Ailton ist sicher ein Extrembeispiel, doch es gab schon viele Profis, die sich nach ihrer Zeit im bezahlten Fußball noch bei den Amateuren versuchten. Einige, um noch ein bisschen Geld zu verdienen, andere um befreundeten Vereinen zu helfen. Auf Spurensuche im Rhein-Kreis Neuss.
Den richtigen Zeitpunkt zu finden, die Karriere zu beenden, das fällt vielen Profisportlern schwer. Ein klar strukturierter Tagesablauf, Anerkennung und vielfach ein gutes Gehalt – davon wird nur ungern Abschied genommen. So hat sich auch der inzwischen 36 Jahre alte Brasilianer Ailton lange Zeit geweigert anzuerkennen, dass sein Stern in der großen Welt des Fußballs verglüht. Durch seine Unterschrift beim Niederrheinligisten KFC Uerdingen für die nur sechsthöchste deutsche Spielklasse hat der einstige Kugelblitz das anscheinend endgültig akzeptiert, gleichwohl lässt er sich seine Dienste auch künftig noch sehr gut entlohnen.
Der Retter
Als Uerdingen 2008 vor der Insolvenz stand, rettete Agissilaos Kourkoudialos (43) den Klub mit einer Finanzspritze in Höhe von rund 100 000 Euro. 1997 war der gebürtige Dinslakener nach Büderich gezogen. Mit seinem im Taubental ansässigen Unternehmen Lakis GmbH kauft, saniert, verwaltet und vermarktet er Immobilien.
Wobei das Geld nur bei den wenigstens Ex-Profis eine entscheidende Rolle zu spielen scheint, wenn sie sich in die Niederungen des Amateurfußballs begeben. Zumindest mit Blick auf die jüngere Vergangenheit im Rhein-Kreis Neuss. Horst Steffen zum Beispiel, der für Borussia Mönchengladbach, Bayer Uerdingen und den MSV Duisburg in der Bundesliga kickte, heuerte 2003 beim SC Kapellen an, um seine Befähigung als Trainer auszutesten. Und als es dann personelle Engpässe gab, war er sich auch nicht zu schade, noch mal die Schuhe zu schnüren. "Ich habe es damals nicht so empfunden, als stünde ich unter besonderer Beobachtung. Allerdings war ich ja auch bei weitem nicht so bekannt wie Ailton", antwortet Steffen auf die Frage, wie es ist, sich als Ex-Profi unter die Amateure zu mischen.
Jedenfalls hatte der heute 40-Jährige Erfolg, führte den SCK in die Verbandsliga und trainiert aktuell die B-Junioren von Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga. Sein Assistent ist dort Sven Schuchardt, den er schon aus seiner Zeit in Kapellen kennt. Denn Schuchardt, der in der 2. Bundesliga für Uerdingen und Braunschweig auflief, spielte noch für die Erftstädter, nachdem ihm eine Knieverletzung eine Fortsetzung seiner Profikarriere unmöglich gemacht hatte. In Neuss-Grefrath wohnt er mit seiner Familie nicht weit vom Erftstadion entfernt und konnte zunächst in der Landesliga und dann in der Verbandsliga seine Laufbahn auf passablem Niveau ausklingen lassen. Ab 2007 trainierte er auch zwei Jahre die erste Mannschaft des SCK.
Mit dem Namen Horst Steffen ist auch der bislang größte Name verbunden, der in Diensten eines Kreisvereins stand. Seine Kontakte zu Bachirou Salou, der in der Bundesliga für Mönchengladbach, Duisburg, Dortmund und Rostock spielte, machten ein kurzes Engagement in Kapellen möglich – zumal der Togolese in Epsendorf gebaut hatte, also auch ganz in der Nähe wohnt. "Bachi lässt sich auch nicht mit dem Fall Ailton vergleichen. Er hat uns nur einen Gefallen getan. Er ist ein Kumpeltyp und war sofort in der Mannschaft akzeptiert", erinnert sich Steffen. Einen weiteren Ex-Profi zog es als Spieler nach Kapellen, als der frühere Borusse Peter Wynhoff 2006 dort als Trainer anheuerte. Aus Verbundenheit zu seinem ehemaligen Teamkameraden gab Thomas Hoersen (Bundesliga in Mönchengladbach und Duisburg) für eine Saison einen soliden Außenverteidiger.
Einen Akteur mit Erstliga-Erfahrung hat im Rhein-Kreis aktuell nur der Landesliga-Aufsteiger TuS Bösinghoven in seinem Kader. Thorsten Judt bestritt 43 Partien für Fortuna Düsseldorf in der höchsten Klasse, 251 für verschiedene Klubs in Liga zwei. Trainer Wolfgang Jeschke hat im Vorfeld ein persönliches Gespräch geführt und festgestellt, dass es Judt darum geht, dem Verein zu helfen und nicht darum, auf seine alten Tage noch ein paar Euro zu verdienen: "Er ist ein ganz ruhiger Vertreter, der in der Mannschaft voll akzeptiert ist."
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