Das Lob kam aus berufenem Munde. In seinem Fazit nach dem 4:1-Erfolg am Dienstag in der dritten Runde des Niederrheinpokals über die Kicker des Landesligisten TuS Grevenbroich stellte RWE-Trainer Heiko Bonan fest: „Fußballerisch war der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften gar nicht so groß.“
In der Tat kam Rot-Weiß Essen im Schloss-Stadion vor allem deshalb ungeschoren davon, weil der Regionalligist in den entscheidenden Details einfach den letzten Tick besser war.
Dass drei der vier Treffer in den ersten Minuten der beiden Hälften fielen, sprach für die Klasse der Gäste. TuS-Trainer Frank Borchardt ärgerte nur, „dass sich diese Phasen, in denen bei uns gar nichts geht, wie ein roter Faden durch die Saison ziehen.“
Ohne diese Blackouts, so Borchardt weiter, wäre der turmhohe Favorit sicher noch nachhaltiger in Bedrängnis zu bringen gewesen. „Wäre es uns gelungen, das Spiel bis zur 70. Minute offenzuhalten, wären die vielleicht nervös geworden. Dann wären bei uns auch noch mal Kräfte frei geworden.“
Mit der beruhigenden 3:1-Führung im Rücken aber konnte es sich RWE sogar leisten, mindestens einen Gang zurückzuschalten. „Wenn die gewollt hätten, hätten die uns am Ende auch noch viel klarer schlagen können“, räumte Borchardt ein.
Dass Bonan fast ausschließlich Akteure aus der zweiten Reihe mitgebracht hatte, focht den Grevenbroicher Coach dabei nicht an. „Auch die Jungs trainieren schließlich jeden Tag.
Das hat man gemerkt. Fußballerisch habe zwar auch ich nicht die großen Unterschiede gesehen, aber die waren uns im läuferischen und konditionellen Bereich sowie im Kopfballspiel auf jeden Fall überlegen.“
Zufrieden war er mit der ganzen Mannschaft, doch mit einem Sonderlob bedachte er seine zentralen Verteidiger Maurice Simmons und David Bassek. „Sie waren so stark, dass der Ausfall von Björn Line von de Berg, unser Kapitän und Kopf der Viererkette, gar nicht aufgefallen ist.“
Geradezu wie neugeboren wirkte Oliver Müller, den Borchardt wie bereits beim 1:0 in der Meisterschaft gegen den BV 04 Düsseldorf in die Spitze beordert hatte. „Der große Vollstrecker ist er zwar nicht, aber durch ihn kommt viel mehr Dynamik in unser Spiel und er schafft Räume für die anderen.“
Viel weniger freien Raum hätte sich am Dienstagabend allerdings Franz-Josef Esser, Sportlicher Leiter der TuS, gewünscht - und zwar im Schloss-Stadion. Mit den genau 643 Zuschauern war er nicht zufrieden. „800 hätten es schon sein können.“
Vor allem aus Essen waren recht wenig Fans mit an die Erft gekommen, „lass es vielleicht hundert gewesen sein“, schätzte Esser, der freilich Verständnis zeigte: „RW Essen hatte zuletzt zwei Heimspiele hintereinander, und acht Euro für eine Eintrittskarte sind nicht wenig - und dann hast du noch nicht mal was gegessen oder getrunken. Dazu kommt noch die Verkehrssituation, die Autobahnen sind um diese Uhrzeit zu.“
Des einen Freud’, des anderen Leid. Für die Polizei war das Ausbleiben der als schwierig bekannten Anhänger aus Essen ein Glücksfall. Da Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist, zeigten die wehrhaften Beamten in der Schloss-Stadt trotzdem Präsenz.
„Allein rund um den Bahnhof“ hatte Esser „fünf, sechs Essener Polizeiautos“ ausgemacht. „Die kennen ihre Pappenheimer und haben einige gleich am Bahnhof abgefangen.“ Sein Fazit: „Dieses Spiel hat wieder mal gezeigt, es lohnt sich, sich im Kreispokal reinzuhängen.“
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