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Fechten: Favorit sein – eher Lust als Last

VON VOLKER KOCH - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010 - 12:01

Als Weltmeister und Weltranglistenerster hat Nicolas Limbach bei den Fecht-Europameisterschaften mehr zu verlieren als zu gewinnen. Doch der Dormagener Säbelfechter geht mit der Rolle des Favoriten inzwischen gelassen um: "Ich will sowieso jedes Gefecht gewinnen."

Nicolas Limbach will Europameister werden.  Foto:  C. Offermanns
Nicolas Limbach will Europameister werden. Foto: C. Offermanns

Er führt seit anderthalb Jahren die Weltrangliste an. Er ist im November im türkischen Antalya Weltmeister geworden. Doch wenn am Samstag mit den Wettbewerben im Damenflorett und Herrensäbel in Leipzig die Fecht-Europameisterschaften beginnen, zählt das alles nicht mehr für Nicolas Limbach.

Von acht Uhr morgens bis – möglichst – zum Finale um 18.30 Uhr zählt für den 25 Jahre alten Dormagener dann nur der Kampf Mann gegen Mann. Und der kann brutal sein. Denn der Modus, der bei der EM anders als bei einer WM zunächst Rundengefechte vorsieht, "beschert dir unter Umständen schon im ersten K.O.-Gefecht einen vermeintlichen Favoriten", weiß Manfred Kaspar, Sportdirektor des Deutschen Fechterbundes.

Nicolas Limbach ficht das nicht an: "Ich will sowieso jedes Gefecht gewinnen", sagt der Dormagener. Das ist ihm in dieser Saison mit Siegen bei den Weltcup-Turnieren in Plovdiv und Warschau sowie fünften Plätzen in Moskau, Madrid und Padua recht gut gelungen. So gut, dass der sonst eher zurückhaltende Vilmos Szabo, Bundestrainer der deutschen Säbelfechter und seit 16 Jahren Limbachs Heimtrainer beim TSV Bayer Dormagen, mitunter regelrecht ins Schwärmen gerät: "Nico steht zu Recht ganz oben."

Daran ändert auch nichts, dass der 25-Jährige vor vier Wochen in New York, bei seinem letzten Auftritt vor der EM, "nur" Rang drei belegte, im Halbfinale mit 14:15 am Franzosen Bolade Apithy scheiterte. "Nico hat ein weiteres Mal seine Stärke unter Beweis gestellt. Fakt ist, dass er als Weltmeister nach Leipzig fährt und sich dort nicht mit einem dritten Rang begnügen will," stuft Szabo die Generalprobe vor der "Heim-EM" ein. Dennoch: Limbach hat am Samstag mehr zu verlieren als zu gewinnen. Zumal er bei Europameisterschaften bislang nur eine Medaille holen konnte – 2008 in Kiew wurde er Dritter. Im vergangenen Jahr in Plovdiv reichte es nur zu Rang fünf, vier Monate später in Antalya feierte er mit dem Weltmeistertitel seinen bisher größten Triumph.

Auch diesmal sind die Saisonplanungen ganz auf die WM fokussiert, die vom 4. bis 13. November in Paris ausgetragen wird. "Allerdings besitzt eine Europameisterschaft im eigenen Land einen besonderen Stellenwert", sagt Dormagens Cheftrainer Olaf Kawald. Das gilt auch für die anderen Starter des TSV: Benedikt Beisheim, der im Januar in Athen das erste Weltcupturnier des Jahres gewann, danach aber "eine durchwachsene Saison" (Kawald) focht, darf am Samstag ebenfalls im Einzel 'ran.

Am Dienstag rückt dann noch Max Hartung in die Mannschaft, zu der neben Limbach und Beisheim der Deutsche Meister Björn Hübner (Tauberbischofsheim) gehört. Auch hier soll eine Medaille her – doch bis auf China, Südkorea und die USA dominieren die europäischen Säbelfechter die Welt, sind die kontinentalen Titelkämpfe schon mehr als eine "Mini-WM". Auch das ficht Limbach nicht an – schließlich hat er die "große" ja bereits gewonnen..

Quelle: NGZ


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