Im Vorfeld vor allem von der Fachpresse hochgelobt, gewettet bis zum Anschlag und tief gefallen: Der imposant aussehende, dreijährige Galopperhengst Eiswind aus dem Stall von Championtrainer Peter Schiergen endete am Sonntag vor beachtlicher Kulisse von fast 5 000 Zuschauern im Sandbahn Classic um den Preis der Neusser Industrie- und Wirtschaft unter sieben Startern nur auf Platz fünf, blamable 22 Längen vom Sieger Grantley mit Jozef Bojko geschlagen. Eiswind war an den Wettschaltern auf eine Quote von 11:10 heruntergewettet worden. Im Siegfalle hätte man für zehn Euro Einsatz nur elf Euro zurückbekommen.
Doch selbst von dieser mickrigen Ausbeute konnten sich die Wetter von Eiswind schon frühzeitig verabschieden, denn bereits in der Südseite stellte Eiswind das schnelle Laufen ein und sein Jockey Andrasch Starke resignierend fest: „Im Training ging er auf Sand gut.“ Der Neusser Sand ist eben etwas ganz Spezielles und offenbar kaum der Geschmack von Eiswind, der nun den zweifelhaften Rekord aufzuweisen hat, im Deutschen Derby und im Sandbahn Classic als Totofavorit gescheitert zu sein. Trainer Peter Schiergen war nach dem Rennen schnell verschwunden und sicher auch damit beschäftigt, den Besitzer Dietrich von Boetticher in München zu besänftigen.
Trainer Heinz Hesse dagegen strahlte, weil sein zehnjähriger Wallach Grantley beim 16. Sandbahnstart zum fünften Mal gewann. Das ist schon ein erstaunliches Pferd, nicht minder der in Neuss geborene und in Frankfurt am Main tätige Trainer, der es immer wieder versteht, gerade dieses Pferd zu großer Leistung zu motivieren. Hesse: „Grantley ist zuletzt in Hannover schon gut gelaufen. Eigentlich wollten wir mit ihm in Deauville in Frankreich laufen. Als das Rennen anders ausgeschrieben wurde, haben wir umdisponiert.“
Es war das passende Geschenk zum 68. Geburtstag des Trainers. Auf den Plätzen hinter Grantley endeten Atamane und der Sandbahn-Experte Personal Power, Polyanata wurde Vierte. Für die Saison 2008/2009 kam im Gespräch mit Moderator Peter Glasmacher ein positives Signal von RheinLand-Versicherungs-Gebietsdirektor Manfred Meis: “Wir sind auch weiterhin dabei.“
Für Andrasch Starke ging der Renntag nach der Pleite mit Eiswind enttäuschend weiter, denn auch mit der 27:10-Favoritin Auenwiese war er nur unterwegs prominent, im Ziel nur Fünfter. Da sein Championatsrivale Eddy Pedroza nicht unerwartet bei seinen vier Ritten ebenfalls ohne Volltreffer blieb, geht es mit 107:10 Erfolgen für Andrasch Starke in die nächste Runde bis zum Finale am 31.Dezember in Neuss. Das könnte am Mittwoch in Dresden geschehen.
Ein Erfolgserlebnis wurde im zehnten Rennen dem Stall Weißenhof der Familie Hoyer aus Gnadental serviert. Der dreijährige Hengst mit dem einprägsamen Namen Feuerball mit Jockey Andreas Helfenbein gewann sein erstes Rennen im Leben. So gab es auf diesem Wege auch noch einen Neusser Sieg, auch wenn Feuerball bei Erika Mäder in Krefeld trainiert wird.
Einruckvollster Sieger war mit sage und schreibe 31 Längen Vorsprung der aus England importierte Thunder Storm Cat aus dem Stall von Trainer Mirek Rulec in Iffezheim. Der Vierbeiner siegte im Preis der Stadtwerke Neuss Engerie und Wasser, und damit steht nach Starts auf den englischen Rennbahnen Newbury, Newmarket, Haydock Park, Ascot und York der Name Neuss in seiner Vita.
Mit dem Wettumsatz war Manager Bernd Koenemann zufrieden: „Die Viererwette brachte über 18 000 Euro Umsatz und hat sich damit selbst finanziert. 41 000 Euro in diesem Rennen waren gut und die insgesamt 242 956 Euro sind zufriedenstellend.“ Im Vorjahr kamen bei zwei Rennen weniger nur 152 515 Euro zustande. Mit dem Resultat vom Sonntag kann sich Neuss in der bundesweiten Umsatzstatistik durchaus als prominent betrachten. Besucherkritik gab es an arg hapernden Abläufen der Gastronomie, die bei derartigen Besucherzahlen offenbar technisch an Grenzen stößt.
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