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Korschenbroich und Dormagen II haben gemeinsames Ziel: Mit neuem Kader in der Klasse bleiben

zuletzt aktualisiert: 06.09.2000 - 21:42

Alle Jahre wieder geht es ums sportliche Überleben für den TV Korschenbroich und den TSV Bayer Dormagen II. Für die am Samstag beginnende neue Saison in der Handball-Regionalliga West haben die Verantwortlichen der beiden Kreis-Vereine die Erwartungshaltung auf ein Mindestmaß gestutzt. Die beiden Vereine tauschten ihr Personal nahezu komplett aus, die Zielsetzung bleibt aber unverändert: Der Klassenerhalt in der neugeschaffenen eingleisigen West-Staffel mit nun 16 Vereinen muss her.

Für die Handball-Fans im Kreis Neuss hält die neue Regionalliga West einige Änderungen parat. Im Zuge einer bundesweiten Regionalligareform gibt es von nun an nur noch sechs "dritte Ligen" in Deutschland. Die vormals in eine Nord- und eine Südstaffel unterteilte West-Liga wurde zusammengefasst und von ehemals 28 auf 16 Mannschaften reduziert.

Die Play-off-Runde entfällt, nur noch der Westmeister, also die Mannschaft, die am Ende auf Platz eins steht, steigt direkt in die 2. Bundesliga auf. Mindestens drei Absteiger müssen die Liga verlassen. Insgesamt stehen für jede Mannschaft 30 Spieltage auf dem Programm. Nachdem die ostwestfälischen Top-Teams Bad Salzuflen (Aufstieg in die 2.Liga), Bielefeld und Spenge, die in die Nord-Regionalliga eingestuft wurden, nicht mehr dabei sind, erwarten die Experten eine ausgeglichenere Gruppe mit mehr Chancengleichheit für alle Teams.

Beim TV Korschenbroich scheint das Selbstbewusstsein im Vorfeld der Saison besonders gelitten zu haben: "Wir wollen die Klasse halten, mehr ist nicht zu erwarten", erklären TVK-Coach Wolfgang Brandt und Fördervereins-Chef Jupp Grimm einträchtig. Diese Saisonprognose überrascht ein wenig, denn nach überstandener Relegation herrschte vor wenigen Monaten noch Euphorie rund um die stets proppevolle neue Halle am Waldstadion. Doch die Ernüchterunbg folgte prompt: "Wir hätten gerne einige Leistungsträger wie Raphael Kutz und Martin Kuhlen gehalten", so Brandt.

Doch die spielen lieber unter ihrem Ex-Trainer Michael Dautzenberg beim Erzrivalen Borussia Mönchengladbach in der Oberliga. Da blieb dem TVK nur der völlige Neuaufbau. Nicht weniger als acht neue Spieler müssen integriert werden. Lediglich Gürtner, Weber, Hirschfelder und Indenhuck blieben aus dem alten Kader. Dazu gesellten sich die beiden Rückkehrer Markus Mönkedieck (Opladen) und Steffen Becker (HSV Rheydt) sowie die sechs weiteren Zugänge Matthias Thiemann (TV Traar), Maher Farhan (TV Oppum), Jörg Ramisch (TS St. Tönis), Peter Rütten (Bayer Uerdingen), Lars Diete (Borussia Mönchengladbach) und Daniel Schürings (TV 1848 Mönchengladbach).

Der Traum, einmal wieder eine echte Korschenbroicher Mannschaft mit vielen Eigengewächsen in die Regionalliga zu schicken, ist längst ad acta gelegt, das neue Team besteht fast überwiegend aus "Legionären". Das erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Disziplin und Integrationsbereitschaft, zumal mit Carsten Hirschfelder, einem zentralen Abwehrspieler, gleich ein Leistungsträger für lange Zeit ausfallen wird. Er hat eine akute Lungenentzündung und Pfeiffersches Drüsenfieber. "Es ist noch nicht abzusehen, wann er wieder auflaufen kann, aber frühestens im November ist er einsetzbar", rechnet Brandt mit einer sehr langen Pause.

Da der TVK in diesem Jahr trotz der Mammutsaison auf einen Mini-Kader setzt, ist die Verpflichtung eines Hirschfelder-Ersatzes nicht ausgeschlossen. Doch der Markt und der TVK-Geldbeutel sind leer, wie Brandt feststellen musste, also üben sich die Verantwortlichen in marktbeobachtender Geduld. Der TVK-Coach setzt in der neuen Saison vor allem auf eine starke Defensive: "Wir haben uns mit Markus Mönkedieck auf der Torhüterposition sicher verbessert", so Brandt. Dazu sei die erste Sieben vor allem in der Defensive stärker als die alte Mannschaft: "Es gilt, aus einer starken Abwehr heraus zu agieren und somit auch den ein oder anderen Tempogegenstoß zu landen, denn im Angriff liegt uns das Positionsspiel noch nicht so sehr".

Doch nicht nur ein verbessertes Defensiv-Verhalten gibt Brandt als Saisonziel aus, die völlig neuformierte Mannschaft soll auch möglichst schnell die Herzen der Fans gewinnen: "Die Zuschauer und die Handball-Abteilung sollen sich wieder mit der Mannschaft identifizieren können, das war im vergangenen Jahr leider nicht der Fall". Gleich zum Auftakt kommt mit dem TuS Weibern am Samstag um 19.30 Uhr eines der besseren Regionalliga-Teams in die Korschenbroicher Waldsporthalle.

"Der TuS gehört für mich zu den Top Five der Liga", zollt Brandt in seiner zu Saisonbeginn traditionell zurückhaltenden Art dem Gegner Respekt: "Der TuS ist auf allen Positionen stark besetzt und wird sicher eine gute Rolle spielen. Nach der Partie wissen wir, wo wir stehen". Neben dem Ausfall von Hirschfelder ist auch Jörg Ramisch angeschlagen, wenngleich er in dieser Woche erstmals trainieren konnte; dem Rückraumschützen macht eine Verletzung an der Wurfhand zu schaffen.

Trotz aller Zurückhaltung und Tiefstapelei, der TVK dürfte in der neuen Liga eine ordentliche Rolle spielen können, wenn der Minikader von Verletzungen verschont bleibt. Mit Gürtner, Rütten, Mönkedieck, Fahran und einem gesunden Hirschfelder verfügt er über ein erfahrenes Mannschaftsgerippe, das es erst einmal zu besiegen gilt. Dahinter warten mit Talenten wie Becker, Indenhuck, Weber oder Diete vielversprechende junge Kräfte, die bereits Regionalliga-Luft schnupperten.

Die Aufgabe, die Achim Gossow beim TSV Bayer Dormagen II übernommen hat, scheint die schwierigste aller 16 Trainerjobs in der Liga zu sein. Der neue, als Spieler und Trainer erstliga-erfahrene Coach muss eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft, deren Durchschnittsalter nicht einmal 22 Jahre beträgt, erfolgreich durch die Regionalliga steuern. Selbst Lokalrivale TV Korschenbroich zählt die Dormagener zu den ersten Abstiegskandidaten, da ist Optimismus gefragt.

Fast die gesamte alte Mannschaft verabschiedete sich: Markus Annas, Bruno und Helmuth Scherer wechselten zum Longericher SC, Helmut Menzel zog es zur TG Lennep, Jörg Fischer zum Neusser HV, Bastian Kraus zum TV Angermund, Florian Mai zum TV Oppum, Edgar Scheier zum TV Mettmann, Stefan Schürmann zu Borussia Mönchengladbach, Holger Lidolt ist noch ohne Verein und Ex-Trainer Jörg Siegert betreut nun den TuS Hösel.

Da blieb Gossow nur ein fleißiges Einsammeln von Talenten, die links und rechts des Weges lagen: Marcel Wernicke (Bad Säckingen), Kai und Uwe Graf (HSG Singen-Gottmadingen), Sven Schäfer (TuS Ferndorf), Hans Ombelets, Gerrit Vertommen (beide Belgien) und Gabriel Szcepanski (3. Mannschaft) müssen erst einmal integriert werden.

Gossow gibt daher erst einmal eine allgemeine Devise aus: "Wir müssen da Punkte holen, wo es möglich erscheint, und damit wollen wir möglichst im ersten Spiel anfangen". Zum Start wartet am Samstag um 19.30 Uhr Aufsteiger HSG Biewer. "Wir werden am Anfang sicher noch nicht unser komplettes Leistungspotenzial erreichen können, dafür war der Bruch einfach zu groß", so Gossow, "mit einer solch jungen Mannschaft aufzulaufen ist aber eine reizvolle und interessante Aufgabe".



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