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Lokalsport: Im Bollwerk totgelaufen

VON VOLKER KOCH - zuletzt aktualisiert: 29.11.2009 - 22:07

Nach elf Minuten führte der TSV Dormagen heute Abend gegen den TBV Lemgo mit 7:4. Die restliche Spielzeit entschieden die Gäste mit 34:19 für sich, weil der TSV keinen Weg durchs ostwestfälische Abwehrbollwerk fand.

 Foto: NGZ
Foto: NGZ

Sie seien auseinander gefallen wie Fallobst, hatte Volker Mudrow nach der 22:38-Heimschlappe des TBV Lemgo gegen die Rhein-Neckar Löwen geschimpft. Im ersten Bundesliga-Auftritt nach dieser Schmach präsentierten sich seine hart kritisierten Schützlinge heute Abend eher wie ein undurchdringliches ostwestfälisches Bollwerk. Leidtragender dieser Wandlung war der TSV Dormagen, der verdient, am Ende aber um ein paar Tore zu hoch mit 26:38 (Halbzeit 14:18) den Kürzeren zog und nun gemeinsam mit HBW Balingen-Weilstetten alleine die direkten Abstiegsplätze ziert.

Da nützte es auch nichts, dass Alt-Bürgermeister Heinz Hilgers vor dem Anpfiff alle Dormagener – Verantwortliche, Spieler und Fans – übers Hallenmikrofon auf den Kampf an allen Fronten einstimmte. Den an der spielerischen verlor der TSV, weil er zu wenig Durchschlagskraft aus dem Rückraum entwickelte, um die Lemgoer Hünen in Verlegenheit zu bringen. Kein Wunder eigentlich, stellte doch Holger Glandorf den kleinsten Spieler im Innenblock der Ostwestfalen – und der Weltmeister misst immerhin 195 Zentimeter! Ferenc Ilyes (1,98 Meter), Daniel Kubes (2,00 Meter) und Vignir Svavarsson (1,96 Meter) bringen noch ein bisschen mehr auf die Platte – zu viel jedenfalls für die Dormagener. "Das war wie eine chinesische Mauer – wir haben uns an diesem Bollwerk totgelaufen", brachte Trainer Kai Wandschneider die sechzig Minuten auf einen Nenner.

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Lizenz beantragt

Die neue Spielbetriebs GmbH ist gegründet, der TSV hat die Lizenz für Erste und Zweite Liga bei der HBL beantragt – das erklärte Alt-Bürgermeister Heinz Hilgers gestern vor dem Anpfiff.

Die gar nicht so schlecht begonnen hatten vor 2525 Zuschauern – die Kulisse zeigt, dass die Dormagener den außersportlichen Existenzkampf noch unterstützen. Als die Hausherren, unter anderem dank dreier wahrer "Geschosse" von Christoph Schindler, nach elf Minuten mit 7:4 führten, schwante Mudrow nichts Gutes. Der Lemgoer Trainer nahm flugs eine Auszeit. "Und die hat meine Spieler aufgeweckt", freute sich der erst kurz vor Saisonbeginn für den geschassten Markus Baur aus Wetzlar geholte Handball-Lehrer.

In der Tat: Die Gäste entschieden die folgenden fünf Minuten mit 5:0 für sich und gaben die einmal erarbeitete Führung nicht mehr her, auch wenn sie den TSV noch drei Mal auf Unentschieden herankommen ließen – zuletzt beim 12:12 (21.). "Die Tricks, mit denen wir uns bis dahin unsere Tore erarbeitet hatten, funktionieren halt nicht immer, weil der Gegner sie irgendwann durchschaut hat", klagte Wandschneider. Das Leid des Taktiktüftlers an der Dormagener Seitenlinie: "Wir brauchen enormen Aufwand, um zu Toren zu kommen. Die Gegner haben es da einfacher."

Denn der "enorme Aufwand" führt unweigerlich zum Kräfteverschleiß. Und der wiederum zu Konzentrationsmängeln und die wiederum zu Ballverlusten. Die aber bestraft ein Team wie Lemgo mit beinahe tödlicher Sicherheit durch Gegenstöße und Gegentore. "Wie gut uns das heute gelungen ist, sieht man an der Torverteilung", meinte Mudrow. Denn für Gegenstoßtore sind in der Regel die Außen zuständig – und die trugen sich in schöner Regelmäßigkeit in die Torschützenliste ein. "Dadurch sind wir gar nicht in die Verlegenheit gekommen, gegen die unangenehme Dormagener Abwehr anrennen zu müssen", freute sich der TBV-Trainer.

Auf der Gegenseite reichten den Gästen zwei taktische Schachzüge: Sie unterbanden die Anspiele an den Kreis, an dem Sebastian Linder anfangs noch eine gute Figur gemacht hatte. Und sie kauften dem so stark beginnenden Christoph Schindler den Schneid ab, der bis zur fünften Minute drei Treffer erzielte – danach nur noch einen. "Ein guter Rückraumspieler ist zu wenig", monierte Wandschneider, der aus dem Rest am ehesten noch Junioren-Weltmeister Kristian Nippes von der Kritik ausnahm: "Er hat auch Fehler gemacht, aber er hat auch noch nicht die Kraft, um sechzig Minuten durchzuspielen." Sein Fazit: "Ich glaube an die Spieler, aber wir brauchen ein paar Steigerungen. Vor allem im Rückraum."

Quelle: RP

 
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