Erst der Wintereinbruch, dann der Spitzenreiter - der EHV Aue steht vor einem harten Wochenende. Denn nach den Rekordschneemengen, die über dem Erzgebirge niedergingen, muss der Handball-Zweitligist jetzt auch noch das Gastspiel des TSV Bayer Dormagen verkraften.
An Handball denkt zur Zeit wahrscheinlich kaum jemand in Aue. Schließlich musste das Erzgebirge in dieser Woche den heftigsten und frühesten Wintereinbruch seit langem verkraften. „An derart viel weiße Pracht zu dieser Zeit können sich die Menschen in der Region kaum erinnern“, schreibt die „Freie Presse“ in ihrer freitägigen Ausgabe angesichts von Schneehöhen von fast einem Meter.
Am Sonntag Nachmittag wird das allerdings anders aussehen. Denn wenn um kurz vor 17 Uhr in der Lößnitzer Erzgebirgshalle die letzten Töne des Steigerliedes verklungen sind, kann sich der TSV Bayer Dormagen ungeachtet der Außentemperaturen auf einen heißen Tanz gefasst machen.
Schließlich hat der Erzgebirgische Handballverein (EHV) seine Spielstätte zu einer Festung ausgebaut - wohlwissend, dass seine in der Fremde erzielten Ergebnisse wohl kaum dazu ausreichen würden, der dienstälteste Verein in der Zweiten Liga Süd zu sein: Immerhin gehört der EHV Aue seit der Spielzeit 1992/93 zum „lebenden Inventar“ der Liga.
Zwei Punkte haben die Schützlinge von Trainer Maik Nowak in dieser Saison zu Hause erst abgegeben, bei der 34:35-Niederlage gegen den Tabellenzweiten TV Willstätt. Allerdings: Die anderen Gäste - SG Wallau-Massenheim, TV Korschenbroich, HG Oftersheim/Schwetzingen und TSG Münster - zieren einträchtig das Tabellenende.
Der Spitzenreiter aus Dormagen hingegen hat in der Erzgebirgshalle bislang nur ein Mal verloren: mit 26:36 in der Saison 2002/2003. Vier Siege und ein Unentschieden (33:33 aus der Spielzeit 04/05) stehen ansonsten in der Bilanz zu Buche.
Geht es nach Kai Wandschneider, soll sich daran auch nichts ändern. „Unser Ziel sind natürlich zwei Punkte“, sagt der Dormagener Trainer. Das auch eingedenk des vorgezogenen Spiels von Mittwoch, das der HSC Coburg mit 24:27 gegen den TV Hüttenberg verlor - die dritte Heimniederlage des Aufsteigers ließ den Vorsprung auf den Verfolger auf vier Punkte anwachsen.
Damit das so bleibt, überlässt Wandschneider nichts dem Zufall: Der TSV reist bereits am Samstag an, übernachtet in seinem Stammquartier „Zum blauen Engel“. Und mit Blick auf die winterlichen Verhältnisse tut er das nicht wie gewohnt mit seiner „Nichts-ist-unmöglich“-Wagenflotte, sondern mit einem eigens gecharterten Bus.
„Mit dem waren wir auch in Stralsund“, erinnert sich Wandschneider. Der sich aber nicht nur auf gute Omen verlassen will: „Wir müssen von Beginn an hoch konzentriert auf der Platte stehen“, hat er seinen Schützlingen eingetrichtert, auf die am Samstag Abend vor Ort noch eine Trainingseinheit wartet.
Für dieses Unterfangen steht ihm bis auf den Langzeitverletzten Kjell Landsberg der komplette Kader zur Verfügung - Ingo Meckes und Alexander Koke werden aber zunächst auf der Tribüne Platz nehmen. Koke hat wegen Verdachts auf Bizepsanriss in der Schulter in dieser Woche pausiert, „kann aber spielen, wenn wir ihn brauchen“, hofft Wandschneider.
Kollege Nowak muss auf Michael Hätterich verzichten: Der Rückraumspieler zog sich beim Zusammenprall mit einem Teamkollegen eine „orbitale Bodenfraktur am Auge“ zu und fällt bis zum Jahresende aus. Von der Tatsache, dass der EHV auf seinen zum HSC Bad Neustadt abgewanderten Top-Torjäger der vergangenen Jahre, den Tschechen Michal Tonar, verzichten muss, lässt sich der Dormagener Trainer nicht blenden: „Diesen Verlust haben die besser kompensiert als die meisten erwartet haben.“
Schließlich hat Aue auch ohne Tonar bereits 307 Treffer erzielt in dieser Saison. Für TSV-Pressesprecher Knut Kleinsorge, als Meister des Wortspiels bekannt, kann die Devise ohnehin nur lauten: „Wir wollen uns in Aue nicht aufs Glatteis führen lassen.“
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