Illusionen, ausgerechnet beim zu Hause noch verlustpunktfreien Spitzenreiter SG Kronau/Östringen die Negativserie des TSV Bayer Dormagen in Form eines doppelten oder einfachen Punktgewinnes zu stoppen, macht sich Kai Wandschneider keine: "Aber ich will dort eine andere Mannschaft sehen als zuletzt", macht der Trainer des Handball-Zweitligisten deutlich, der nach der atemberaubenden Talfahrt von 4:14 Punkten aus den vergangenen neun Meisterschaftsspielen erkannt hat: "Es ist fünf vor zwölf. Und ich hoffe, dass auch die Mannschaft erkannt hat, was die Stunde geschlagen hat."
Der 43-jährige Handball-Lehrer hat es ihr jedenfalls auf einer "Mannschaftssitzung mit Aussprache" am Mittwochabend deutlich zu verstehen gegeben. Auf der habe sich das Team auch einsichtig gezeigt, "doch das nutzt nur etwas, wenn jetzt auch Taten folgen." Die müssen sich morgen (20 Uhr, Rhein-Neckar-Halle) in Eppelheim nicht sofort in zählbaren Erfolgen niederschlagen, schließlich hat Gastgeber SG Kronau/Östringen dort die makellose Bilanz von elf Siegen in elf Spielen und 327:244 Toren erzielt.
"Aber ich will, dass die Mannschaft sich nicht aufgibt, wenn wir einmal hintenliegen. Ich will, dass sie auch in fremden Hallen so kämpft wie zu Hause, und das will ich bei jedem Spieler auch an der Körpersprache sehen", stellt Wandschneider einen Forderungskatalog an seine Schützlinge auf. Ob dem freilich morgen alle nachkommen können, ist allein schon aus Verletzungsgründen fraglich: Pascal Mahé hat sich beim 21:32-Debakel in Kornwestheim am Knie verletzt, Wandschneider fürchtet einen Anriss der Patellasehne. Und sein Bruder Kate hat sich im Training eine schwere Handprellung zugezogen, auch der Einsatz des Kreisläufers ist fraglich.
"Wenn jetzt auch noch Ausfälle dazu kommen, kann es für uns ganz eng werden", sagt der Trainer mit Blick auf die Zweitliga-Tabelle. Da kam ihm ein Ergebnis aus den Nachholspielen von Mittwochabend nicht ungelegen: Mitaufsteiger HSC Bad Neustadt unterlag bei der SG Leutershausen trotz langer Führung mit 23:24, so dass Dormagens Abstand auf den ersten Abstiegsplatz nun auch nach Minuszählern acht Punkte beträgt. Das andere Mittwoch-Ergebnis gefiel Wandschneider weniger: Der morgige Gegner musste sich nämlich bei Tuspo Obernburg überraschend mit 30:31 geschlagen geben.
Dabei machte sich in der Deckung das Fehlen des grippekranken Alexander Fetzer bemerkbar; außerdem wechselte das Trainergespann Michael Roth und Rolf Bechtold alle drei Torhüter ein, von denen aber keiner überzeugen konnte. Beste Werfer des Spitzenreiters, der jetzt nur noch vier (Minus-) Punkte Vorsprung auf die HSG Düsseldorf besitzt, waren Kreisläufer Lars Drögemüller, Vize-Weltmeister Christian Zeitz auf Halbrechts (je 6), Linksaußen Andreas Blank (6/2) und Ex-Nationalspieler Holger Löhr (5) auf Rechtsaußen.
Zeitz sah in der hektischen Schlussphase nach einer Rangelei die Rote Karte. "Nach dieser Niederlage brennt bei denen der Baum genau so wie bei uns", erwartet Wandschneider morgen einen bis in die Haarspitzen motivierten Gastgeber. Wobei ihm aber auch klar ist: "Die Spiele, die wir gewinnen müssen, kommen danach." Da gibt es dann gegen Erlangen (2. März, 16 Uhr), in Kirchzell und gegen Bad Neustadt wirklich keine Ausreden mehr. Volker Koch
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