Astrid Paul hatte eine Vorahnung: „Wenn nur einige Düsseldorfer Fans bleiben, wird’s eng“, meinte die Vorsitzende des HTC Schwarz-Weiß Neuss schon zur Pause des höchst ungleichen Landeshauptstadt-Duells zwischen DSC 99 und DHC.
Und sollte Recht behalten: Wer nicht mindestens fünf Minuten vor dem Anpfiff des „Finales“ des „Superspieltags“ am Sonntag der Hallenhockey-Bundesliga West in der Stadionhalle war, riskierte eine Stauchung der Halswirbel - zumindest dann, wenn er jede Aktion der packenden sechzig Minuten zwischen Gastgeber Schwarz-Weiß und Uhlenhorst Mülheim mit erleben wollte.
So wie Wilhelm Fuchs: „Ist die Halle mal wieder zu klein?“, wunderte sich der Vorsitzende des Stadtsportverbandes angesichts der drangvollen Enge auf der Tribüne. Weitergehende politische Bemerkungen verkniff er sich, obwohl mit CDU-Parteichef Dr. Jörg Geerlings wenigstens ein „Sportpolitiker“ am Sonntag Abend den Weg zum „Superspieltag“ gefunden hatte.
Der hatte zum Finale zwischen Neuss und Mülheim gut tausend Zuschauer angelockt - mehr passen bei einem Hockeyspiel nicht in die Halle hinein. Schon beim Düsseldorfer Stadtduell zwei Stunden zuvor waren Mangelware, und auch Crefelder HTC und Gladbacher HTC hatten am Mittag nicht vor leeren Rängen die Schläger gekreuzt.
Zumindest, was die Torquote anbelangte, kamen die Fans gestern voll auf ihre Kosten. 18 Treffer fielen in der Auftaktpartie, die die Krefelder mit 13:5 (Halbzeit 8:1) für sich entschieden.
Gar 25 Tore waren im Düsseldorfer Stadtduell zu bewundern, 19 für den DHC, der Rest für den bedauernswerten Aufsteiger DSC 99, dessen aus Neuss stammender Routinier Stephan Busse nur achselzuckend meinte: „Dazu sagt man besser gar nichts. Zwischen Zweiter und Erster Liga liegen halt Welten.“ Dass die „Oldietruppe“ des DSC vor zwei Jahren noch in der Regionalliga auflief, stellt dem Unterbau des Leistungshockeys kein gutes Zeugnis aus.
Zu wenig Unparteiische
Ähnlich sieht es in Sachen Unparteiische aus: Für den „Superspieltag“ mussten sogar Anleihen im Ausland gemacht werden, weil nicht genug westdeutsche Schiedsrichter zur Verfügung standen. So sprangen zwei französische und ein belgischer Kollege ein.
Besser sah es da in Sachen Nationalspieler aus: Alle sechs Champions-Trophy-Sieger waren dabei und wurden vor dem Anpfiff auch entsprechend von HTC-Abteilungsleiter Andreas Schwarz geehrt. Ausgerechnet Lokalmatador Sebastian Draguhn, der neben einer Pulle Sekt auch noch Foto nebst Zeitungsartikel aus der FAZ erhielt, litt anschließend unter Ladehemmung, erzielte aus sieben Eckenversuchen nur ein Tor.
Besser machten es seine Weltmeisterkollegen Jan Marco Montag, der für Gladbach zwei Mal, sowie Oliver Korn, der für den DHC sogar acht Mal traf. Womit sich nach dem Auftakt der Rückrunde noch vier Klubs Hoffnungen auf die zwei Play-off-Plätze in der Westgruppe machen dürfen.
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