Weltcuppunkte gibt es keine zu gewinnen beim Traditionsturnier um das „Münchner Schwert“. Dafür um so mehr Prestige, zumindest für die einheimischen Säbelfechter. „Das ist ein Turnier, bei dem du einfach an den Start gehen musst“, sagt Nicolas Limbach.
Der 21 Jahre alte WM-Dritte vom TSV Bayer Dormagen pausierte am zurückliegenden Wochenende, weil er sich gerade in einer Regenerationsphase befindet. Doch in seinem drei Jahre jüngeren Vereinskollegen und Trainingspartner Max Hartung fand er einen mehr als würdigen Vertreter: „Das ist schon beachtlich“, kommentierte Dormagens Cheftrainer Olaf Kawald den ersten Sieg des 18-Jährigen bei einem Aktiventurnier (die NGZ berichtete). Vor allem deshalb, weil Mannschafts-Weltmeister Ungarn mit seiner kompletten Nationalmannschaft angereist war. „Und Max hat alle jeden aus dieser Mannschaft geschlagen“, freut sich Kawald. Im Finale gab es einen 15:13-Sieg über Aron Szilagyi, der vor Jahresfrist das Dormagener Junioren-Weltcupturnier um den „Preis der Chemiestadt“ gewonnen hatte.
Bei der 33. Auflage vor einer Woche hatte Hartung den zweiten Platz belegt, nur geschlagen von dem Russen Nikita Proskura. Nach einem solchen Höhenflug hatte es vier Wochen zuvor bei den Junioren-Europameisterschaften noch nicht ausgesehen. Hartung wurde zwar bester Deutscher, erfüllte aber als Zehnter nicht unbedingt die Erwartungen, auch nicht die eigenen. „Max ist relativ oft krank, das wirft ihn immer wieder zurück“, sagt Olaf Kawald. Deshalb unterzieht sich der 18-Jährige, der das Norbert-Gymnasium Knechtsteden besucht und im Dormagener Teilinternat gefördert wird, am 14. Dezember einer Mandeloperation. „Das bedeutet drei bis vier Wochen Trainingspause“, weiß Kawald. Der Termin ist bewusst gewählt, denn richtig ernst in Sachen Weltcup-Turniere wird es für die Säbelspezialisten erst wieder im Februar und März.
Vor der OP stehen am kommenden Wochenende in Eislingen noch die Deutschen Juniorenmeisterschaften auf dem Programm. In die geht Max Hartung nun als Favorit. „Damit muss er leben, kann er aber auch“, findet Kawald, der sich auch in der Mannschaftswertung gute Titelchancen ausrechnet.
Nicht nur für Max Hartung beginnt im Februar wieder die Jagd auf Weltranglistenpunkte. Auch für die anderen Säbelspezialisten vom Höhenberg wird es dann ernst. Insbesondere für Nicolas Limbach und Stefanie Kubissa, geht es für sie doch um die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Limbach hat nach seiner Bronzemedaille von St. Petersburg die Fahrkarte nach Peking „zu 95 Prozent in der Tasche“, schätzt Kawald. Die Erfolgsaussichten für Stefanie Kubissa ordnet er „fünfzig zu fünfzig“ ein: „Wäre im Moment Nominierungsschluss, wäre sie für Peking qualifiziert“, weiß der Cheftrainer. Weil sich aber im Februar und März die Ranglistenturniere knubbeln, kann die 22-Jährige noch viele Punkte sammeln - oder verlieren.
Vorrangiges Ziel, sagt Kawald, ist es, am Nominierungsstichtag 31. März beste Deutsche in der Weltrangliste zu sein - „dann ist sie todsicher in Peking dabei.“ Weil das deutsche Herrenteam den Sprung auf den Olympiazug verpasste, braucht das dritte Dormagener Aushängeschild einen langen Atem. Denn das nächste internationale Großereignis für Benedikt Beisheim sind die Weltmeisterschaften im Herbst 2009. Erschwert wird seine Situation dadurch, dass er gerade ein Studium an der RWTH in Aachen begonnen hat. Ein Sponsor fürs tägliche Hin- und Herpendeln scheint gefunden. Doch auch Kawald weiß: „Ob er diese Belastung durchsteht, ist im Wesentlichen eine Frage des Erfolgs. So lange der da ist, wird er den Aufwand betreiben.“ Platz drei beim „Münchner Schwert“ war da nicht der schlechteste Start.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.