Das beste am sonntaälichen Handballabend waren eindeutig die Rahmenbedingungen: Ein mit 2 550 Zuschauern ausverkauftes Haus, eine Stimmung, die selbst den Ex-Dormagener Martin Rubin, jetzt Trainer beim Schweizer Erstligisten Wacker Thun, ins Schwärmen („was für eine tolle Atmosphäre“) brachte.
Und mit Rewe West ein weiterer neuer Trikotsponsor für die Dormagener Handballer. „Ein ganz wichtiger Baustein“, freute sich Bürgermeister Heinz Hilgers, während Rewe-Projektleiter Udo Ohmen ankündigte: „Wie den 1. FC Köln wollen wir auch den TSV auf dem Weg in die Erste Liga begleiten.“
Auf diesem Weg sind die Dormagener am Sonntagabend dank eines hart erkämpften 34:29-Sieges (Halbzeit 18:13) über Favoritenschreck SG Wallau-Massenheim einen weiteren Schritt vorangekommen. Auf der vollbesetzten Tribüne hoffte Georgi Sviridenko, Trainer des hartnäckigsten Verfolgers HSG Düsseldorf, vergeblich auf einen Ausrutscher des TSV.
Die Dormagener gehen als Spitzenreiter ins Schlagerspiel am Karnevalsonntag (3. Februar, 18 Uhr) im Düsseldorfer Burg-Wächter-Castello. Und Hallensprecher Oli Fenkls Aufforderung: „Lasst uns diese Partie zu einem Heimspiel machen“, scheint angesichts der Euphorie am Höhenberg und der Düsseldorfer Zuschauerzahlen (Saisonrekord 1340 am Zweiten Weihnachtstag gegen den Bergischen HC) so weit hergeholt nicht.
Die Fans verziehen ihren Lieblingen am Sonnatgabend auch eine spielerisch eher durchwachsene Vorstellung gegen einen „unbequemen Gegner“, wie TSV-Trainer Kai Wandschneider in vornehmer Zurückhaltung die Spielweise der Gäste umschrieb. Sein Regisseur wurde da deutlicher: „Die sind in der Deckung nicht auf den Ball, sondern auf den Körper gegangen“, schimpfte Alex Koke, der trotzdem eines seiner besseren Spiele ablieferte.
„Gegen eine solche Taktik müssen wir konsequenter dagegenhalten“, forderte Dormagens Sportlicher Leiter Uli Derad. Nur: Um das in die Tat umzusetzen, fehlte einigen seiner Spieler die körperliche und geistige Frische.
Maciej Dmytruszynski, der polnische Schwerstarbeiter im Abwehrzentrum, war fast zu müde um zum Auswechseln zur Bank zu laufen - mit ihm in Normalform wären die Wallauer nicht so leicht zu ihren 29 Toren gekommen.
So bedurfte es schon einer „beinahe Weltklasseleistung“ (Wallaus Trainer Mike Fuhrig) von Vitali Feshchanka zwischen den Torpfosten, um die Gäste über die gesamte Spieldauer auf Distanz zu halten.
18 Paraden des weißrussischen Nationaltorhüters, der heute ins Europameisterschafts-Trainingslager nach Minsk abfliegt, ließen Uli Derad nach dem vierten Auftritt des 33-Jährigen im TSV-Dress das Fazit ziehen: „Mit seiner Verpflichtung haben wir viel richtig gemacht.“
Feshchanka war es weitestgehend zu verdanken, dass die unermüdlich kämpfenden Gäste nie näher als auf zwei Tore, zuletzt beim 26:28 (53.) und 27:29 (55.) herankamen. „Zum Glück“, entfuhr es Wandschneider, „sonst hätte es noch mal richtig eng werden können.“
So aber bauten Michiel Lochtenbergh, der im zweiten Durchgang endlich wieder aufblühte, ein sichtlich müder Florian Wisotzki, ein langsam wieder besser werdender Adrian Pfahl (2) und ein ohne Unterlass, aber erneut mit hoher Fehlerquote rackernder Nils Meyer den Vorsprung bis zum Schluss auf 34:29 aus.
So spannend hätte es gar nicht werden brauchen, hätten die Dormagener nach ihren klaren Führungen (7:2, 11. und 26:19, 47.) einfach nur konsequent weitergespielt. „Da müssen wir auch mal das Tempo rausnehmen“, forderte Wandschneider und vermisste in diesen Phasen „eine klare Führung auf dem Feld.“
Die Strukturen und Hierarchien kann er in der fünfwöchigen EM-Pause wieder erarbeiten. 62:12 Zähler oder 84 Prozent der möglichen Punkte, hat der akribische Statistiker ausgerechnet, hat der TSV aus den Zweitliga-Spielen in diesem Kalenderjahr geholt.
„Wäre das eine Saison, wären wir schon aufgestiegen“, sagt Wandschneider. Dreißig Punkte sind bis zum 3. Mai noch zu vergeben. Wie viele bis zum Aufstieg fehlen, bleibt eine spannende Frage.
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