Sein beherzter Auftritt bei der Tour de Neuss, der ihm den "Friedhelm-Hamacher-Gedächtnispreis" für den kämpferischsten Fahrer bescherte, soll nicht der letzte für Markus Fothen gewesen sein. Der Vorster ist optimistisch, nach dem Aus für Milram ein neues Pro-Tour-Team zu finden.
Glückliche Radsportler sehen anders aus als die Fahrer des Team Milram in diesen Tagen. Selbst Fabian Wegmann, der ewige Sonnyboy der blau-weißen Equipe, hat auf der für die Milchmänner desaströsen Frankreich-Rundfahrt sein strahlendes Lächeln eingebüßt.
Dabei gehört der gerade 30 Jahre alt gewordene Münsteraner zu den Fahrern, die sich nach dem endgültigen "Aus" ihres Rennstalls wenig Sorgen machen müssen, einen neuen Arbeitgeber zu finden. "Es sieht gut aus", mehr möchte er zu diesem Thema (noch) nicht sagen.
Markus Fothen wäre froh, wenn er das auch könnte. Der Vorster gehörte einst im Gerolsteiner-Dress zu den ganz großen Hoffnungen in Deutschland. Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben, weder für ihn noch für sein Team. "Erster Ersatzmann" für die Tour de France zu sein, hat dem 28-Jährigen weh getan. So weh, dass er erst einmal mit Frau und Kindern eine Woche in Urlaub gefahren ist. Das Rennrad blieb zu Hause – wahrscheinlich das erste Mal in zehn Jahren, dass er im Juli mal eine Woche lang nicht im Sattel gesessen hat. Die Fernsehübertragungen aus Frankreich hat er sich kaum angeschaut.
Vier Jahre zuvor, bei seiner ersten Tour-Teilnahme, ist er nur um Haaresbreite am weißen Trikot für den besten Jungprofi vorbeigefahren. Damals belegte er Rang 15 – damit wäre er anno 2010 strahlender Held inmitten der deutschen Tour-Tristesse gewesen. Den Traum von der fünften Tour de France hat Markus Fothen immer noch. "Ich bin noch lange nicht satt", sagt der Vorster, der im September 29 Jahre alt wird.
Vielleicht legt ihm ja einer ein neues Teamtrikot auf den Geburtstagstisch. Bis jetzt hat er nämlich noch keinen neuen Arbeitgeber gefunden. "Aber ich bin optimistisch, dass das noch klappt", sagt Markus Fothen. Die Suche hat er einem Manager übertragen: "Bisher habe ich immer alles selber gemacht, aber ich glaube, jetzt ist das besser so." Zweieinhalb verkorkste Jahre dürften das Unterkommen bei einem Team nicht unbedingt erleichtern.
Fothen setzt auf die nächsten Rennen. Ab Sonntag ist er Kapitän des Milram-Aufgebots bei der "Tour de Pologne", will sich mit einer guten Platzierung im Gesamtklassement dafür empfehlen, dass ihm diese Rolle vielleicht auch bei der "Vuelta a Espana" übertragen wird. "Die Form ist wieder da, das habe ich heute in Neuss gemerkt", sagt Markus Fothen. Doch auch das Rennen, das er 2006 gewann, war ein Spiegelbild seiner jüngsten Jahre: Er hat alles versucht und ging am Ende im Feld der Namenlosen unter. Glückliche Radsportler sehen anders aus.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.