Wie sich Bundesligist TSV Dormagen die Zeit bis zum Anpfiff in der Kieler Ostseehalle vertreibt
Dormagen/Kiel Wenn die Handballer des TSV Dormagen heute punkt 10 Uhr am Höhenberg in den Bus klettern, um die 507 Kilometer lange Fahrt nach Kiel anzutreten, hat Sebastian Linder nicht nur Sportsachen im Gepäck, sondern auch ein paar DVD's.
Der 26 Jahre alte Kreisläufer ist nämlich "Filmbeauftragter" im Kader des Bundesligisten, sucht stets das Passende in der Videothek aus. "Mal Action, mal 'was zum Lachen", erzählt Trainer Kai Wandschneider. Dass im Bus die Flimmerkiste läuft, erlaubt der Handball-Lehrer jedoch nur, wenn seine Schützlinge so wie heute einen Tag vor Spielbeginn anreisen. Am Spieltag selbst ist Filmegucken tabu, "da soll sich jeder auf seine Aufgabe konzentrieren", sagt der 50-Jährige, der aber gegen eines machtlos ist: "Fast alle haben ihren Laptop dabei und surfen im Internet. Das ist halt eine andere Spielergeneration."
Ob mit oder ohne DVD, eines sieht Wandschneider am heutigen Tag und morgen – der Anpfiff in der Ostseehalle ertönt erst um 20.15 Uhr – als seine vorrangige Aufgabe an: die Spannung aufrecht zu erhalten. "Aber das ist ja nicht unsere erste lange Tour, wir haben da schon Erfahrung", nimmt Wandschneider die Herausforderung gelassen. Allerdings hofft er auf einigermaßen "freie Fahrt" gen Norden: "Sieben Stunden sind okay. Wenn es aber zehn werden, ist es schwer, die Müdigkeit bis zum Spiel aus den Beinen zu kriegen." Heute stehen nach der Ankunft im Hotel nur noch Abendessen und Videostudium des Gegners auf dem Programm. Allerdings nur dosiert: "Wenn Du gerade von den Spitzenmannschaften zu viel zeigst, gibt das eine Blockade im Kopf. Die Jungs sollen aber locker in das Spiel gehen", sagt der Trainer, der auch einige Semester Psychologie studiert hat. Für Mitternacht hat der frühere Fallschirmjäger den "Zapfenstreich" angesetzt, morgen um 8.30 Uhr gibt's dann Frühstück und anschließend eine neunzigminütige Trainingseinheit im Kieler "Handballtempel".
Das "haben wir voriges Jahr genauso gemacht", sagt Wandschneider, "das war enorm wichtig." Denn für die meisten Spieler (und den Trainer) war es der erste Auftritt in der beeindruckenden, mit 10 250 Zuschauern stets ausverkauften Halle. "Und da war es durchaus hilfreich, das vorher erlebt zu haben, auch wenn die Halle leer war", meint der Trainer. Der "Schnuppertest" verlief so erfolgreich, dass die Dormagener anschließend ein sensationelles 28:28-Remis erkämpften. Auch wenn der THW Kiel momentan weit von seiner Bestform entfernt ist, hält Wandschneider eine solche Überraschung morgen für wenig wahrscheinlich: "Die werden uns bestimmt nicht noch mal unterschätzen."
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