Tischtennisteams müssen in den Regional- und Oberligen unter der Hoheit des DTTB mit einer neuen Spielordnung klarkommen. Welche konkreten Probleme sich daraus ergeben können, zeigte sich am ersten Spieltag.
In der Vorbereitungsphase auf ihre neue Saison mussten die Tischtennisspieler nicht nur viel Zeit mit Training verbringen. Wenn sie in der Regionalliga- und Oberliga aktiv sind, galt es auch, sich in eine neue Spielordnung einzuarbeiten. Doch das 31 Seiten starke Werk scheint nicht so leicht zu erfassen zu sein. Denn schon am ersten Spieltag tappte die TG Neuss in die ersten Fallen.
Die Regionalliga- und Oberliga-Ordnung hat der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) bundesweit einheitlich für alle dritt- und vierthöchsten Spielklassen erstellt, weil er nach einem Beschluss des DTTB-Bundestages nun auch für diese Ligen die Hoheit hat. Die Hintergründe für diese Entscheidung liegen auf verbandspolitischer Ebene.
Strafenkatalog
Vereine, die gegen die Vorgaben der neuen Regionalliga- und Oberliga-Ordnung des DTTB verstoßen, müssen mit saftigen Strafen rechnen. Stimmt etwas mit der Spielbox nicht, können bis 250 Euro fällig werden. Tritt ein Team nicht komplett an, werden 100 Euro pro Spieler fällig. Eine fehlende Anzeigetafel kostet 50 Euro.
Regionalverbände einsparen
Um die bislang vier zuständigen Regionalverbände mittelfristig einsparen zu können, wurden ihnen durch den Verantwortungstransfer ihre originären Aufgaben genommen. Dass dann der DTTB ins Spiel kam, lag an der beabsichtigten Signalwirkung. "Es ergibt einfach Sinn, die Dritte und Vierte Liga an die Bundesligen anzudocken, um deutlich zu machen, dass man sich im semiprofessionellen Bereich bewegt", erklärt Michael Keil, Geschäftsführer des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes (WTTV).
Doch gerade diese Professionalisierung ist es, die viele Vereine im Bereich des WTTV vor große Probleme stellt. Genaue Vorschriften über den Rahmen eines Meisterschaftsspiels gab es zwar auch vorher, doch überprüft werden konnten sie in der Regel nicht. Jetzt ist aber schon für die Oberliga ein Schiedsrichter zwingend. "Völlig unnötig, der Sport ist als sehr fair bekannt und hat bislang auch so bestens funktioniert", erklärt Ralf Peerenboom, Abteilungsleiter der TG Neuss. Beim ersten Saisonspiel daheim gegen den TuS Neviges bekamen die Quirinusstädter gleich mehrfach zu spüren, was es heißt, unter den neuen Voraussetzungen zu spielen. Der Schiedsrichter monierte den Schläger von Norbert Schagun, befand die Spielboxen für zu klein und bemängelte fehlende Boxenabtrennungen an der Hallenwand. Jetzt muss die TG Sondergenehmigungen beantragen. Boxenabtrennungen dort, wo eine Mauer den Ball aufhält, sind für WTTV-Geschäftsführer Michael Keil ein gutes Beispiel dafür, dass ein Umstellungsprozess im Gange ist: "Die Erfahrungen werden gesammelt. Und dann erwarte ich, dass im Regelwerk nachgebessert wird."
Budget zusätzlich belastet
Das beruhigt Ralf Peerenboom aber nicht wirklich. Die neue Spielordnung belastet das Budget für die erste Mannschaft zusätzlich mit rund 1000 Euro – etwa durch eine neu eingeführte Meldegebühr, Schiedsrichterkosten und einen Satz nun zwingend erforderlicher Ausweichtrikots. Ganz abgesehen von den drastisch erhöhten Strafgebühren für mögliche Regelverstöße. Auch Joachim Beumers vom Regionalligisten DJK Holzbüttgen macht seinem Unmut Luft: "Man sollte die Latte nicht zu hoch legen. Denn die Frage ist, ob die Vereine das langfristig mitmachen."
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