Am Montagabend soll der Business-Club grünes Licht für die Gründung einer Dormagener Handball-GmbH geben. Deren künftige Angestellte lieferten mit ihrem 27:21-Sieg bei GWD Minden eine sportliche Steilvorlage.
Sie tanzten, sie lachten und herzten sich ab, als ob sie gerade den Titel in der Champions League gewonnen hätten. Tatsächlich könnte sich der 27:21-Sieg (Halbzeit 10:10) bei GWD Minden, der zweite überhaupt in dieser Spielzeit und der erste in einer fremden Halle, als ebenso wertvoll für die Zukunft des Dormagener Handballs erweisen wie der Gewinn der Königsklasse.
"Das kam genau zum richtigen Zeitpunkt", jubelte Heinz Lieven, nachdem er jedem Spieler liebevoll die Schulter getätschelt hatte. Der Vorsitzende des Business-Clubs will am Montagabend seine Sponsorenkollegen um ihre Zustimmung zur Gründung einer GmbH bitten (die NGZ berichtete). Die zwei Punkte, die den TSV Dormagen wieder in Reichweite des sportlichen Klassenerhalts bringen, mehr aber noch die spätestens nach der Halbzeitpause souveräne Art und Weise, wie sie eingefahren wurden, sieht Lieven als gute Argumente für seine Ansicht, "dass es sich lohnt, in diese Mannschaft zu investieren."
Mittwoch beim HSV
Bereits am Mittwoch geht's weiter für den TSV Dormagen: Um 20.15 Uhr steht in der Color-Line-Arena das Nachholspiel beim Tabellenzweiten HSV Hamburg auf dem Plan.
Denn der Sieg in der von den Gastgebern zum "Vier-Punkte-Spiel" erhobenen Auseinandersetzung zweier Tabellennachbarn entsprang nicht einer Glanzvorstellung einzelner, auch wenn sich Torhüter Vitali Feshchanka nach 15 abgewehrten Würfen zu Recht als Vater des Erfolges feiern lassen durfte. Er war das Resultat des besseren Konzepts. Denn während Mindens Trainer Richard Ratka stur an seinen acht durch die Bank weg routinierten Feldspielern festhielt, auch als mit zunehmender Spieldauer deutlich wurde, dass ihnen nichts Rechtes mehr einfallen würde gegen die geschlossene Deckungsformation der Gäste, wechselte Kai Wandschneider früh durch.
Und der Dormagener Handball-Lehrer vertraute dabei seinen "Lehrlingen" eine durchaus tragende Rolle in diesem so wichtigen Spiel an: Kristian Nippes (21), ohnehin die Nummer eins im rechten Rückraum, Max Holst (20), der im zweiten Durchgang den weiterhin formschwachen Michiel Lochtenbergh auf Linksaußen ablöste, und Michael Wittig (20) erzielten zusammen sechs der 27 Tore. Wittig, im Sommer aus der Reserve aufgerückt, um den Kader aufzufüllen, könnte am Kreis zur echten Alternative zum nach Göppingen abgewanderten Kjell Landsberg werden – wenn er weiter an seiner Abwehrtauglichkeit arbeitet.
Denn in dieser Abwehr liegt der Schlüssel zum Erfolg. "Wenn wir am Ende nicht verständlicherweise etwas die Konzentration hätten schleifen lassen, hätten wir Minden unter 20 Toren gehalten", sagte Wandschneider – in der Tat fielen die letzten beiden Treffer der Hausherren, als die Dormagener in Gedanken schon bei den Feierlichkeiten mit den knapp 20 mitgereisten Fans waren – "neun haben kurzfristig abgesagt, die werden sich ganz schön ärgern", meinte Fanclub-Chef Christian Genzer. Mit einem "bis zur Selbstaufgabe" (Wandschneider) kämpfenden Tobias Plaz auf der vorgezogenen Position verurteilte die Gästedeckung den Mindener Rückraum zur Harmlosigkeit, auch wenn Ratka relativierte: "Klesniks, Schäpsmeier und Wleklak waren alle nicht richtig fit" – zudem fehlte in Rene Bach Madsen der Stammspieler auf der linken Rückraumposition.
Da könnte sich rächen, dass die finanziell gleichfalls nicht auf Rosen gebetteten Mindener – Manager Hotti Bredemeier beziffert die Verbindlichkeiten auf 1,7 Millionen Euro – ihr Geld in wenige Routiniers statt in einen zwar unerfahrenen, dafür aber breiten Kader investiert haben. "Weil uns die Alternativen fehlen, ist jeder Spieler verpflichtet, eine Top-Leistung zu bringen", zeigt Ratka das Dilemma auf. Doch das war am Samstag höchstens zehn Minuten der Fall – aus einem 2:6-Rückstand machten die Dormagener innerhalb von fünf Minuten eine 7:6-Führung (16.).
In Rückstand gerieten die Gäste gar nicht mehr, obwohl sie im Angriff "noch zu viele Fehler machten" (Wandschneider) und 17 Mal an Torhüter Nikolas Katsigiannis scheiterten. Fehler, die sie dank ihrer Geschlossenheit wegsteckten, die durch die Ereignisse der vergangenen Wochen noch gestärkt zu sein scheint: "Ich kann nur sagen: Wir leben noch", fasste der Trainer die sechzig Minuten zusammen. Sportlich trifft das sicher zu.
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