturo mit dem Sand gut klar. Die Gegner sind für mich Super Eagle und auch Bordeaux. Unsere Bilanz in dieser Saison ist sehr gut. Mit der Gewinnsumme von 380 000 Euro wurden meine Erwartungen deutlich übertroffen.“ Zum erweiterten Kreis der Sieganwärter zählt auch La Bonita mit Henk Grewe.

Ihr Besitzer ist Dachdecker Andre Behling (25) aus Langenhagen. Er wird ebenso anreisen wie Pavel Bradik. Dem Hufschmied aus Bremen gehört die einst startschwierige Stute Marilyn; und Besitzer von Sayada ist Dr. Steffen Pfennigwerth aus dem Städtchen Neugersdorf in der Oberlausitz. Pfennigwerth ist der Lizenzinhaber des weltweit vertretenen Sportwetten-Anbieters bwin. Pfennigwerth erwarb seine folgenreiche Lizenz einst bei einer heimatlichen Kleinbehörde. Jetzt plagt ihn der umstrittene Staatsvertrag der deutschen Bundesländer zum Wettverhalten in diesem Lande.

Der Sportwettenchef pflegt eine gemeinsame Eigenschaft mit dem Henkel-Senior Woeste. Er tritt äußerst bescheiden und zudem selten in der Öffentlichkeit auf und man könnte ihn auch noch auf der Wettnietenverlosung um 250 Euro Bargeld nach dem letzten Rennen bei Peter Glasmacher antreffen. Auf der Neusser Rennbahn laufen nicht nur interessante Pferde. Auch ihre Besitzer sind es.

Quelle: NGZ


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