Richtig erfolgreiche Ideen müssen nicht unbedingt kompliziert sein. Auch nicht bahnbrechend oder genial. Erfolgreich wird eine Idee immer dann, wenn sie sich verkaufen lässt. Und das kann Wolfgang Paes. Fünf Hütchen, zwei Lichtschranken, ein Computer - macht zusammen den „Speedflipper“.
Vor vier Jahren konzipierte Paes seinen Geschwindigkeits-Parcours, seitdem ist viel passiert. Die Fußballer von Schalke 04 haben sein Gerät benutzt, Eintracht Frankfurt, Arminia Bielefeld und Borussia Dortmund folgten. Jetzt ist Paes richtig dick im Geschäft, den Namen seiner Erfindung hat er mittlerweile aber geändert: „Flipper klang einfach nicht gut, jetzt heißt sie Speed4.“
Weil irgendwann aber alle Fußball-Profis den Kurvenlauf über die zehn Meter lange Strecke absolviert haben dürften, müssen neue Geschäftsfelder her. Hockeyspieler beispielsweise.
Schließlich bieten interdisziplinäre Vergleiche immer Gesprächsstoff. Und dann entsteht etwas, von dem alle Beteiligten profitieren. Die Spieler des HTC Schwarz-Weiß Neuss, weil sie aus ihrem Trainingsalltag herausgerissen werden. Wolfgang Paes, der nun hofft, eine neue Sportart für sich erschlossen zu haben.
Wie genial einfach „Speed4“ ist, lässt sich in den Gesichtern der Hockey-Spieler ablesen. Es braucht nur Sekunden, da entsteht eine ganz eigentümliche Wettkampfsituation. „Ganz wichtig ist natürlich, dass jeder Spieler nach dem Lauf eine persönliche Auswertung bekommt.
Da steht schwarz auf weiß wie schnell er reagiert, wie stark sein Antritt ist, seine Wende, sein Dribbling. Keine Ausreden, alles harte Fakten“, erklärt Paes den Reiz seines Geräts. Den bisherigen Rekord hält Darius Wosz, ehemals Profi beim VfL Bochum, er absolvierte die Stecke in 5,2 Sekunden.
„Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass dieser Rekord auch nicht vom HTC gebrochen wird“, so Paes vor Trainingsbeginn in der Stadionhalle an der Jahnstraße. Doch schon nach einer kurzen Einführung wird deutlich, die HTC-Spieler sind verdammt schnell.
Knapp sechs Sekunden beim Warmlaufen. „Wahnsinn, wie die hier abgehen“, so Paes. Derweil steht HTC-Coach Carsten Fischbach gemütlich an der Hallenwand und sieht dem munteren Treiben zu. Sportwissenschaftliche Ergebnisse erwartet er nicht, „die Jungs sollen vor den wichtigen Spielen am Wochenende den Kopf frei bekommen. Dafür ist so ein Parcours ideal“, so Fischbach.
Den Kopf frei bekommen? Nicht an Crefeld und Mühlheim denken? Momentan haben die HTC-Spieler jedenfalls nur den Parcours im Blick. Die Schlägerhaltung, die Wende, das Dribbling - Sebastian Draguhn, gerade erst von der Champions Trophy in Kuala Lumpur zurückgekehrt, steht am Rand und gibt Ratschläge.
Das erklärte Ziel: schneller sein als die Fußballer und bloß nicht vor den Kollegen das Gesicht verlieren. „Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie gestandene Profis plötzlich Verletzungen vortäuschen, weil sie sich nicht bei so etwas blamieren wollen“, weiß Wolfgang Paes aus Erfahrung.
Beim HTC drückt sich niemand, auch wenn die Favoriten bereits vorher feststehen. „Den Philipp Weide erwarte ich vorne, Tim Blasberg auch“, schätzt Fischbach. Zwei Stunden später steht fest, der Trainer kennt seine Pappenheimer.
Mit 4,6 Sekunden ist Weide nicht nur der schnellste HTC-Spieler, er unterbietet so ganz nebenbei den bisherigen Rekord um gut eine halbe Sekunde. „Das ist doch eine Schlagzeile“, freut sich Paes und denkt schon einen Schritt weiter.
„Im nächsten Jahr ist Fußball-Europameisterschaft, da bin ich eh gut gebucht. Aber es wäre doch genial, wenn wir daraus eine Wette für Thomas Gottschalk kreieren könnten. Welcher Fußballer schlägt den Hockey-Spieler - oder so ähnlich“, plant Paes. Der Mann kann einfach verkaufen.
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