Des einen Leid, des anderen Freud’: Weil der OHV Aurich in akute Finanznöte geraten ist, ist der TSV Bayer Dormagen auf seiner praktisch seit Saisonbeginn währenden Suche nach einem neuen Mann zwischen den Torpfosten fündig geworden: Vitali Feshchanka, 33 Jahre alter Nationaltorhüter Weißrusslands, wechselt mit sofortiger Wirkung vom Tabellenfünfzehnten der Zweiten Liga Nord zum Spitzenreiter der Zweiten Liga Nord.
Möglich, dass Feshchanka schon morgen im Heimspiel gegen den ThSV Eisenach (19.30 Uhr, TSV-Bayer-Sportcenter) sein Debüt im Dormagener Dress geben wird.
„Wir arbeiten dran“, sagt Dormagens Sportlicher Leiter Uli Derad, der die Verpflichtung als „deutliches Signal Richtung Aufstieg“ verstanden wissen will: „Das müsste noch einmal einen Schub geben.“ Schließlich hatte das einstmals als bestes Torhüterduo der Liga geltende Gespann Joachim Kurth (37) und Matthias Reckzeh (wurde gestern 34 Jahre alt) zuletzt häufiger in der Kritik gestanden, auch der von Trainer Kai Wandschneider.
Der nahm Feshchanka am Dienstag in zwei Trainingseinheiten genau unter die Lupe und kam dabei genau wie Uli Derad zu dem Schluss: „Er kann uns weiterhelfen.“ Feshchanka, am 5. Januar 1974 geboren, bringt mit 198 Zentimetern Gardemaß mit. Seit sieben Jahren spielt er in Deutschland, zunächst beim TV Bremen-Grambke, seit 2003 beim OHV Aurich.
Der steckt laut „Ostfriesischen Nachrichten“ in einem „akuten finanziellen Engpass: Dem OHV fehlen 60 000 Euro, die aus unerwarteten finanziellen Ansprüchen resultieren.“ Am Montagabend erklärten sich „fast alle Spieler des Zweitligateams“ zu einem freiwilligen Gehaltsverzicht in Höhe von 20 Prozent bereit.
Verlassen werden den Klub Feshchanka und Rückraumspieler Peter Vozar, der mit dem Südwest-Regionalligisten HG Saarlouis in Verbindung gebracht wird. „Wer aufgrund der aktuellen Situation seine Freigabe haben möchte, wird sie bekommen“, wird Wolfgang Ladwig, Vorsitzender und Trainer des OHV in Personalunion, in der gestrigen Ausgabe der Ostfriesischen Nachrichten zitiert.
„Für die Kooperationsbereitschaft der Auricher kann man nur Danke sagen“, meint Uli Derad angesichts der recht unproblematischen Vertragsverhandlungen mit dem sehr gut Deutsch sprechenden Weißrussen. Weil der 65-fache Nationaltorhüter zum aktuellen Nationalmannschaftskader seines Landes gehört, muss der TSV allerdings im Januar während der Europameisterschaften auf seine Dienste verzichten.
Vom 30. Dezember (Heimspiel gegen Wallau/Massenheim) bis 3. Februar (Auswärtsspiel in Düsseldorf) ruht wegen der EM in Norwegen ohnehin der Punktspielbetrieb. Pikanterie am Rande: Feshchankas erster Trainer in Deutschland war sein Landsmann Georgi Sviridenko - und der trainiert Dormagens Hauptkonkurrenten HSG Düsseldorf.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.