Verlieren tut weh, vor allem dann, wenn man daran nicht mehr gewöhnt ist. Und darum kam nach der 1:3-Pleite (1:2) des zuvor acht Mal in Folge ungeschlagen gebliebenen Fußball-Landesligisten TuS Grevenbroich im Derby beim TSV Bayer Dormagen der Gang von Frank Borchardt Richtung Kabine auch stark einer Flucht gleich. Nur weg! „Ein verdienter Sieg für die Dormagener, ganz klar“, presste der ansonsten überaus umgängliche Coach mühsam hervor, schickte noch begründend etwas hinterher, was ungefähr wie „… wenn wir unsere Chancen nicht nutzen …“ klang, um sich dann mit der rhetorischen Frage „sind wir klar?“ endgültig zur Frustbewältigung in die schützende Kabine zu retten.
Den kompletten Gegenentwurf zu Borchardt lieferte sein Kollege Uwe Kühn. Natürlich, im Gegensatz zum TuS darf er mit seiner Truppe nämlich weiter darauf hoffen, vielleicht doch noch mal ins Titelrennen eingreifen zu können. „Unser Sieg“, stellte er sichtlich zufrieden fest, „ist verdient“. Und auch die Spielanalyse kam leicht über seine Lippen: „Wenn unsere beiden Spitzen treffen, gewinnen wir.“
So einfach ist das im Fußball. Hilfreich ist es außerdem, wenn sich der Gegner als ausgesprochen kooperativ erweist: Beim frühen 1:0 (6.) von Salvatore Franciamore per Freistoß ließ sich TuS-Keeper Kevin Afari von dem listigen, aber beileibe nicht unhaltbaren Schuss ins kurze Eck böse überraschen. Beim 2:1 unmittelbar vor der Halbzeitpause ließ sich ausgerechnet Abwehrchef Björn Line von de Berg im Duell mit Franciamore übertölpeln und musste dann entsetzt mitansehen, wie der Dormagener das Leder seinem Sturmkollegen Jens Skrzypczyk maßgerecht auf den Schlappen legte.
Zwischen diesen beiden Treffern war der TSV in einer trotz des tiefen Rasens spielerisch durchaus ansprechenden Partie zunächst die etwas bessere Mannschaft gewesen, hätte durch Kai Pelzer und Skrzypczyk noch zwei weitere Male treffen können. Die Gäste, deren beste Chance Olaf Weber in der achten Minute ausließ, als er den Ball knapp am Tor vorbeispitzelte, benötigten ebenfalls die Unterstützung des Gegners, der im Gedenken an den kürzlich verstorbenen langjährigen Kicker und Jugendtrainer Hansi Golder mit einem Trauerflor spielte, um zum Ausgleich zu kommen.
Nach einem Freistoß von Michele Fasanelli bestrafte Sascha Bechtold die fehlende Absprache zwischen TSV-Keeper Timo Brandes und seiner Abwehr mit einem Kopfball über den im Niemandsland verharrenden Schlussmann ins Netz (37.). Danach hatte der TuS seine beste Zeit, hätte durch Oliver Müller und Weber treffen können.
Im zweiten Abschnitt aber tauchte Grevenbroich nur noch höchst selten gefährlich vor dem Dormagener Gehäuse auf, parierte Brandes glänzend gegen Weber. Die Hausherren hätten schon vor dem 3:1 (75.) Franciamores durch Pelzer (50.) und André Grunzel (Pfosten/65.) erhöhen müssen. Der TuS konnte sogar noch von Glück sagen, dass Grunzel (82.), Skrzypczyk (89.) und Thomas Boldt (90.) in der Schlussphase weitere Großchancen ungenutzt verstreichen ließen. Aber das wäre dann doch zuviel des Guten gewesen.
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