Den Schlusspfiff erlebte Uwe Kühn auf der Tribüne. Während der 1:2-Pleite (1:0) seiner Schützlinge in Nettetal wäre dem eigentlich nicht unbedingt zu Überreaktionen neigenden Trainer des Landesligisten TSV Bayer Dormagen ansonsten wohl der Kragen geplatzt. „Das hatte mit Fußball nichts zu tun“, stellte er nur mühsam beherrscht fest.
Die Gemüter der Dormagener erhitzte vor allem der Auftritt der jungen Unparteiischen Isabelle Hermann aus Mönchengladbach. Die 19-Jährige agierte nämlich wie ferngesteuert, schien an den Fäden ihres routinierten „Assistenten“ Thomas Sleegers zu hängen. „Heute habe ich zum ersten Mal einen indirekten Schiedsrichter gesehen“, brachte Kühn das ungewöhnliche Schauspiel auf den Punkt. Sleegers gab Signal und seine Marionette auf dem Platz pfiff.
Für den Geschmack der Gäste freilich zunächst viel zu wenig. Weil nämlich der zweite Assistent Hans-Jürgen Weyers im Gegensatz zu seinem übermotiviert wirkenden Kollegen auf der anderen Seite offenbar schon Winterschlaf hielt, kamen die Gastgeber mit einem fiesen Ellenbogencheck gegen den allerdings nicht gänzlich unschuldigen Jens Skrzypczyk davon, zudem fühlte sich der TSV um mindestens zwei Elfmeter geprellt.
Trotzdem ging er nach einem Musterangriff über Volker Helm und Sascha Querbach durch Salvatore Franciamore (28.) in Führung. Zu bereitwillig aber ließ er sich, so Kühn kritisch, „von der vor allem auf Provokation ausgerichteten Spielweise des Gegners“ böse aus dem Konzept bringen. Kollege Georg Mewes verstand darunter freilich Kampf und Leidenschaft, „unsere einzige Chance gegen eine spielerisch bessere Mannschaft“.
„Nicht abgebrüht genug“
„Um diese Situationen zu überstehen, sind wir nicht abgebrüht genug“, haderte Kühn, der im Mittelfeld seinen Antreiber Kai Pelzer (Urlaub) vermisste. Der Ausgleich fiel indes mit Ansage. Die Hausherren, zuvor schon bei Standards höchst gefährlich aufgetreten, kamen nach einem Eckstoß durch den völlig unbedrängten Kevin Enke (65.) per Kopf zum nicht unverdienten 1:1.
Und während Sven Schmitz (74.) mit einem abgefälschten Schuss aus 25 Metern Nettetal danach äußerst glücklich in Front schoss, ließen Stephan Volk (66./69.) und Franciamore (71.) für Dormagen beste Chancen aus. Und dann übernahm wieder Sleegers: In der Schlussphase wies er Hermann an, die Dormagener Helm und Skrzypczyk wegen vermeintlicher Tätlichkeiten mit der Roten Karte vom Platz stellen. Angesichts der spaßfeindlichen Hektik mochte sich selbst Mewes nicht mehr freuen: „Wir haben gewonnen, sonst gibt’s über dieses Spiel wirklich nichts Gutes zu sagen.“ Stimmt.
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