Nach der "sehr, sehr intensiven, aber trotz allem schönen Zeit" beim Bundesliga-Absteiger Hertha BSC Berlin macht Friedhelm Funkel gemeinsam mit seinem Bruder Wolfgang und ein paar Freunden erst mal Urlaub – auf Mallorca, "denn bei der Kälte hier in Deutschland wirst du ja schwermütig".
Friedhelm Funkel ist zurück am Rhein, wenn auch nur bis Samstag. Dann geht es für den Neusser, dessen Vertrag als Trainer von Hertha BSC Berlin nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga nicht verlängert wurde, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Wolfgang Funkel, der ihn gestern Morgen vom Düsseldorfer Flughafen abholte, und ein paar Freunden für neun Tage nach Mallorca. Das Programm steht schon fest: "Tennis spielen, gutes Essen und vor allem Sonne tanken, denn bei der Kälte hier in Deutschland wirst du ja allmählich schwermütig".
Diese Tage der Muße braucht der 56-Jährige jetzt einfach nach der "sehr, sehr intensiven, aber trotz allem schönen Zeit in Berlin". Dass er das Klassenziel als Nachfolger des am 28. September entlassenen Lucien Favre verfehlt hat, ärgert ihn. "Der Abstieg war so vollkommen unnötig", hadert er: "Wir waren nirgendwo chancenlos, selbst am vorletzten Spieltag hatten wir in Leverkusen noch in der 93. Minute den Siegtreffer auf dem Fuß. Letztlich sind wir daran gescheitert, dass wir nicht die nötigen Tore geschossen haben." Erst auf Nachfrage kommt er auf die Schiedsrichter zu sprechen, "die uns bestimmt vier, fünf Punkte gekostet haben. Aber ich will das nicht an die erste Stelle setzen".
Zu Hause keine Macht
In sieben Monaten als Trainer von Hertha BSC holte Friedhelm Funkel in 27 Spielen 21 Punkte. Berlin blieb im Olympiastadion 16 Spiele hintereinander ohne Sieg. Funkel: "Trotzdem habe ich noch nie ein Team betreut, das in Krisensituationen so gut mitgezogen hat."
Was ihm nach gut sieben Monaten in der Bundeshauptstadt bleibt, ist "Enttäuschung, Wehmut, Schmerz, Trauer, aber auch die Erinnerung an eine tolle Zeit, von der ich nicht eine Sekunde missen möchte". Wie eng er dem Verein und seinen Spielern ("Auch sie hat der Abstieg hart getroffen.") verbunden ist, zeigt seine Bereitschaft, die Mannschaft auch noch in den Freundschaftsspielen am vergangenen Dienstag gegen eine Mitarbeiter-Auswahl der S-Bahn Berlin (17:2) und morgen Abend in Göttingen beim FC Grone zu betreuen. "Das will ich einfach, dafür ist das Verhältnis zu gut".
Dass sich Herthas aus Düsseldorf stammender Manager Michael Preetz in Abstimmung mit dem Präsidium gegen eine Verlängerung des Vertrages entschieden hat und stattdessen mit Markus Babbel die umgehende Rückkehr ins Oberhaus anpeilt, nimmt Funkel seinem Duzfreund nicht übel. "Mir war immer relativ klar, dass in der Zweiten Bundesliga ein Neuanfang kommen muss. Ich habe vollstes Verständnis für die Entscheidung, den Wiederaufstieg mit einer neuen Mannschaft und folglich einem neuen Trainer anzugehen." Natürlich, räumt er ein, wären er und sein Co-Trainer Christoph John gerne länger bei der Hertha geblieben: "Hertha ist ein toller Klub und Berlin eine fantastische Stadt!" Obwohl er seinen Trainerjob los ist, wird er darum fürs Erste weiter in der Hauptstadt bleiben. "Ich habe hier eine sehr schöne Wohnung und will die Zeit noch ein wenig genießen."
Funkel, den Preetz bei dessen Amtsantritt in Berlin als "Kind der Bundesliga" bezeichnete, ist noch nicht fertig mit Deutschlands Eliteklasse – nicht weil er es nötig hätte, sondern einfach, weil er immer noch Spaß daran hat, "mit den Jungs auf dem Platz zu stehen". Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wird er indes nur am Bildschirm erleben: "Das ist die erste WM, die im Winter stattfindet, da zieht mich gar nichts hin."
Und vielleicht klopft ja auch schon bald ein ambitionierter Verein an, der Verwendung für einen erfahrenen Trainer hat. Funkel wird bereit sein. Nach 18 Jahren als Bundesliga-Cheftrainer (Uerdingen, Duisburg, Rostock, Köln, Frankfurt) weiß er schließlich genau: "Dort, wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf ..."
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