TBV Lemgo gastiert am Sonntag Abend im TSV-Sportcenter.
Punkte brachte der TSV Dormagen erwartungsgemäß keine mit vom Gastspiel in Hamburg. Doch einen "Erfolg" darf der Handball-Bundesligist für sich verbuchen – glaubt man der "Bild-Zeitung" (Ausgabe Hamburg), dann ist Martin Schwalb in seiner Trainerlaufbahn noch nie so laut geworden wie in der Halbzeitpause am Mittwochabend. Grund: Der Tabellenzweite lag zur Pause nur mit 14:13 gegen den Abstiegskandidaten in Front.
"Trainer Schwalb brüllte wie noch nie", titelt die "Bild-Zeitung" und zitiert HSV-Profi Marcin Lijewski: "Schwalb hat uns richtig angebrüllt. Mann, oh Mann. Aber er hatte ja Recht." Schwalb selbst gab hinterher zu: "Ich musste ein Zeichen setzen. Manchmal müssen es leise Töne sein, diesmal brauchten sie laute, deutliche Worte." Die im übrigen wirkten: Der HSV gewann den zweiten Durchgang mit 25:10.
Jetzt dürfen die Handball-Fans gespannt sein, was sich am Sonntag Abend in den Kabinen des TSV-Sportcenters abspielen wird. Denn mit dem TBV Lemgo gastiert ab 17.45 Uhr ein Team in Dormagen, bei dem die Nerven ohnehin blank zu liegen scheinen. Weil sie beim Qualifikationsturnier im Sommer den Einzug in die Champions League verpassten, trennte sich der TBV noch vor dem ersten Bundesliga-Spiel von Trainer Markus Baur und setzte dem Sportlichen Leiter Daniel Stephan gleichfalls den Stuhl vor die Tür. Volker Mudrow , im Frühjahr unehrenhaft in Wetzlar entlassen, von 2002 bis Januar 2007 schon einmal auf der Bank des TSV, übernahm das Ruder, ohne die Wankelmütigkeit der noch dazu von Personalsorgen geplagten Lemgoer abstellen zu können.
Das Team um den aus Büttgen stammenden Florian Kehrmann – der Rechtsaußen musste zwischenzeitlich in höchster Personalnot am Kreis aushelfen – hat zwar bislang als einziger Bundesligist dem THW Kiel einen Punkt abknöpfen können (27:27 in der Ostseehalle). Dem stehen aber Pleiten in Wetzlar (30:31) und zu Hause gegen den HSV (25:34) und vor anderthalb Wochen gegen die Rhein-Neckar Löwen (22:38) gegenüber. "Wir sind auseinandergefallen. Wie Fallobst", hatte Mudrow nach der historischen Heimschlappe gesagt.
Für Kai Wandschneider ist das alles kein Thema. "Wie Lemgo drauf ist, braucht uns nicht zu interessen", sagt der Dormagener Trainer, "wir müssen uns auf uns selber konzentrieren." Wozu die Mannschaft fähig ist, wenn sie das tut, hatte sie zuletzt beim 27:21-Sieg in Minden und in der ersten Halbzeit in Hamburg bewiesen. Eines steht für Wandschneider ohnehin außer Frage: "Egal, in welcher personellen Besetzung und in welcher mentalen Verfassung die hier auflaufen, Lemgo ist auf jeden Fall haushoher Favorit. Die haben nur Nationalspieler auf der Platte."
Die Favoritenrolle nehmen die Lemgoer an, auch wenn Mudrow warnt: "Dormagen ist keine Aufgabe, die man mal so eben erledigen kann." Er muss weiterhin auf Kreisläufer Sebastian Preiß (Achillessehne) und Linksaußen Jens bechtloff (Mittelhandbruch) verzichten, kann aber wieder auf Holger Glandorf bauen. "Der Einsatz von Michael Kraus und Ferenc Ilyes wird sich wohl kurzfristig entscheiden", heißt es auf Lemgoer Seite – was im verklausulierten Deutsch der Bundesliga-Pressesprecher nichts anderes bedeutet, als dass beide morgen auflaufen werden. Beim TSV klagt der zuletzt starke Torhüter Vitali Feshchanka über leichte Knieprobleme, wird aber wohl zwischen den Pfosten anfangen. Auf Linksaußen soll dies morgen erstmals in dieser Saison Max Holst tun. Ob die Dormagener damit Mudrow zum Brüllen bringen können? Gegen 18.25 Uhr wird zur Pause gepfiffen, dann weiß man mehr.
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