Nein, das war wahrlich nicht der Abend des KSK Konkordia Neuss. „Irgendwie ist heute alles gegen uns gelaufen“, stellte Hermann J. Kahlenberg, Präsident des Ringer-Bundesligisten, nach der schmerzlich deutlichen 7:29-Pleite gegen den noch ungeschlagenen Spitzenreiter KSV AE Köllerbach betrübt fest.
Aufs Gemüt schlug nicht nur das Ergebnis - schließlich hatte der KSK den Deutschen Meister im Hinkampf (15:24) noch ganz gehörig ins Schwitzen gebracht -, sondern auch die angesichts der Güteklasse des Kontrahenten ziemlich deprimierende Kulisse. Mit Blick auf die höchstens 150 Zuschauer im stimmungsmäßigen Kühlschrank Stadionhalle kam er zu folgendem Schluss.
„Heute ist der Fall eingetreten, dass die Kosten für den Kampfrichter höher sind als unsere Einnahmen.“ Über die Gründe für das Desinteresse der Neusser am Gastspiel des Tabellenführers vermochte er nur Vermutungen anzustellen: „Da kommt einiges zusammen: Die vielen Weihnachtsfeiern am Samstag, das wir schon für die Play-offs qualifiziert sind und wir außerdem von vornherein keine Chance hatten, diesen Gegner zu schlagen.“
Noch zwei Kämpfe
Noch zwei Mal muss der KSK Konkordia Neuss in der regulären Saison bis Weihnachten ran: Am kommenden Samstag (19.30 Uhr) ist der KSV Ketsch zu Gast in der Stadionhalle. Am 22. Dezember (19.30 Uhr) treten die Neusser Bundesliga-Ringer beim Dritten RWG Mömbris-Königshofen an.
In der Tat war den Hausherren eigentlich schon vor dem ersten Kampf klar, dass sie dieses Mal auf absolut verlorenem Posten stehen würden: Neben Sergiy Skrypka und Max Schwindt fehlte nämlich auch Lucjan Gralak. Der Routinier hatte sich im Abschlusstraining an der Schulter verletzt. Zu allem Überfluss streckte der stark erkältet auf die Matte gestiegene Mimoun Touba in der Gewichtsklasse bis 55 Kilogramm gegen Daniel Skulski schon nach der ersten Runde die Waffen. Statt eines von Kahlenberg für möglich gehaltenen Sieges gaben die Konkorden damit eine Vier ab.
Viel zu lachen gab es für die Hausherren auch danach nicht: Jackson Vaillant-Cantero (120 kg) unterlag dem satte 24 Kilogramm schweren Dimitar Kumchev mit 0:3. Anatolij Efremov (60 kg), eines von drei aus der Oberliga-Vertretung aufgerückten Eigengewächsen, ließ sich von dem überragenden Vladimir Toguzov auf die Schultern legen. Björn Holk (96 kg) biss sich beim 0:3 am abgezockten Vladislav Metodiev die Zähne aus. Und weil es in der Folgezeit auch für den leicht angeschlagenen Mahmut Cavusoglu (66 kg) gegen den Deutschen Meister Jurij Kohl (0:3) und den ebenfalls nicht hundertprozentig fitten Patrick Loes (84 kg) gegen Arcadie Tzopa (0:3) wenig zu bestellen gab, lag Köllerbach nach sieben Kämpfen mit 20:0 vorne. Niederschmetternd!
Endlich Bewegung in die wenigen Zuschauer - bis dahin erinnerte die Stimmung in der Halle eher an eine Beerdigung - brachte Samet Dülger in der Klasse bis 66 Kilogramm. Er zog im Duell mit dem Ex-Neusser Dimitar Tsevetkov wieder mal alle Register. Erneut ging er volles Risiko, wäre dabei um ein Haar auf den Schultern gelandet, feierte am Ende seiner mitreißenden Vorstellung aber einen technisch überlegen Punktsieg (6:0, 2:0, 8:2).
Bis zum zweiten und schon letzten Neusser Sieg musste sich das Publikum danach nicht mehr ganz so lange in Geduld üben. Schwindt-Ersatz Sergej Lupin (84 kg), ebenfalls ein Mann aus der Oberliga-Truppe des KSK, schaffte es bei der 0:4-Niederlage (1:3, 0:4, 0:7) gegen den turmhoch favorisierten Jan Fischer erwartungsgemäß nicht über die vollen drei Runden. Kollege Israfil Duman (74 kg) riss die Zuschauer mit seinem mühsamen 3:1-Erfolg über Gleb Banas zwar nicht unbedingt von den Sitzen, betrieb aber immerhin etwas Ergebniskosmetik (7:25).
Im letzten Kampf des für die Neusser recht unerquicklichen Abends kam Köllerbachs gerade erst eingebürgerter Ukrainer und Olympia-Kandidat Andriy Shyyka (74 kg) gegen den wackeren Michael Efremov, der für Gralak einspringen musste, zu einem lockeren technisch überlegenen Punktsieg (7:0, 7:0, 7:0), benötigte dazu nur wenig mehr als drei Minuten. Da freilich war Kahlenberg mit seinen Gedanken längst in den Playoffs. Weil dort alle Gegner frei zugelost werden, könnte der KSK in der ersten Runde auch wieder auf einen Rivalen aus der Staffel Mitte treffen. Das Wunschlos Kahlenbergs ist damit klar: „Hoffentlich bekommen wir Witten, da ist die Halle voll und wir haben keine lange Anfahrt. Und schlagen können wir die auch!“
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